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In Kabul : Seltener Auftritt des Taliban-Oberhaupts

Lässt viele Fragen offen: Taliban-Sprecher Karimi (rechts) am Freitag in Kabul Bild: Daniel Pilar

Mehr als 3000 afghanische Geistliche und Würdenträger besprechen in der Hauptstadt die Probleme des Landes. Auch der „Führer aller Gläubigen“, von dem nur ein Foto bekannt ist, hält eine Rede.

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          Der Innenminister der Taliban war mitten in seiner Rede, als Haibatullah Akhundzada den Saal der großen Versammlung in Kabul betrat. Alle Anwesenden seien still und bewegt gewesen, hieß es später von Beteiligten. Denn den Amir al-Muminin, „Führer aller Gläubigen“, wie der Titel des Taliban-Oberhaupts heißt, umweht eine Aura des Verborgenen. Nur ein Foto von ihm ist bekannt, seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan zeigte er sich nur ein einziges Mal vor einer größeren Öffentlichkeit: von hinten, beim Gebet zum Ende des Ramadan in Kandahar. In Kandahar residiert er zurückgezogen und abgeschirmt von der Öffentlichkeit. Doch als Oberhaupt der Taliban ist er die höchste Autorität der Islamisten, gegen seinen Willen geschieht nichts.

          Alexander Haneke
          Redakteur in der Politik.

          Zum ersten Mal seit der Machtübernahme im vergangenen Jahr ist unter den Taliban eine große Versammlung von Repräsentanten zusammengekommen, um wichtige Fragen über die Zukunft des Landes zu diskutieren. Mehr als 3000 Kleriker, Würdenträger und Vertreter aus gesellschaftlichen Bereichen sind für mehrere Tage in die Loya-Dschirga-Halle in Kabul geladen. Eine Tagesordnung gibt es nicht, alle Themen könnten aufgeworfen werden, hieß es vor der Versammlung.

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