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Rumänische Provinz Teleorman : Die Partei gibt, die Partei nimmt

Kein Ort zum Bleiben: Wohnblock in Alexandria, dem Zentrum des Kreises Teleorman. Bild: Adrian Catu

Die rumänischen Sozialdemokraten sind von Korruption durchzogen und haben dennoch viele Wähler. Die Suche nach den Gründen führt in die arme Provinz Teleorman.

          7 Min.

          Bei diesem Wetter bleibt man nicht lange im Freien, also versammeln sich die Nachbarn und Freunde nicht auf der Straße, sondern in dem kleinen Elektroladen im Erdgeschoss des Plattenbaus. Zwischen Kartons mit Glühbirnen, Leuchtstoffröhren, Steckdosen und Lichtschaltern, unter einem Himmel von Hängelampen unterschiedlicher Form und Größe, haben sie auf einem Stuhl ein Backgammon-Brett aufgeklappt. Zwei spielen, die anderen reden über dieses und jenes, worüber man eben so spricht in einer kleinen Stadt, in der fast jeder fast jeden kennt. Man weiß hier vieles übereinander, aber um die Politik macht man meistens einen großen Bogen.

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

          „Die Leute sind nicht gewohnt, ihre Meinung zu sagen“, sagt die Ladeninhaberin. „Und natürlich hat man die Sorge: Vielleicht sind wir danach keine Freunde mehr?“ Auch sie hält sich zurück, das Leben ist sowieso schwierig genug. An sechs Tagen die Woche stehen sie und ihr Mann vom frühen Morgen bis zum Abend im Laden, nur sonntags schließen sie ihn etwas früher zu. Obwohl sie schon deutlich spüren, dass es in der Stadt neuerdings zwei Supermärkte gibt, bei denen man Glühlampen und Batterien etwas billiger als bei ihnen kaufen kann, können sie sich noch glücklich schätzen – ihnen geht es besser als vielen anderen in der Stadt, sie haben ihr Auskommen. Da will man es sich mit keinem Kunden verderben. Und außerdem: Für einen Kleinunternehmer ist es besser, mit denen aus der PSD auf gutem Fuß zu stehen, egal, was man über sie privat denkt. Denn die Partei hat die Stadt fest im Griff.

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