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Syrienkonflikt : Ankara warnt Damaskus

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu: „Auf jede Möglichkeit vorbereitet“ Bild: AFP

Nach dem Abschuss eines syrischen Militärhubschraubers durch die türkische Luftwaffe hat Ankaras Außenminister Davutoglu Syrien vor möglichen Gegenschlägen gewarnt. Damaskus spricht von einem Versehen.

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          Nach dem Abschuss eines syrischen Militärhubschraubers durch die türkische Luftwaffe hat Ankaras Außenminister Ahmet Davutoglu Syrien am Dienstag vor möglichen Gegenschlägen gewarnt. Seine Regierung rechne zwar nicht mit syrischen Vergeltungsmaßnahmen, sei aber „auf jede Möglichkeit vorbereitet“, sagte Davutoglu. Die türkischen Streitkräfte seien in der Lage „unverzüglich auf alle möglichen Verletzungen der Sicherheit unseres Landes und unserer Grenzen“ zu reagieren.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Der syrische Hubschrauber war nach offizieller türkischer Darstellung abgeschossen worden, nachdem er am Montag in der türkischen Grenzprovinz Hatay mehr als 1000 Meter tief auf das Gebiet der Türkei eingedrungen war und die Piloten „mehrfache“ Warnungen ignoriert hätten.

          Damaskus: „Voreilige Reaktion“

          Damaskus bestreitet die kurzzeitige Luftraumverletzung nicht, bezichtigt die türkische Regierung aber, durch eine „voreilige Reaktion“ die Lage im Grenzgebiet bewusst zugespitzt zu haben.

          Nach einem Bericht der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana, die eine Mitteilung des Generalstabs in Damaskus zitierte, soll der Hubschrauber sofort zurückbeordert worden sein, nachdem die versehentliche Verletzung des Luftraums der Türkei bemerkt worden sei. Die türkischen Kampfflieger hätten ihn abgeschossen, als er sich schon wieder über syrischem Boden befunden habe.

          Dies belege, dass Ankara die Spannungen zwischen den beiden Staaten anheizen und die Lage im Grenzgebiet verschärfen wolle. Tatsache scheint zu sein, dass der abgeschossene Hubschrauber einige hundert Meter südlich der türkischen Grenze auf syrischem Boden aufschlug. Entsprechende Berichte türkischer Medien wurden von offizieller Seite in Ankara jedenfalls nicht dementiert.

          Verschärfte Spannungen

          Ein Vergleich mit einem ähnlichen Vorfall vor gut einem Jahr zeigt, wie sich die Spannungen zwischen beiden Staaten verschärft haben. Im Juni 2012 hatte die syrische Luftabwehr ein türkisches Kampfflugzeug abgeschossen, das den Luftraum Syriens verletzt hatte. Damals hatten sich beide Seiten noch um rhetorische Deeskalation bemüht.

          Der stellvertretende türkische Regierungschef Bülent Arinc hatte gewarnt, die Türkei dürfen sich „nicht zu provokativen Reden und Taten“ hinreißen lassen, während Damaskus den Abschuss als „Versehen“ bezeichnete, das nicht als feindlicher Akt missdeutet werden dürfe.

          Zwar verurteilte die Nato den Abschuss auf Drängen der Türkei als „inakzeptabel“, doch sagte der türkische Ministerpräsident Erdogan trotz scharfer Kritik an dem Regime in Damaskus, gegen Syrien dürften nur Schritte im Rahmen des Völkerrechts ergriffen werden.

          Von Teilen der nationalistischen Opposition war er daraufhin kritisiert worden, sie sei zu zögerlich und lasse sich von Damaskus vorführen Inzwischen will sich Ankara selbst dann an einer militärischen Intervention gegen das Assad-Regime beteiligen, wenn diese nicht durch ein Mandat des UN-Sicherheitsrats gedeckt wäre.

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