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Krieg in Syrien : Menschenrechtler: Palmyra fällt an Islamisten

  • Aktualisiert am

Den antiken Triumphbogen in Palmyra hat der IS im Oktober 2015 zerstört. Unser Bild aus dem April dieses Jahres zeigt, was von ihm noch geblieben ist. Bild: Reuters

Die Berichte aus der syrischen Wüstenstadt Palmyra überschlagen sich: IS-Kämpfer seien ins Zentrum vorgedrungen, dann wieder verdrängt worden. Nun sollen sie die Stadt aber unter ihrer Kontrolle haben.

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          Nach einer neuerlichen Offensive auf das historische Palmyra ist die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) Menschenrechtlern zufolge wieder in die syrische Oasenstadt eingefallen. Die Dschihadisten kontrollierten nun die ganze Stadt einschließlich des Unesco-Welterbe-Geländes, bestätigte der Leiter der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, am Sonntag. Die IS-Kämpfer waren demnach schon Samstagabend in die kulturell bedeutende Stadt eingefallen, konnten am Sonntagmorgen durch heftige Luftangriffe Russlands aber vorübergehend wieder vertrieben werden.

          Nach Angaben von Einwohnern der Region hatten die Dschihadisten am Samstag zunächst außerhalb der Stadt liegende Gasfelder eingenommen und waren dann bis ins Zentrum vorgerückt. Wie örtliche Oppositionelle und die oppositionsnahe Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichteten, lieferten sich die Dschihadisten dort heftige Kämpfe mit der syrischen Armee und Milizionären der Nationalen Verteidigungskräfte.

          Erst im März hatten syrische Regierungstruppen Palmyra vom IS zurückerobert. Die Dschihadisten hatten während ihrer einjährigen Herrschaft über die Stadt einzigartige historische Kulturgüter aus den ersten Jahrhunderten nach Christus zerstört. Die Ruinen der früheren Handelsmetropole gehören zum Unesco-Weltkulturerbe.

          Milizionäre der von Iran unterstützten libanesischen Hizbullah und russische Bomber hatten den syrischen Präsidenten Baschar al Assad maßgeblich bei der Rückeroberung Palmyras unterstützt. Die Propaganda der Führung in Damaskus hatte die Rückeroberung als großen Sieg gefeiert, der den Herrschaftsanspruch Assads auf ganz Syrien untermauern sollte. Ein eigens aus Russland eingeflogenes Orchester hatte dort ein Konzert gegeben.

          Derweil steht Assad vor einem wichtigen Sieg in der nordsyrischen Großstadt Aleppo. Das Staatsfernsehen hat den Wiederaufbau schon angekündigt; nach Berichten aus der Hauptstadt Damaskus plant der syrische Präsident einen Besuch, um den Sieg in dem strategisch wichtigen Wirtschaftszentrum zu feiern. Armee und von Iran gelenkte schiitische Milizen haben die Rebellen im Osten Aleppos in den vergangenen Tagen immer weiter zurückgedrängt. Die Aufständischen halten nur noch eine winzige Enklave.

          Tausende fliehen aus Ost-Aleppo

          Mehr als 10.000 Menschen flohen nach Angaben von Aktivisten seit Mitternacht aus den Rebellenvierteln im Südosten Aleppos. Sie hätten „wegen der schweren Kämpfe und Bombardements“ Zuflucht in dem von der Regierung kontrollierten Westteil der Stadt gesucht, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag mit. Auch in jüngst von Regierungssoldaten eingenommene Viertel im Norden und im Zentrum Aleppos seien sie geflohen.

          Die Regierungstruppen hatten ihre Großoffensive Mitte November begonnen. Seitdem eroberten sie mehr als 85 Prozent von Ost-Aleppo von den Rebellen zurück. Bei der internationalen Syrien-Konferenz in Paris warf der amerikanische Außenminister John Kerry der Führung in Damaskus am Samstag Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Aleppo vor. Die Teilnehmer des Treffens, darunter auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, forderten mit Nachdruck eine Feuerpause und humanitäre Korridore zum Abzug der Menschen aus dem Ostteil der Stadt. Steinmeier nannte das Leid der Menschen in Aleppo „unermesslich“. Er sagte: „Es fehlt uns ja mittlerweile sogar die Sprache, es fehlen uns die Worte dafür, um zu beschreiben, was in Aleppo tagtäglich stattfindet.“

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