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Kurswechsel in Syrien? : Pentagon will offenbar Ölfelder mit Panzern schützen

  • Aktualisiert am

Amerikanische Soldaten des 9. Infanterie-Regiments aus Fort Hood in Texas bereiten das Entladen von Panzerfahrzeugen in Litauen vor. Bild: dpa

Kurz nach Präsident Trumps heftig kritisiertem Abzug amerikanischer Truppen aus Syrien will das Pentagon Kampfpanzer dorthin entsenden. Dabei geht es nicht nur um die Terrormiliz IS.

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          Die Vereinigten Staaten bereiten offenbar eine verblüffende Wende ihrer Militärpolitik in Syrien vor. Ein Vertreter des Verteidigungsministeriums erklärte am Donnerstagabend (Ortszeit), das Pentagon wolle 30 Abrams-Panzer und zusätzliche Soldaten in den Nordosten Syriens entsenden. Gemeinsam mit den kurdisch dominierten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) solle so verhindert werden, dass die Ölfelder wieder in die Hände der Terrormiliz „Islamischer Staat“ oder „anderer destabilisierender Akteure“ fielen.

          Beim Kampf gegen die IS-Dschihadisten sei die Einnahme der Ölfelder im Osten Syriens einer der größten Erfolge gewesen, sagte der Pentagon-Vertreter. Es müsse sichergestellt werden, dass der „Islamische Staat“ auch künftig keinen Zugang zu dem Öl als Finanzierungsquelle für seine Aktivitäten gewinne. Nähere Angaben zu dem militärischen Engagement der Vereinigten Staaten machte der Pentagon-Vertreter nicht. Das amerikanische Newsweek-Magazin berichtete, das Weiße Haus müsse den Plänen noch zustimmen.

          Zahlreiche Soldaten würden benötigt

          Amerikas Präsident Trump hat im Oktober angekündigt, die etwa 1000 in Syrien stationierten amerikanischen Soldaten abzuziehen. Das Gros der Truppen soll inzwischen außer Landes sein. Mit dem Schritt ermöglichten die Vereinigten Staaten eine türkische Militäroffensive gegen die Kurdenmiliz YPG in der Region. Trump selbst hatte den Kurswechsel am Mittwoch bereits angedeutet, allerdings nur von einer „kleinen Zahl von Soldaten“ gesprochen, die zum Schutz der Ölfelder in der Region bleiben werde.

          Sollten die Vereinigten Staaten tatsächliche Kampfpanzer und gepanzerte Fahrzeuge zum Schutz der Ölfelder nach Syrien entsenden, dürfte sich das mit ein paar Dutzend Soldaten indes kaum bewerkstelligen lassen. Für den Betrieb, die Versorgung und den Schutz mobiler Bodenkampfeinheiten werden zahlreiche Soldaten benötigt. Technisch wäre die Verlegung vermutlich schnell zu bewerkstelligen. Amerika verfügt bereits über entsprechende Kräfte in der Region.

          Derweil begannen russische Soldaten ihre Patrouillen im türkisch-syrischen Grenzgebiet, wie sie der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bei einem Treffen mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin in Sotschi beschlossen hatte. Der UN-Sonderbeauftragte für Syrien, Geir Pedersen, betonte, die türkisch-syrischen Patrouillen in der Grenzregion seien nur eine temporäre Lösung. Darüber gebe es keine Meinungsverschiedenheiten.

          Die Türkei hatte am 9. Oktober eine Militäroffensive gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Nordsyrien gestartet. Die YPG-Miliz stellt die Mehrheit der Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), die gegen die IS-Dschihadistenmiliz gekämpft hatte. Die Türkei betrachtet die YPG-Miliz aber als Bedrohung, da sie eng mit den Rebellen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in der Türkei verbunden ist.

          Trump lobt sich selbst

          Am Donnerstag forderte Erdogan von Amerika eine Auslieferung von SDF-Kommandeur Maslum Abdi. Dieser sei ein Terrorist, sagte der Präsident dem staatlichen türkischen Sender TRT. „Amerika muss diesen Mann übergeben.“

          Trump hatte zuvor im Kurzbotschaftendienst Twitter erklärt, ein Telefonat mit Abdi geführt und das Gespräch „wirklich genossen“ zu haben. „Er schätzt, was wir getan haben, und ich schätze, was die Kurden getan haben.“ Die Vereinigten Staaten würden das Öl schützen „und wir werden in der Zukunft entscheiden, was wir damit machen werden. Am Donnerstag schrieb er auf Twitter, er werde niemals erlauben, dass der IS sich wieder der Ölfelder bemächtige. In einem weiteren Tweet schrieb er: „Vielleicht ist es an der Zeit für die Kurden, sich auf den Weg in die Ölregion zu machen!“ Senatoren riefen zudem diese Woche das Außenministerium auf, Abdi schnell ein Visum auszustellen, damit er nach Amerika reisen und mit Regierungsvertretern über die Lage in Syrien beraten könne.

          Derweil hielt die Kritik am türkischen Vorgehen in Nordsyrien an. SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich stellte die Nato-Mitgliedschaft der Türkei infrage. „Jeder muss für sich selbst prüfen, ob er noch Teil der Nato sein kann und will“, sagte Mützenich den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Das gilt auch und gerade für die Türkei.“ Die Invasion der türkischen Streitkräfte in Nordsyrien sei keineswegs durch das Selbstverteidigungsrecht gedeckt.

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