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Terror : Das baskische Baader-Meinhof-Paar

  • -Aktualisiert am

Gefaßt: Eta-Anführer „Antza”, Freundin „Anboto” Bild: dpa/dpaweb

Er war der politische Kopf der Terroristen, sie die mutmaßlich blutigste Kommandoführerin: Die Eta-Anführer Mikel Albizu und Soledad Iparragirre gingen am Wochenende der französischen Polizei ins Netz.

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          Die Baader-Meinhof-Analogie stimmt, was das Gewicht und die Position des Paares in der baskischen Bande angeht. Der Unterschied ist: Er war der politische Kopf der Terroristen und sie die mutmaßlich blutigste Kommandoführerin. Mikel Albizu, alias „Mikel Antza“, und Soledad Iparragirre, alias „Anboto“, die am Wochenende gewissermaßen als Zufallsfund bei einer Razzia der französischen Polizei ins Netz gingen, waren dazu noch Lebensgefährten mit einem kleinen Sohn.

          Ihre Ergreifung wurde von der spanischen wie der französischen Regierung als „historischer Enthauptungsschlag“ gegen die Terroristenorganisation Eta gefeiert. Spezialeinheiten der französischen Polizei, die sich auf Informationen der spanischen Guardia Civil stützten, hatten in den atlantischen Departements in und um das französische Baskenland eine großangelegte Operation gegen den logistischen Apparat von Eta vorbereitet.

          Ein unauffälliges spanisches Paar

          In mehreren Dörfern schlossen sie ihren Ring in den Morgenstunden des Sonntags. Was sie in Salies-de-Bearn, unweit der Stadt Pau, vorfanden, übertraf, als bald die Fingerabdruckanalysen aus Madrid eingingen, alle Erwartungen. Der 43 Jahre alte Albizu, seit zwölf Jahren der oberste politische Anführer von Eta, und die gleichaltrige Iparragirre, gesucht im Zusammenhang mit mindestens vierzehn Morden, schliefen ruhig auf ihrem Bauernhof. Dieser Hof, den das unauffällige spanische Paar - ihr Kind ging in die örtliche Schule - seit vier Jahren gemietet hatte, war genaugenommen mehr ein gediegenes Landhaus.

          Trügerische Idylle: Polizist vor dem Hof der Eta-Anführer

          Eine Nachbarin berichtete spanischen Journalisten, daß sie dachte, die drüben seien vorwiegend mit der Entenmast und Gänseleberherstellung beschäftigt. Was sich, nach ersten Angaben der Behörden, aber auf den Computerdisketten und in den Dokumenten der beiden fand, hatte nichts Kulinarisches an sich. Hier ging es um die Organisation und Vorbereitung von Attentaten und außerdem - offenbar „Anbotos“ Spezialität - um das Eintreiben der erpresserischen „Revolutionssteuer“ bei wohlhabenden Basken.

          Waffen und Munition in Kellern und Scheunen

          Am Montag klärte sich allmählich das Bild, als bekannt wurde, was die Polizei, die insgesamt 20 Eta-Verdächtige in Frankreich und einen in Spanien festgenommen hatte, in den diversen, „Zulos“ genannten Verstecken auf entlegenen Gehöften noch alles entdeckt hatte: rund tausend Kilogramm Dynamit, Zünder, Granatwerfer, Sturmgewehre, Bargeld, um nur das wichtigste zu nennen.

          Bei der Sicherstellung war Vorsicht angezeigt, weil die Waffen- und Munitionslager in Kellern und Scheunen mit Sprengstoff-Fallen versehen waren. In diesem Sommer - nach dem Madrider Massaker islamistischer Terroristen am 11. März - hatte Eta in spanischen Badeorten „nur“ ein Dutzend kleinerer Bombenanschläge mit Sachschäden verübt. Wozu sie aber noch in der Lage und offenkundig entschlossen war, demonstrieren indes diese Funde.

          817 Morde in einem Vierteljahrhundert

          Antza und Anboto muten wie Gestalten aus dem baskischen Terroristenbilderbuch an. Er stammt aus der Stadt San Sebastian und einer gutbürgerlichen nationalistischen Familie. Zu Eta stieß er Mitte der achtziger Jahre, als er sich bei der Befreiung eines militanten baskischen Schriftstellers aus dem Gefängnis als intelligenter und einfallsreicher Organisator hervortat. Selbst ein jugendlicher Schriftsteller mit einem baskischen Literaturpreis, tauchte er dann in Frankreich unter, lebte in Paris und studierte in Nanterrre.

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