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Manöver in Osteuropa : „Eine Abschreckung wie nie in diesem Jahrhundert“

Ein britischer Challenger-Panzer im Februar im estnischen Rakvere Bild: AFP

8000 britische Soldaten sollen in den nächsten Monaten an Übungen in Osteuropa teilnehmen. London will damit ein deutliches Zeichen nach Moskau und an die Verbündeten senden.

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          Die Regierung in London schickt etwa 8000 Soldaten in den Osten Europas, die dort mit britischen Panzern und schweren Artilleriegeschützen an Übungen teilnehmen sollen. In einer Mitteilung des Londoner Verteidigungsministeriums war am Freitag von „einer der größten Entsendungen seit dem Kalten Krieg“ die Rede, mit der „die Solidarität und die Stärke der britischen Streitkräfte demonstriert werden soll“. Die Soldaten sollen an Übungen „von Finnland bis Nord-Mazedonien“ teilnehmen und zeigen, wie stark sich die Truppe „zu einer tödlichen, beweglichen und globalen Streitmacht entwickelt hat“, hieß es in der Erklärung des Ministry of Defence (MoD).

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Zum Einsatz gebracht werden sollen unter anderem 72 Panzer vom Typ Challenger 2, 120 Warrior-Schützenpanzer und zwölf Artilleriegeschütze vom Typ AS90. Im Laufe der Woche wurden bereits Soldaten der Queen´s Royal Hussars nach Finnland entsandt, um dort an der „Arrow“-Übung teilzunehmen. Sie sollen einer finnische Brigade eingegliedert werden, in der auch Soldaten aus den Vereinigten Staaten, Lettland und Estland dienen. Ziel sei es, „russische Aggressionen in Skandinavien und den baltischen Staaten zu verhindern“. Im Mai sollen dann Soldaten der Royal Welsh Battlegroup und des Royal Tank Regiment zusammen mit 18.000 NATO-Soldaten der Forward Presence-Einheit an der „Hedgehog“-Übung nahe der estnisch-lettischen Grenze teilnehmen. Die Übung ist die größte ihrer Art in Estland und findet alle vier Jahre statt.

          Parallel zur „Hedgehog“-Übung wird die laufende Übung in Polen bis Ende Mai andauern. An dieser Übung („Defender“) nehmen neben 1000 Soldaten der King´s Royal Hussars Battlegroup sowie der Light Dragoons Soldaten elf weiterer NATO-Staaten teil. Dort sollen auch Challenger-2-Panzer und weitere Kampffahrzeuge zum Einsatz kommen, die im britischen Standort Sennelager bei Paderborn lagern. London hatte unlängst den schon beschlossenen Rückzug rückgängig gemacht und im Licht der russischen Aggressionen entschieden, Sennelager weiter zu nutzen, vor allem für die Stationierung schwerer Waffen. Schon begonnen hat auch die Übung „Swift Response“ in Nord-Mazedonien, an der neben 4500 Soldaten aus Frankreich, Amerika Italien und Albanien 2500 britische Soldaten teilnehmen, unter anderem vom 16. Air Aussault British Combat Team und dem 1. Aviation Brigade Combat Team.

          „Die Sicherheit Europas war nie wichtiger“, sagte Verteidigungsminister Ben Wallace am Freitag. „Mit Operationen in ganz Europa wird die britische Armee an der Seite ihrer Partner stehen, unsere Fähigkeiten mit unseren gemeinsamen Werten kombinieren sowie Frieden und Sicherheit schaffen.“ Der britische Generalleutnant Ralph Wooddisse sagte: „Das Ausmaß des Einsatzes wird in einer Weise von Aggressionen abschrecken, wie es in diesem Jahrhundert in Europa noch nicht gesehen wurde.“

          Laut Zeitungsberichten sind am britischen Nuklearwaffenstandort Faslane atomgetriebene U-Boote Amerikas und Frankreichs vor Anker gegangen. Offenbar sollen sie in der kommenden Wochen an einer Übung im Nordatlantik teilnehmen. Am Donnerstag hatte Wallace Russland mit einem „Krebsgeschwür“ in der Ukraine verglichen, das es zu entfernen gelte. Großbritannien müsse sicherstellen, dass der russische Präsident Putin aus allen Gebieten der Ukraine abzieht. Das hatte auch Außenministerin Liz Truss gefordert. Russland müsse „aus der ganzen Ukraine“ vertrieben werden, hatte sie in einer Grundsatzrede gefordert. Das wurde so verstanden, dass London auch den russischen Abzug aus der seit 2014 besetzen Krim erreichen will.

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