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Angriff auf die Großstädte : Taliban greifen Herat und einen Flughafen an

Afghanisches Sicherheitspersonal und afghanische Milizen, die gegen die Taliban kämpfen, stehen am 30. Juli im Bezirk Enjil in der Provinz Herat Wache. Bild: AFP

Die Taliban sind in mehrere Orte eingedrungen und liefern sich heftige Gefechte mit den Truppen der Regierung. Dass es an mehreren Fronten zugleich Offensiven gibt, deutet auf ein abgestimmtes Vorgehen hin.

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          Die großen Städte Afghanistans hatten die Taliban in ihrem Vormarsch bislang ausgespart. Die Islamisten haben seit dem Frühjahr zahlreiche Distrikte erobert und kontrollieren Abschnitte mehrerer Hauptverbindungsstraßen. Im Falle der Provinzhauptstädte hatten sie sich bis auf wenige Ausnahmen aber darauf beschränkt, sie einzukreisen. Hat der Kampf um diese Städte jetzt begonnen? In mehrere Orte sind die Taliban seit Freitag eingedrungen und liefern sich heftige Gefechte mit den Truppen der Regierung. Dass es an mehreren Fronten zugleich Offensiven gibt, deutet auf ein abgestimmtes Vorgehen hin.

          Christian Meier
          Redakteur in der Politik.

          Dramatisch ist die Lage im Süden des Landes. Wie ein Sprecher der Taliban am Sonntag bestätigte, haben die Aufständischen den Flughafen Kandahars, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, in der Nacht mit mindestens drei Raketen beschossen. Weitere Luftangriffe auf Taliban-Stellungen sollten so verhindert werden, sagte er der Agentur Reuters. Berichten zufolge trafen zwei Raketen die Start-und-Lande-Bahn. Der Flughafenbetrieb wurde vorläufig ausgesetzt, sollte nach Aussagen des Flughafendirektors aber möglicherweise noch am Sonntag wiederaufgenommen werden. An den Stadträndern Kandahars gibt es seit Wochen Gefechte. Der Flughafen ist ein wichtiges Zentrum für die Verteidigung der zweitgrößten Stadt Afghanistans.

          „Sie werden hier kein Haus ohne Waffe finden“

          Ähnlich ist die Lage in Herat, der drittgrößten Stadt. Am Wochenende wurde von Kämpfen nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt berichtet. Die Provinzhauptstadt im Westen des Landes wird seit Ende der vergangenen Woche attackiert, am Freitag wurde ein Wachtposten des größten UN-Stützpunkts in der Stadt bei einem Taliban-Angriff getötet. Anfang Juli hatten die Islamisten sich der Stadt schon einmal bedrohlich genähert. Damals wurden sie zurückgeschlagen, auch mit der Hilfe von Kämpfern des früheren Herater Warlords Ismail Khan, die der Armee zu Hilfe kamen. Seine Milizionäre sicherten seither gemeinsam mit Soldaten die Zufahrten zur Stadt. Während eines kürzlichen Besuchs der F.A.Z. in Herat wirkten diese Checkpoints aber alles andere als unüberwindlich.

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          Auch unter Beobachtern der Lage in Afghanistan herrscht Zweifel an der Effektivität dieser Milizen. Die Rekrutierung verlief demnach bislang eher schleppend, die Kämpfer sind in der Regel nicht gut trainiert, und die Waffen seien oft eher altertümlich. Nach der Bewaffnung seiner Kämpfer gefragt, sagte Ismail Khan im Gespräch mit der F.A.Z., die Waffen würden von den Milizionären selbst gestellt. Seit 40 Jahren würden aus aller Herren Ländern Waffen nach Afghanistan gebracht. „Sie werden hier kein Haus ohne Waffe finden.“ Auf eine Zahl seiner Kämpfer wollte Ismail Khan sich nicht festlegen.

          Am Sonntag schickte die Regierung mehrere hundert Spezialkräfte zur Verstärkung nach Herat. Die Armee flog dort sowie in den Provinzen Kandahar und Helmand Luftangriffe. Einer davon traf ein Krankenhaus in der ebenfalls attackierten Hauptstadt Helmands, Laschkar Gah; dabei wurden mindestens eine Person getötet und mehrere verletzt. Zahlreiche Menschen flohen aus den Städten.

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