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Afghanische Ortskräfte : Taliban hindern Helfer der Bundeswehr an der Ausreise

  • -Aktualisiert am

Ein afghanischer Taliban-Kämpfer und ein pakistanischer Soldat am Grenzübergang Torkham. Bild: AP

Wer die Bundeswehr und andere deutsche Institutionen in Afghanistan unterstützt hat, darf eigentlich nach Europa kommen. Doch die Ausreise ist für viele kaum möglich.

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          Knapp ein Jahr nach der Machtübernahme der Taliban befindet sich etwa jede dritte ehemalige deutsche Ortskraft noch in Afghanistan. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums laufen die Ausreisen von Ortskräften aus Afghanistan derzeit „langsamer und schwieriger“.

          Lukas Fuhr
          Redakteur in der Politik.

          Eine Sprecherin des Ministeriums sagte am Mittwoch, die Taliban verhinderten die Ausreise von Personen, die keinen Reisepass haben. Außerdem würden kaum Reisepässe ausgestellt. Nach der Machtübernahme durch die Taliban vor einem Jahr seien bislang Visa für etwa 21.800 Ortskräfte und besonders schutzbedürftige Personen ausgestellt worden.

          Der Vorsitzende der Enquetekommission des Bundestags zum Afghanistan-Einsatz, Michael Müller (SPD), sagte im ZDF, besonders Frauen werde die Ausreise erschwert. Viele frühere Ortskräfte wollten aber nur mit ihrer Familie ausreisen und müssten daher abwarten, bis auch die Frauen Visa und Ausweise hätten. Die Ausreise erfolgt in der Regel erst in ein Nachbarland, vor allem nach Pakistan, da Direktreisen nach Deutschland nicht möglich sind.

          Appell von Aktivistinnen

          Aktivistinnen der Gruppe „United Voice of Women for Peace“ sehen die Bundesregierung in der Pflicht, mehr Aufnahmezusagen an Afghanen auszusprechen und den Anerkennungsprozess zu beschleunigen. Außerdem solle die Bundesregierung allen denjenigen den Status als Ortskraft gewähren, die ehrenamtlich oder entlohnt für deutsche Institutionen, Organisationen und Unternehmen sowie Subunternehmen tätig waren.

          Zehntausende warten nach Angaben der Aktivistinnen noch in Afghanistan. „Wir wurden aus der Hölle gerettet. Jetzt sind wir in Deutschland und in Freiheit. Aber die grausamen Taten der Taliban gegenüber Tausenden weiteren Frauen und Männern, die Ähnliches erleiden wie wir, gehen uns nicht aus dem Kopf“, heißt es in einem Appell der Aktivistinnen, den die Organisation Pro Asyl veröffentlichte.

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