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Taiwan plant Sprachzentren : Chinesisch lernen, nur demokratisch

Eine senegalesische Studentin schreibt chinesische Schriftzeichen im Konfuzius-Institut in Dakar auf eine Tafel. Bild: Picture-Alliance

Taipeh will mit Sprachzentren ein positives Taiwan-Bild im Ausland vermitteln. Sie sollen den Konfuzius-Instituten Konkurrenz machen. Die stehen in der Kritik.

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          Die Konfuzius-Institute waren eigentlich als Soft-Power-Initiative gedacht, um im Ausland Sympathie für China zu wecken. Sie werden jedoch an vielen Orten der Welt inzwischen mit Argwohn betrachtet. Dutzende Einrichtungen in Europa und den Vereinigten Staaten sind in den vergangenen Jahren wieder geschlossen worden. Davon könnte nun ausgerechnet ein Land profitieren, das von China als eigene Provinz betrachtet wird: Taiwan. Im September kündigte die Regierung in Taipeh die Eröffnung von 18 Chinesisch-Sprachzentren an, davon 15 in Amerika, die übrigen drei in Hamburg, Paris und London. Weitere sollen folgen. Das zuständige Ministerium in Taipeh spricht von einer „freien und demokratischen Alternative, Chinesisch zu lernen“.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Die Initiative wird von der amerikanischen Regierung unterstützt. Im Dezember 2020 unterzeichneten beide Seiten in Taipeh eine Vereinbarung. Eine Sprecherin des amerikanischen Außenministeriums lobte das Programm seinerzeit als eine Möglichkeit für Studenten, „Mandarin zu lernen und gleichzeitig die akademische Freiheit zu schützen“ – ein Seitenhieb auf die Konfuzius-Institute. Der damalige Außenminister Mike Pompeo hatte sich für die Schließung aller Konfuzius-Institute an amerikanischen Universitäten stark gemacht und ihnen vorgeworfen, an den Universitäten „Spione und Kollaborateure“ zu rekrutieren.

          Harvard-Universität verlegt Sprachlernprogramme

          In den von der taiwanischen Regierung geförderten Sprachzentren soll nicht nur Chinesisch unterrichtet, sondern auch ein positives Taiwan-Bild vermittelt werden. Das bietet Taipeh die Möglichkeit, der Öffentlichkeit im Ausland die komplizierte Lage Taiwans zu erklären, das ein demokratisch regiertes Land ist, das nicht Land genannt werden darf, weil China es so will. Während der Eröffnung des ersten Sprachzentrums in Kalifornien sagte der zuständige Minister Tong Chen-yuan im September, Taiwan sei bereit „auszuhelfen“, nachdem die Einflussnahme Pekings in akademische Angelegenheiten für Amerika „inakzeptabel“ geworden sei.

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          Anders als die Konfuzius-Institute sind die taiwanischen Sprachzentren aber nicht an ausländischen Universitäten angesiedelt. Man kann davon ausgehen, dass das Interesse der meisten Hochschulen für eine solche Kooperation gering wäre, denn die Reaktion aus Peking wäre absehbar. Die Möglichkeiten zu noch immer attraktiven Forschungskooperationen mit China würden dann vermutlich stark eingeschränkt.

          In den taiwanischen Zentren ist das Misstrauen gegen China groß. Lehrer mit chinesischem Pass oder Ausweisdokumenten aus Hongkong dürfen dort nicht unterrichten. Verboten sind auch Materialien mit vereinfachten chinesischen Schriftzeichen, wie sie in China im Rahmen mehrerer Schriftreformen seit den fünfziger Jahren eingeführt wurden. Die zuständige taiwanische Behörde behält sich eine Genehmigung der Lehrbücher vor. Die Sprachschüler sollen auch zu Kulturveranstaltungen der Regierung eingeladen und zu weiterführenden Sprachkursen in Taiwan ermutigt werden.

          Auch jenseits der Auslandsschulen gewinnt Taiwan als Studienort für Menschen, die Chinesisch lernen wollen, an Bedeutung. Die Harvard-Universität verlegte kürzlich eines ihrer Sprachlernprogramme von Peking nach Taipeh. Die Programmdirektorin Jennifer Liu sagte der Studentenzeitung The Harvard Crimson, man habe sich bei der bisherigen Partneruniversität in Peking nicht mehr willkommen gefühlt.

          Wegen der strikten Corona-Regeln können seit Beginn der Pandemie ohnehin kaum noch ausländische Studenten nach China einreisen. Auch das kommt Taiwan zugute. Die Insel profitiert zudem davon, dass China zahlreiche Korrespondenten der New York Times, des Wall Street Journal und der Washington Post ausgewiesen hat, von denen viele nach Taipeh übergesiedelt sind. So viele Berichte über Taiwan wie jetzt hat es selten gegeben. Dabei ist die chinesische Politik eigentlich darauf ausgerichtet, alles zu tun, um Taiwan eine internationale Bühne zu verwehren.

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