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Tadschikistan : Afghanistans gefährdeter Nachbar

Das von Tadschikistans Grenztruppen veröffentliche Foto vom 22. Juni zeigt laut offizieller Darstellung afghanische Soldaten in Tadschikistan. Bild: AP

In Tadschikistan wächst wegen des Vormarschs der Taliban im Norden Afghanistans die Furcht vor einem Übergreifen des Kriegs. Die derzeitige Lage weckt düstere Erinnerungen.

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          Durch den Abzug der ausländischen Truppen aus Afghanistan gerät nicht nur die afghanische Regierung in Bedrängnis. Auch Tadschikistans Präsident Emomali Rachmon muss rasch eine Antwort darauf finden, wie er auf den Vormarsch der Taliban an die Grenze seines Landes reagieren will. Nachdem am vergangenen Wochenende mehr als tausend afghanische Soldaten vor den Kämpfen mit den Taliban in Nordafghanistan über die Grenze nach Tadschikistan geflohen waren, hat er schon die Mobilisierung von 20.000 Soldaten im Grenzgebiet angeordnet. Doch das allein wird kaum reichen, sollten die Kämpfe Tadschikistan erreichen. Denn Tadschikistan, das von Rachmon seit fast 30 Jahren autoritär geführt wird, ist selbst alles andere als stabil.

          Othmara Glas
          Volontärin

          Politisch hat das Staatsoberhaupt zwar alle Gewalten in seiner Hand, inklusive der Medien. Seit Jahren bereitet er die Machtübergabe an seinen Sohn vor. Doch wirtschaftlich ist Tadschikistan auf die Unterstützung der Staatengemeinschaft angewiesen. Es ist der ärmste Nachfolgestaat der Sowjetunion und eines der ärmsten Länder Asiens. Seine 1300 Kilometer lange Grenze zu Afghanistan ist kaum geschützt und eine beliebte Route bei Drogenschmugglern. Die tadschikische Armee ist schlecht ausgerüstet. Sie hätte den Taliban nur wenig entgegenzusetzen. Zudem sind Misshandlungen von zwangsverpflichteten Rekruten durch Vorgesetzte an der Tagesordnung. Ob diese Soldaten im Ernstfall bereit wären, ihr Leben zu riskieren, ist fraglich.

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