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Territorialstreit mit Japan : Weitere Proteste in China

Polizei und Demonstranten vor der japanischen Botschaft in Peking. Bild: AFP

In China ist abermals gegen den Kauf der umstrittenen Senkaku-Inseln durch die japanische Regierung protestiert worden. Die japanische Küstenwache erhöhte unterdessen ihre Einsatzbereitschaft.

          3 Min.

          Zehntausende Chinesen haben am Dienstag, dem Jahrestag des Einmarsches der japanischen Armee in die Mandschurei, in mehr als 80 Städten der Volksrepublik gegen Japan demonstriert. Ein Großaufgebot von Polizei und paramilitärischen Kräften sicherte die meist gut organisierten anti-japanischen Protestzüge. Anlass der neuen Massenaufmärsche ist der historisch heikle Jahrestag des sogenannten Mukden-Zwischenfalls am 18. September 1931 gewesen.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Unweit der Stadt Mukden, die heute Shenyang heißt, zündeten japanische Soldaten damals einen Sprengsatz an der Südmandschurischen Eisenbahn, die Japan gehörte. Die japanische Armee deklarierte die Explosion, die kaum Schaden anrichtete, als Werk chinesischer Saboteure und stürmte chinesische Kasernen. Damit begann Japans Eroberung der Mandschurei. In China hat dieser Tag seitdem eine besondere Bedeutung. „Vergesst niemals unsere nationale Demütigung durch Japan“, riefen die Demonstranten in vielen Städten, „vergesst niemals den 18. September.“ Oder: „Schlagt den japanischen Imperialismus.“ Auch zum Boykott japanischer Produkte wurde aufgerufen.

          Mit diesen Demonstrationen verschärften sich die Proteste, die am Wochenende begonnen hatten, weiter. Die Demonstranten protestierten dabei auch gegen den Kauf von Inseln im Ostchinesischen Meer von einer japanischen Familie durch die japanische Regierung. Die chinesisch Diaoyu und japanisch Senkaku genannten unbewohnten Felseninseln sind seit Jahrzehnten zwischen beiden Ländern und Taiwan umstritten. Peking hat seine Ansprüche auf die unter japanischer Kontrolle stehenden Inseln vor allem erhoben, seitdem in dem fischreichen Seegebiet Öl- und Gasvorkommen vermutet werden.

          Japans Regierung hatte die bislang von ihr gepachteten Inseln in diesem Monat gekauft, um die Wogen im Konflikt mit Peking zu glätten. Regierungschef Yoshihiko Noda wollte auf diesem Weg verhindern, dass der Gouverneur der Hauptstadt Tokio, Shintaro Ishihara, die Inseln übernimmt. Ishihara, ein bekennender japanischer Nationalist, wollte die Inseln ebenfalls kaufen und Japans Ansprüche dort demonstrativ verteidigen. Noda dagegen sperrte die unbewohnten Inseln weiter auch für Japaner, die dort nationalistische Parolen vertreten wollten. Zwei Japanern gelang es nach Angaben der Küstenwache am Dienstag dennoch, auf den Inseln zu landen.

          Chinesische Boote vor den Inseln

          Eine weitere Verschärfung des Konflikts drohte, nachdem sich am Vortag rund 1000 Fischerboote aus China auf den Weg zu den Inseln gemacht hatten. Japans Küstenwache meldete, dass bereits am Morgen ein chinesisches Patrouillenboot in der Nähe der Inseln gesichtet worden sei. Später war von zehn chinesischen Booten die Rede, drei von ihnen seien kurzzeitig in japanische Gewässer eingedrungen. Die Japaner forderten sie auf, die Gewässer zu verlassen. Zwischenfälle gab es nicht. Die chinesischen Patrouillenboote sollen die Fischereiflotte schützen, die sich am Montag auf den Weg zu den Inseln gemacht hatte. Unklar blieb am Dienstagabend, wann die hunderte chinesischen Fischerboote in den Gewässern um die Inseln zu erwarten sind.

          Die japanische Küstenwache erhöhte ihre Einsatzbereitschaft, und Japans Regierung traf sich zu Krisensitzungen, um über angemessene Reaktionen auf die chinesischen Aktionen zu beraten. Wegen der neuen Protestwelle forderte Ministerpräsident Noda das Personal der Botschaft in Peking sowie die Bediensteten japanischer Generalkonsulate in anderen Städten des Landes zu erhöhter Wachsamkeit auf. Die chinesischen Behörden forderte er auf, für die Sicherheit japanischer Staatsbürger zu sorgen. Taiwan bemühte sich derweil, die Wogen zu glätten und appellierte an Tokio und Peking, eine friedliche Lösung zu finden.

          Mehrere große japanische Unternehmen schlossen wegen der teilweise gewalttätigen Proteste vom Wochenende am Dienstag aus Sicherheitsgründen ihre Fabriken in China. Elektronikhersteller wie Sony, Mitsubishi Electric sowie Autofabriken von Honda, Toyota, Suzuki oder Nissan schickten ihre chinesischen Arbeiter vorerst für zwei Tage nach Hause. Nach Berichten erhielten einige Händler japanischer Automarken sogar Polizeischutz in ihren Vertretungen, nachdem es am Wochenende zu Plünderungen und Ausschreitungen gekommen war. Auch japanische Einzelhandelsketten ließen ihre Türen vorsichtshalber geschlossen. So schloss die Supermarktkette Aeon 30 ihrer 36 Geschäfte in China. Mehr als 200 Supermärkte der japanischen Lawson-Kette schlossen ebenfalls.

          In den staatlich gesteuerten chinesischen Medien wurden die Plünderungen japanischer Geschäfte und die Zerstörungen - zum Beispiel in Fabriken des Elektrokonzerns Panasonic - verschwiegen. Über die anti-japanischen Demonstrationen wurde dagegen breit berichtet. Sie seien Ausdruck chinesischen Patriotismus’.

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