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Syrien : Türkisch-amerikanische Beratungen über Militäreinsatz

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Aleppo: Ein syrischer Widerstandskämpfer steht im Schatten der Mamluk-era-Mohamandar-Moschee, im Zentrum der Altstadt Bild: AFP

Vertreter der Türkei und der Vereinigten Staaten haben in Ankara zum ersten Mal über eine Militärintervention in Syrien diskutiert. Derweil gehen im Land die Kämpfe unvermindert weiter.

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          In Ankara haben Vertreter der Türkei und der Vereinigten Staaten erstmals über einen möglichen Militäreinsatz in Syrien beraten. Militärs, Geheimdienstler und Diplomaten sprachen unter anderem über eine Reaktion auf einen Einsatz von Chemiewaffen durch die syrische Regierung, wie aus dem türkischen Außenministerium am Donnerstag verlautete. Amnesty International warf den syrischen Truppen derweil die wahllose Bombardierung von Wohnvierteln vor.

          Nach Presseberichten wollen Ankara und Washington sich auf die Zeit nach einem Sturz von Syriens Präsident Baschar al-Assad vorbereiten. Dabei wollten sie auch Übergriffe der sunnitischen Bevölkerungsmehrheit gegen Alawiten, Christen oder Juden verhindern. Zudem ging es bei den Gesprächen um die Einrichtung einer Schutzzone für Flüchtlinge auf syrischem Gebiet, falls sich der Zustrom von Menschen aus dem Nachbarland weiter verstärkt.

          Die Türkei fürchtet Terrorakte

          Daneben will Ankara auch über die Präsenz der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im Norden Syriens sprechen. Die Türkei befürchtet, dass sie das Gebiet als Ausgangspunkt für Terrorakte auf türkischem Boden nutzen könnten. Ein weiteres Thema waren Planungen für den Fall eines Einsatzes von Chemiewaffen. US-Präsident Barack Obama hatte dies als „rote Linie“ bezeichnet, der Überschreitung eine Militärintervention zur Folge habe.

          Kämpfer der Freien Syrischen Armee bei Gefechten in Aleppo, Mitte August Bilderstrecke

          Am Mittwoch erneuerten Obama und der britische Premier David Cameron die Warnung. Ein Einsatz von Chemiewaffen gegen Rebellen wäre „vollkommen inakzeptabel“, teilte Cameron nach einem Telefonat mit Obama mit. Er würde sie „zwingen, ihre bisherige Herangehensweise zu überdenken“. Nach einem weiteren Telefonat mit Frankreichs Präsident François Hollande teilte Cameron mit, London, Washington und Paris wollten die Rebellen weiter unterstützen.

          China kündigt Hilfe für Flüchtlinge an

          China gab derweil bekannt, zur Unterstützung syrischer Flüchtlinge in Jordanien und im Libanon 3,7 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Die Hilfe solle „die freundschaftlichen Gefühle der chinesischen zur syrischen Bevölkerung belegen“, erklärte das Außenministerium. Nach amerikanischen Angaben befinden sich derzeit etwa 1,2 Millionen Syrer auf der Flucht. Mehr als doppelt so viele sind demnach auf humanitäre Hilfe angewiesen.

          Amnesty International warf der syrischen Regierung vor, wahllos Wohnviertel zu bombardieren. Die Menschenrechtsorganisation habe rund 30 Angriffe in der umkämpften Stadt Aleppo untersucht, bei denen mindestens 80 unbeteiligte Zivilisten getötet worden seien, teilte Amnesty am Donnerstag mit. Die Armee bombardiere Wohngebiete, in denen sie Rebellen vermutet, anstatt militärische Ziele ins Visier zu nehmen.

          Kämpfe in Syrien dauern an

          Die Beschuss von Stadtvierteln in Aleppo und Damaskus hielt weiter an. In Aleppo seien am Donnerstagmorgen die Viertel Sachur, Tarik al-Bab, Bustan al-Kasr und Al-Schaar mit Artillerie beschossen worden, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Auch in Salaheddin und anderen Vierteln habe es Gefechte gegeben. Am Vorabend habe es zudem Kämpfe beim Militärflughafen gegeben, von dem die Flugzeuge für ihre Angriffe starteten.

          In Damaskus bombardierte die Armee das Viertel Hadschar al-Assuad. Zudem habe es am Mittwoch Dutzende Tote gegeben, als die Armee gegen Viertel im Westen der Stadt vorgerückt sei, teilte die Beobachtungsstelle mit. Beim Angriff von Aufständischen auf eine Straßensperre zwischen Damaskus und Daraa seien zehn Menschen getötet oder verletzt worden. Einer vorläufigen Bilanz zufolge wurden am Donnerstag landesweit 39 Menschen getötet.

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