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Afghanistan : Eine Flucht in die Hände des Feindes

Wenige Wochen vor der Flucht: Ali Ahmed Kaveh und seine Frau Mozghan am 18. Juli 2021 in Herat Bild: Daniel Pilar

Ein Afghane steht auf einer Todesliste der Taliban. Monatelang versteckt er sich. Dann flieht er nach Kabul – kurz bevor dort die Islamisten die Macht übernehmen. Die Chronik einer Flucht.

  • -Aktualisiert am
          9 Min.

          Alis Nachricht kam am 15. August 2021 um 17.26 Uhr auf meinem Mobiltelefon an. „Es geht mir gut“, schrieb er. „Wie du weißt, hat der Präsident das Land verlassen. Die Taliban sind in die Stadt eingedrungen.“ In Kabul fürchteten sich an diesem Abend alle vor Dieben und Räubern, schrieb er. „Ich hoffe, alles geht gut heute Nacht und in den nächsten Tagen.“ Ich schrieb zurück „viel Glück!“ und dass er besonders vorsichtig sein solle. Die traurige Ironie an der Sache war: Erst wenige Tage zuvor war Ali mit seiner Familie nach Kabul gekommen, um den Taliban zu entgehen. Es war nur der Beginn ihrer Reise.

          Christian Meier
          Politischer Korrespondent für den Nahen Osten und Nordostafrika.

          Wir hatten Ali Kaveh wenige Wochen vor dem Fall Kabuls und dem Ende der afghanischen Republik getroffen, in Herat, seiner Heimatstadt. Von Anfang an strahlte er etwas Besonderes aus. Es war ein Blick, am Ende eines langen Interviews, der mich für ihn einnahm. Im Wohnzimmer der Familie hatten wir über seine Geschichte gesprochen, darüber, warum er seit Monaten die Wohnung nicht verlassen hatte. Ali war Soziologe und sprach auch so: Nüchtern, quasi in Beobachterposition analysierte er die afghanische Gesellschaft und seine eigene Position. Aber als wir uns zum Aufbruch bereit machten, sah er uns einen Moment lang mit einem Blick an, aus dem ganz andere Dinge sprachen: Unsicherheit, Angst und Panik. Als wolle er nicht, dass wir gehen.

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