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Tatarstan in Russland : Anschläge auf hohe islamische Geistliche 

  • -Aktualisiert am

Russische Ermittler am Ort des Bombenanschlags in Kasan Bild: REUTERS

Der Mufti der autonomen Republik Tatarstan ist am Donnerstag bei einem Bombenanschlag schwer verletzt worden. Sein Stellvertreter wurde erschossen. Beobachter vermuten als Grund einen eskalierenden Konflikt zwischen gemäßigten Traditionalisten und islamischen Extremisten.

          Der Mufti der autonomen Republik Tatarstan, Ildus Fajsow, ist am Donnerstag bei einem Sprengstoffanschlag in der Hauptstadt Kasan an der Wolga schwer verletzt worden. Fajsows Stellvertreter Waliulla Jakupow war kurz zuvor vor seinem Haus in Kasan erschossen worden. Beide gehörten der Leitung der Geistlichen Verwaltung der Muslime Tatarstans an, der offiziellen, staatlich anerkannten Führungsstruktur der islamischen Gemeinden.

          Bislang hat sich niemand zu den Anschlägen bekannt. Über die Motive wurde gerätselt. Als ein mögliches Motiv wurden Streitigkeiten über die Finanzierung und Organisation von Pilgerfahrten (Hadsch) der Gläubigen nach Mekka genannt. Russische Islamfachleute wiesen jedoch auf ein anderes mögliches Tatmotiv hin, das sie für viel wahrscheinlicher hielten. Die Anschläge seien die blutige Folge eines Konflikts zwischen dem gemäßigten, traditionellen Islam, für den Fajsow und Jakubow standen, sowie neuen extremistisch-islamistischen Strömungen, die von außerhalb nach Tatarstan hineingetragen würden.

          Der Konflikt zwischen tatarischen „Traditionalisten“ - von denen einige für „euroislamische“ Tendenzen offen sind - und aus dem Nordkaukasus, vor allem aus Tschetschenien und Dagestan, zugereisten radikalen Islamisten, war bereits vor einiger Zeit öffentlich geworden. Inzwischen ist bekannt, dass extremistische Nordkaukasier in wenigstens zehn Moscheen in Tatarstan den Ton angeben und erfolgreich bei der Rekrutierung jugendlicher Anhänger sind. Dem Vernehmen nach handelt es sich bei diesen Aktivisten häufig um Männer, die zuvor im bewaffneten Untergrund im Nordkaukasus gekämpft haben.

          In Tatarstan verwirklichen sie eine Strategie, die der selbsternannte „Emir des Kaukasus“ Doku Umarow vor zwei Jahren verkündet hat. Umarow, ein Tschetschene, strebt die Loslösung des Nordkaukasus von Russland und die Errichtung eines islamischen Gottestaates an. Er hat zahlreiche Terroranschläge, so die Anschläge in der Moskauer Metro 2010 und auf dem Moskauer Flughafen Domodjedowo 2011, in Auftrag gegeben. Vor zwei Jahren befahl Umarow, dass sich ehemalige Kämpfer an der mittleren Wolga ansiedeln sollten, um die Glaubensgenossen dort für den Heiligen Krieg, gegen Russland zu gewinnen. Fernziel ist die Fusion des historischen Siedlungsgebiets der tatarischen „Goldenen Horde“, die einst weite Gebiete Russlands beherrschte, mit dem „kaukasischen Emirat“.

          Fajsow, der vergangenes Jahr zum Mufti gewählt worden war, hatte es sich zum Ziel gesetzt, den radikalen Einfluss der Nordkaukasier einzudämmen und wurde darin von Jakupow unterstützt. Zugleich hatte sich die geistliche Verwaltung der Muslime Tatarstans unter Fajsows und Jakubows Führung jedoch im vergangenen Jahr aus dem Rat der Muftis Russlands gelöst, was in Moskau mit Besorgnis betrachtet wurde.

          Ethno-Nationalismus verbindet sich mit radikalem Islam

          Wenigstens ein Teil der jüngeren Generation der Tataren hat sich derweil für eine Haltung entschieden, die für den Zusammenhalt Russlands gefährlich werden könnte, weil sich darin der wieder auflebende Ethno-Nationalismus der späten achtziger Jahre mit radikalem Islam von heute verbindet. Anfang der neunziger Jahre hatte sich Tatarstan für souverän erklärt und behauptet bis heute Sonderrechte im Rahmen der Russischen Föderation. Die Bevölkerung Tatarstans besteht mehrheitlich aus ethnischen Tataren, von denen sich die meisten zum sunnitischen Islam bekennen. Noch sind etwa 40 Prozent der Einwohner Russen, die mehrheitlich orthodoxe Christen sind. Aber die tatarische Titularnation verzeichnet seit Jahren den größeren Geburtenüberschuss.

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