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Taliban bestätigen Berichte : Vier Frauen in Nordafghanistan ermordet

  • Aktualisiert am

Eine Frau läuft am 31. Oktober in Mazar-i-Sharif an einem Wandbild vorbei. Bild: AFP

Zwei Männer wurden im Zusammenhang mit dem Fund der Frauenleichen festgenommen. Unter den Getöteten war auch eine Frauenrechtsaktivistin. Offenbar wurden die Frauen in eine Falle gelockt.

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          In der nordafghanischen Stadt Mazar-i-Sharif sind vier Frauen ermordet worden, unter ihnen eine Frauen- und Bürgerrechtsaktivistin. Die in Afghanistan herrschenden, radikalislamischen Taliban bestätigten am Samstag den Fund von vier Frauenleichen in einem Haus in Mazar-i-Scharif und gaben die Festnahme von zwei Männern in dem Zusammenhang bekannt. Nach AFP-Informationen wollten die Frauen das Land verlassen und wurden womöglich in eine Falle gelockt.

          „Die Festgenommenen haben in Verhören zugegeben, dass sie die Frauen in das Haus eingeladen haben“, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Kari Sajed Chosti, in einer Videobotschaft. „Weitere Ermittlungen sind im Gange und der Fall wurde an das Gericht weitergeleitet.“

          Bericht über Einladung zu einem Evakuierungsflug

          Chosti machte keine näheren Angaben zur Identität der Opfer. Angehörige einer der getöteten Frauen sagten einem örtlichen Radiosender, dass die Aktivistin namens Frozan Safi vor mehr als zwei Wochen über ein Drittland nach Deutschland evakuiert werden sollte. Als sie nichts mehr von ihr hörten, hätten sie gehofft, die Frau sei bereits außer Landes. Eine Frauenrechtsaktivistin und Mitarbeiterin einer internationalen Organisation sagte zu AFP, Safi sei eine Frauenaktivistin gewesen, „die in der Stadt sehr bekannt war“.

          Einem früheren Bericht der BBC zufolge wollten die Frauen zum Flughafen Mazar-i-Scharif, um das Land zu verlassen. Aus Aktivistenkreisen erfuhr AFP, dass sie einen Anruf erhielten, den sie für eine Einladung zu einem Evakuierungsflug hielten. Demnach wurden sie von einem Auto abgeholt und später tot aufgefunden.

          Sie selbst habe vor drei Wochen einen Anruf von jemandem erhalten, der vorgab, ihr bei der Ausreise aus Afghanistan helfen zu wollen, sagte die Mitarbeiterin der internationalen Organisation weiter. Sie sei aber misstrauisch geworden und habe den Anrufer blockiert.

          Viele Aktivisten verließen das Land

          In Mazar-i-Scharif hatte die Bundeswehr lange Zeit ihr größtes Feldlager im Norden des Landes. Die Taliban hatten die Stadt dann Mitte August eingenommen.

          Seit der Machtübernahme der Taliban in ganz Afghanistan haben viele Menschenrechtsaktivisten das Land aus Furcht vor Unterdrückung und Gewalt durch die Islamisten verlassen. Die Taliban hatten Frauen während ihrer ersten Herrschaft in Afghanistan in den Neunzigerjahren Jahren weitgehend aus dem öffentlichen Leben verbannt.

          Die für Frauenrechte zuständige stellvertretende Direktorin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Heather Barr, sprach jüngst von einer „fürchterlichen Eskalation“ der Übergriffe gegen Aktivistinnen in Afghanistan, die sich seit der Machtübernahme der Taliban intensiviert habe. Seither dürfen Frauen nicht zurück an ihre Arbeitsplätze, und Mädchen dürfen nicht über die Grundschule hinaus unterrichtet werden, auch wenn die Taliban anderes versprochen hatten.

          Straßenproteste von Aktivistinnen wurden gewaltsam unterdrückt, viele von ihnen flohen aus dem Land. Die Anführer der Islamisten unterstrichen aber, dass ihre Kämpfer nicht befugt seien, Aktivisten zu töten, und drohten Strafen an.

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