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Nordsyrien : Assads Armee soll Kurden gegen Türkei unterstützen

  • Aktualisiert am

Kurdische Truppen nehmen am Sonntag in der Stadt Derik an einer Trauerfeier für Kurden teil, die von mit der Türkei verbündeten Kämpfern getötet wurden, darunter Zivilisten. Bild: AFP

Nach dem türkischen Angriff wird die Lage verfahrener. Offenbar kommen syrische Regierungstruppen den Kurden zu Hilfe. Dabei will Damaskus keine kurdische Selbstverwaltung. Vermittelt hat angeblich Russland.

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          Die syrische Armee hat Truppen zur Unterstützung der Kurden in Nordsyrien entsendet. Dies geschehe, um sich der türkischen Offensive entgegenzustellen und Gebiete zu befreien, die die türkische Armee besetzt halte, sagte die kurdisch geführte Verwaltung am Sonntag. „Um diese Aggression zu verhindern und sich ihr entgegenzustellen, wurde mit der syrischen Regierung eine Vereinbarung erzielt.“

          Weitere Angaben zu der Vereinbarung, etwa ob die Kurden Kompromisse bei ihrer Selbstverwaltung im Norden machen würden, wurden nicht gemacht. Zuvor hatte die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana gemeldet, dass die syrische Armee Truppen Richtung türkische Grenze entsende. Aus den kurdisch kontrollierten Gebieten im Nordosten hatten die Regierungstruppen sich ursprünglich vor etwa sieben Jahren zurückgezogen.

          Russland als Vermittler

          Der Übereinkunft vorausgegangen seien dreitägige Verhandlungen zwischen Damaskus und den kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF), berichtet die Washington Post. Russland habe dabei die Rolle des Vermittlers übernommen. Die Kurden seien dabei zu dem Schluss gekommen, dass sie sich nicht mehr auf den Schutz ihrer amerikanische Verbündeten verlassen können.

          Russland ist der mächtigste Verbündete des syrischen Präsidenten Baschar al Assad. Das von der Kurdenmiliz YPG geführte Rebellenbündnis SDF war im Kampf gegen die radikal-islamische IS-Miliz im Bürgerkriegsland Syrien ein wichtiger Verbündeter der Vereinigten Staaten.

          Auch Damaskus gegen kurdische Selbstverwaltung

          Die syrische Regierung hatte den Kurden in der Vergangenheit wegen des Bündnisses mit den Amerikanern Verrat vorgeworfen. Überdies lehnt sie die Selbstverwaltung der Kurden ab und will, dass kurdische Gebiete wieder unter Kontrolle der Zentralregierung fallen.

          Die Türkei hatte am Mittwoch mit ihrem Militäreinsatz im Norden Syriens begonnen, nachdem die Vereinigten Staaten Truppen im Grenzgebiet zur Türkei abgezogen hatten. Seitdem treiben die türkischen Streitkräfte ihre Kämpfe gegen die YPG ungeachtet internationaler Kritik voran und erzielten zuletzt rasche Geländegewinne.

          Bild: F.A.Z.

          Die Türkei will entlang der Landesgrenze auf syrischem Gebiet eine 30 Kilometer tiefe sogenannte Sicherheitszone errichten und verlangt den Abzug der Kurden-Miliz aus dem Gebiet. So soll ein Erstarken der Kurden jenseits der Südgrenze verhindert werden, und damit auch der nach Autonomie strebenden Kurden auf türkischem Territorium.

          Grüne wollen Konsequenzen

          In Deutschland forderten die Grünen unterdessen fordern wegen der Militäroffensive Konsequenzen der Nato. „Die Bundesregierung muss unverzüglich eine Sondersitzung des Nato-Rates einberufen, um den Kriegseinsatz der Türkei in Nordsyrien zu stoppen“, sagte die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Sie betonte: „Ein Kriegsverbrechen ist nicht weniger ein Kriegsverbrechen, ein Bruch des Völkerrechts nicht weniger ein Bruch des Völkerrechts, nur weil der Aggressor ein Nato-Mitglied ist.“

          Dass die Bundesregierung Rüstungsexporte in die Türkei nur für künftige Lieferungen einschränken wolle, sei eine „halbherzige Antwort“. Die Verbote müssen auch für bereits genehmigte Rüstungsexporte gelten. Deutschland sei der wichtigste Waffenlieferant der Türkei. „Daher steht die Bundesregierung in besonderer Pflicht, jetzt klare Kante gegen Erdogans Aggressionspolitik zu zeigen“, sagte Baerbock mit Blick auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

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