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Afghanistan : Taliban lassen offenbar 200 Ausländer ausreisen

  • Aktualisiert am

Taliban-Kämpfer am Flughafen Kabul, im Hintergrund Flugzeuge der staatlichen Ariana Airline Bild: AP

Erstmals seit dem Ende der Rettungsmission wollen die Amerikaner mit einem Charterflug vom Flughafen Kabul aus Menschen aus dem Land bringen. Noch immer warten Zehntausende auf eine Möglichkeit zur Ausreise.

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          Die neuen Machthaber in Afghanistan lassen offenbar 200 Ausländer aus Afghanistan ausreisen, die nach Ende des Evakuierungseinsatzes zurückgeblieben sind. Das sagte ein amerikanischer Vertreter der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Dem Bericht zufolge sind Amerikaner unter den Ausreisenden. Genutzt würden Charter-Flüge vom Flughafen Kabul. Am Donnerstagmittag hieß es, das Flugzeug stehe zum Abflug bereit. Der US-Sondergesandte für Afghanistan Zalmay Khalilzad habe die Taliban gedrängt, die Menschen ausreisen zu lassen, erfuhr Reuters von einer mit dem Vorgang vertrauten Quelle.

          Unklar blieb, ob unter den Auszufliegenden auch jene Amerikaner und Bürger von Drittstaaten waren, die tagelang in Mazar-i-Scharif festsaßen, weil ihre private Charter-Maschine nicht starten durfte.

          Die Vereinigten Staaten hatten nach der Machtübernahme der islamistischen Taliban am 31. August ihre letzten Soldaten aus Afghanistan abgezogen. Damit beendeten sie und auch andere Länder ihre Evakuierungsflüge aus der Hauptstadt Kabul, mit denen sie eigene Staatsangehörige und afghanische Ortskräfte sowie besonders gefährdete Personen außer Landes gebracht hatten.

          Auch Deutschland versucht noch, mehreren Zehntausend Menschen die Ausreise aus Afghanistan zu ermöglichen, darunter frühere Ortskräfte mit ihren Familien und Menschen, die von den Taliban Verfolgung zu befürchten haben. Einzelne Gruppen wurden seit Ende der Evakuierungsmission am Kabuler Flughafen Kabul bereits auf dem Landweg nach Pakistan gebracht. Doch viele der Menschen halten sich noch vor allem in Kabul versteckt und warten auf Hilfe bei der Ausreise.

          Bislang wurde der normale Flugbetrieb am Kabuler Flughafen noch nicht wieder aufgenommen. Die herrschenden Taliban versuchen derzeit mit Hilfe aus Qatar, der Türkei und einem in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässigen Unternehmen die Voraussetzungen dafür zu schaffen. In den vergangenen Tagen waren immer wieder Transportmaschinen und einzelne Inlandsflüge in Kabul gelandet. Taliban-Sprecher Zabihulla Mudschahid sprach davon, dass „ernsthafte Schritte“ für den Wiederaufbau unternommen worden seien.

          Taliban verbieten Proteste

          Die Taliban verboten derweil vorerst alle weiteren Demonstrationen in Afghanistan. In der ersten offiziellen Erklärung des Innenministeriums nach der Regierungsbildung heißt es, niemand solle derzeit unter allen Umständen versuchen, Proteste zu organisieren. Bei Verstößen wird mit ernsthafter Strafverfolgung gedroht. Als Grund führten die Taliban an, dass in den vergangenen Tagen einige Menschen die öffentliche Ordnung gestört und Menschen belästigt hätten.

          Zugleich gaben die Islamisten die Bedingungen für Proteste in der Zukunft vor. Demnach müssen Organisatoren vorab eine Genehmigung des Justizministeriums einholen. Mindestens 24 Stunden vorher müssten der Grund der Demonstration, Ort, Zeit und Slogans Justiz und Sicherheitsbehörden mitgeteilt werden.

          Die Taliban hatten in den vergangenen Tagen Demonstrationen mit Gewalt unterdrückt. Außerdem untersagten sie die Berichterstattung über die Proteste in den Medien.

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