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Taipeh ist verärgert : Hat BioNTech Taiwan zur Aufgabe der Selbstbezeichnung als Land gedrängt?

Desinfektionskampagne: Militärisches Personal Ende Mai in einem Zug in Taiwans Hauptstadt Taipeh Bild: EPA

Taiwan macht China für fehlende Impfstoff-Lieferungen verantwortlich. Vorwürfe macht die Regierung auch dem Mainzer Unternehmen BioNTech.

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          Die taiwanische Präsidentin Tsai Ing-wen hat China vorgeworfen, eine Einigung mit BioNTech über Impfstofflieferungen an Taiwan verhindert zu haben. „Wir hatten die Vertragsunterzeichnung mit dem deutschen Hersteller an einem Punkt fast erreicht, aber sie konnte nicht abgeschlossen werden, weil China interveniert hat“, sagte Tsai laut Medienberichten am Mittwoch.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Ähnliche, aber weniger konkrete Vorwürfe hatte zuvor Gesundheitsminister Chen Shih-chung erhoben. Am Donnerstag fügte er hinzu, Taiwan habe im Januar einen unterschriebenen Vertrag an BioNTech und einen Entwurf für eine Presseerklärung geschickt. Das Mainzer Unternehmen habe verlangt, dass Taiwan die Selbstbezeichnung als Land aus dem Pressetext streiche. Eine Woche später habe BioNTech auf Lieferengpässe verwiesen und sich mehr Zeit für Änderungen im Vertrag ausbedungen. BioNTech teilte der F.A.Z. mit, man äußere sich nicht zu potentiellen oder laufenden Verhandlungen.

          Hintergrund des Streits ist vermutlich, dass der chinesische Fosun-Konzern nach eigenen Angaben die exklusiven Vermarktungsrechte für Festlandchina, Hongkong, Macau und Taiwan von BioNTech erworben hat. China betrachtet Taiwan als Teil seines eigenen Territoriums. Fosun hat kürzlich angeboten, „die taiwanischen Landsleute mit Impfstoff zu versorgen“. Taiwan lehnte das ab. Tsai teilte auf Facebook mit, dass ihre Regierung Vakzine nur direkt über den Hersteller beziehe, um eine Qualitätskontrolle zu gewährleisten.

          Die Präsidentin steht wegen des rapiden Anstiegs von Corona-Infektionen in Taiwan derzeit politisch unter Druck. Nachdem das Land monatelang fast gar keine Fälle verzeichnet hatte und international für seine Präventionspolitik gelobt wurde, sind allein am Donnerstag 667 Neuinfektionen und 13 Todesfälle gemeldet worden. Die Zustimmungswerte für die Präsidentin sind auf den tiefsten Punkt seit 21 Monaten gesunken. Bislang hat Taiwan nur 700.000 Impfdosen von AstraZeneca erhalten. Weniger als zwei Prozent der 24 Millionen Einwohner sind geimpft. Eine Lieferung von Moderna wird erwartet. Taiwan hat die US-Regierung um Unterstützung gebeten.

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