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Tausende Tote : UN beklagen brutale Gewalt auf Afrika-Routen

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Von der Sonne zerfressen: Schuhe auf einer viel genutzten Schmugglerroute durch die Sahara in der Nähe des Wady Sura (Archivbild) Bild: Picture-Alliance

Das UN-Flüchtlingshilfswerk schlägt Alarm. Tausende Menschen kommen auf der Flucht quer durch Afrika ums Leben oder erleiden schwere Menschenrechtsverletzungen.

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          UN-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi hat ein internationales Vorgehen gegen die teilweise äußert brutale Gewalt an Flüchtlingen in Afrika verlangt. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) sterben tausende Flüchtlinge und Migranten auf ihrem Weg Richtung Mittelmeerküste oder von West- nach Ostafrika oder sie erleiden schwere Menschenrechtsverletzungen. Das Hilfswerk veröffentlichte dazu gemeinsam mit dem Mixed Migration Center (MMC) des Dänischen Flüchtlingsrates am Mittwoch in Berlin eine Studie. Sie trägt den Titel „Auf dieser Reise kümmert es niemanden, ob man lebt oder stirbt“.

          Nach Grandis Worten dokumentiert der Bericht „Tötungen und umfassende Gewalt der brutalsten Art gegen verzweifelte Menschen, die vor Krieg, Gewalt und Verfolgung geflohen sind“. Zu lange seien „die grauenhaften Misshandlungen, die Flüchtlinge und Migranten auf der Landroute erfahren haben, weitgehend unsichtbar geblieben“. Er forderte ein entschiedenes und abgestimmtes Vorgehen der Staaten in der Region mit Unterstützung der internationalen Gemeinschaft, „um diesen Grausamkeiten ein Ende zu setzen, die Opfer zu schützen und die verantwortlichen Verbrecher zu verfolgen“.

          Laut Bericht kamen in den vergangenen beiden Jahren mindestens 1.750 Menschen auf den Routen ums Leben. Bram Frouws, Leiter des Mixed Migration Centre, sagte: „Die Daten, die wir zur Verfügung stellen, zeigen erneut, dass Libyen kein sicherer Ort ist, an den Menschen zurückkehren können.“ Laut Bericht wurden seit Januar mehr als 6.200 Flüchtlinge und Migranten von der libyschen Küstenwache nach Libyen zurückgebracht. Dort würden sie demnach oft willkürlich in offizielle Haftanstalten verschleppt und festgehalten; täglich seien mit Misshandlungen und entsetzlichen Bedingungen konfrontiert.

          Das UNHCR hat sich nach eigenen Angaben wiederholt für ein Ende der willkürlichen Inhaftierung eingesetzt und ist bereit, die libyschen Behörden bei der Ermittlung und der Umsetzung von Alternativen zur Inhaftierung zu unterstützen. Der Bericht fordert, die Fluchtursachen besser zu bekämpfen und „mit einem unmissverständlichen Engagement dafür zu sorgen, dass niemand, der auf See gerettet wird, in Libyen wieder in Gefahr gerät“.

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