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Hoffnung auf Deeskalation? : Festgesetzter Tanker mit iranischem Öl verlässt Gibraltar

  • Aktualisiert am

Der iranische Öl-Tanker „Grace 1“ wurde inzwischen in „Adrian Darya-1“ umbenannt. Bild: Reuters

Nach 45 Tagen nimmt der in „Adrian Darya-1“ umbenannte Supertanker wieder Fahrt auf. Zuvor versuchte Washington, das Schiff beschlagnahmen zu lassen. Die Regierung von Gibraltar wies dies zurück - die EU hat ihre eigenen Regeln.

          Der mehr als sechs Wochen lang festgesetzte Supertanker mit iranischem Öl hat Gibraltar verlassen. Das gab der iranische Botschafter in London, Hamid Baeidinedschad, in der Nacht zum Montag auf seiner Instagram-Seite bekannt. „Hiermit bestätigen wir, dass unser Tanker nach 45 Tagen Gibraltar in Richtung internationale Gewässer verlassen hat“, schrieb der Botschafter. Dem auf Schiffsverkehr spezialisierten Internetportal Marinetraffic.com zufolge nahm das Schiff in der Nacht zu Montag Fahrt Richtung Süden auf. Das Ziel war jedoch weiter unklar.

          Zwei Expertenteams hatten nach Angaben des iranischen Botschafters das Schiff startklar gemacht. Das oberste Gericht des britischen Überseegebiets an der Südspitze der iberischen Halbinsel hatte dem Tanker bereits am Donnerstag freie Fahrt gewährt. Damit wächst die Hoffnung auf eine Deeskalation in dem schwelenden Konflikt zwischen dem Iran und mehreren westlichen Ländern, darunter Großbritannien und den Vereinigten Staaten.

          Die Behörden in Gibraltar und die britische Royal Navy hatten den unter der Flagge Panamas fahrenden Tanker Anfang Juli vor Gibraltar wegen des Verdachts auf illegale Öllieferungen an Syrien festgesetzt. Damit würde das Schiff gegen EU-Sanktionen gegen das Bürgerkriegsland verstoßen, so lautete der Vorwurf. Das Außenministerium in London betonte, der Iran müsse sich nun an seine Zusicherung halten, die Ladung nicht nach Syrien zu bringen. Der Tanker „Grace 1“ wurde inzwischen in „Adrian Darya-1“ umbenannt und soll unter iranischer Flagge fahren, wie Teheran mitteilte.

          Amerikanische Sanktionen sind nicht mit denen der EU vergleichbar

          Vergeblich versuchte Washington bis zuletzt, den Tanker am Auslaufen zu hindern. Ein amerikanisches Bundesgericht wollte das Schiff beschlagnahmen lassen. Das wies die Regierung in Gibraltar aber am Sonntag zurück: Die Verfügung eines Bundesgerichts in Washington sei „untrennbar“ mit den Sanktionen der Vereinigten Staaten gegen den Iran verbunden, die aber mit denen der Europäischen Union nicht vergleichbar seien, hieß es.

          Das amerikanische Justizministerium begründete die verlangte Beschlagnahmung in einer Mitteilung mit mutmaßlichen Verstößen gegen amerikanische Sanktionen, Geldwäschegesetze und Terrorismusstatuten. Das Gericht verfügte auch die Beschlagnahmung des Öls an Bord des Tankers und von knapp einer Million Dollar Bankvermögen einer Briefkastenfirma, die Verbindungen zum Schiff haben soll. Die Staatsanwaltschaft erklärte, das Schiff sei Teil eines Plans der iranischen Revolutionsgarden zur Unterstützung illegaler Lieferungen des Irans an Syrien.

          Der Kapitän und weitere Mitglieder der Besatzung wurden vorübergehend festgenommen, kamen aber wieder auf freien Fuß. Teheran drohte mit Vergeltung und bestellte mehrmals den britischen Botschafter ein. Der Iran habe schließlich eingelenkt und das Ziel des Tankers geändert, teilte Gibraltars Regierung mit. Teheran bestand dagegen darauf, das Öl sei niemals für Syrien bestimmt gewesen.

          Seit Monaten schwelt ein Streit zwischen dem Iran und mehreren westlichen Staaten, allen voran den Vereinigten Staaten, der auch auf internationalen Schifffahrtswegen ausgetragen wird. Die amerikanische Regierung unter Präsident Donald Trump hatte die Revolutionsgarden im April als ausländische Terrororganisation eingestuft. Die Vereinigten Staaten haben zudem harte Sanktionen gegen den Iran verhängt, die vor allem auf den Ölsektor des Landes abzielen.

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