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Zusammenstöße mit Polizei : Tränengas und Molotow-Cocktails bei Hongkonger Demonstration

  • Aktualisiert am

Wieder Zusammenstöße mit der Polizei in Hongkong: Ein Demonstrant wirft einen Kanister mit Tränengas zurück. Bild: Reuters

Trotz Verbots zogen auch am Sonntag wieder tausende Demonstranten durch Hongkong und fordern Großbritannien dazu auf, mehr Druck auf Peking auszuüben. Dann kommt es abermals zu Zusammenstößen mit der Polizei.

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          Trotz des Verbots einer Großdemonstration sind am Sonntag in Hongkong wieder tausende Regierungskritiker auf die Straße gegangen. Demonstranten aller Altersgruppen schlossen sich dem Marsch an, der in der Nähe des Regierungssitzes entlangzog. Die Polizei schritt zunächst nicht ein, ist später jedoch abermals mit Tränengas gegen gewalttätige Demonstranten vorgegangen. Sie beschoss einen Protestzug, aus dem Molotow-Cocktails und Steine geworfen wurden. Es ist das 15. Wochenende in Folge, an dem in der chinesischen Sonderverwaltungsregion demonstriert wird. Schon am Samstag war es zu Auseinandersetzungen zwischen Demokratieaktivisten und China-freundlichen Demonstranten gekommen, die von der Polizei beendet werden mussten.

          Die Demonstranten fordern unter anderem Schutzzusagen und mehr Unterstützung von der ehemalige Kolonialmacht Großbritannien gefordert. Die Aktivisten versammelten sich am Sonntag vor dem britischen Konsulat, sangen die britische Nationalhymne und schwenkten den Union Jack sowie die Flagge der ehemaligen britischen Kolonie Hongkong. Derweil begann am Nachmittag (Ortszeit) eine von der Polizei nicht genehmigte Großkundgebung in der chinesischen Sonderverwaltungszone.

          „God save the Queen“ und „Rule, Britannia“, sangen die Demonstranten und hielten Schilder hoch, auf denen sie der britischen Regierung vorwarfen, zu wenig Druck auf Peking auszuüben.

          Hongkonger fordern britische Staatsbürgerschaft

          Zahlreiche Demonstranten forderten zudem die Gewährung einer Staatsbürgerschaft in Großbritannien oder einer Commonwealth-Nation. „Mit der vollen Staatsbürgerschaft können sie die Hongkonger wenigstens vor der chinesischen Regierung beschützen“, sagte der Demonstrant Anthony Chau, der den sogenannten BNO-Pass besitzt.

          Hongkonger, die vor dem oder am 1. Juli 1997 geboren wurden, können den Status „British National Overseas“ (BNO) beantragen. Er erlaubt ihnen eine visafreie Einreise nach Großbritannien, kommt allerdings nicht der Staatsbürgerschaft gleich, da er keine Arbeits- oder Aufenthaltsrechte gewährt.

          Am Freitag hatte sich der letzte britische Gouverneur von Hongkong, Chris Patten, dafür ausgesprochen, Hongkongern mit dem BNO-Pass ein Aufenthalts- und Arbeitsrecht in Großbritannien anzubieten. Anfang vergangener Woche unterzeichneten zudem etwa 130 britische Abgeordnete einen gemeinsamen Brief mit der Forderung, Menschen aus Hongkong eine Umsiedlung in Überseegebiete zu ermöglichen.

          Die Regenschirme, die als Schutz gegen Tränengasgranaten der Polizei dienen sollen, sind zum Symbol der Demonstrationen in Hongkong geworden.

          Außerdem drängen die Demonstranten auf eine unabhängige Untersuchung von Polizeibrutalität, Amnestie für die bereits mehr als 1000 Festgenommenen und freie Wahlen. Aus Sicherheitsgründen hatte die Polizei vergangene Woche eine Großdemonstration untersagt, zu der die Civil Human Rights Front für diesen Sonntag aufgerufen hatte.

          Die Gruppe hatte schon Demonstrationen mit Hunderttausenden bis zu mehr als einer Million Teilnehmern organisiert. Im Anschluss war es aber häufig zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Seit mehr als vier Monaten wird in Hongkong gegen die dortige Regierung und den wachsenden Einfluss der kommunistischen Führung in Peking auf die Sonderverwaltungsregion protestiert.

          Die frühere britische Kronkolonie wird seit der Rückgabe 1997 an China mit einem eigenen Grundgesetz nach dem Prinzip „ein Land, zwei Systeme“ autonom regiert. Die sieben Millionen Hongkonger stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber – anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik – Rechte wie etwa Meinungs- und Versammlungsfreiheit.

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