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Krieg in Syrien : Mindestens 500 Tote bei Kämpfen in Aleppo

  • Aktualisiert am

Bild: Reuters

Beobachter melden hohe Opferzahlen aus dem umkämpften Aleppo. Russland unterstützt Assads Truppen aus der Luft, weist aber jede Schuld zurück. Am Donnerstag soll sich zeigen, ob die Friedensgespräche wiederaufgenommen werden.

          2 Min.

          Bei den jüngsten Gefechten um die syrische Großstadt Aleppo sind nach Erkenntnissen von Beobachtern mindestens 500 Menschen ums Leben gekommen. Bei den Toten handle es sich um Kämpfer auf beiden Seiten, erklärte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch.

          Die meisten Todesopfer stammten mit 274 Getöteten von der mit dem Terrornetzwerk Al-Qaida verbundenen Al-Nusra-Front. Auf Seiten der Regierungstruppen seien 143 Kämpfer gefallen. Außerdem seien über 100 Zivilisten getötet worden, von denen sollen 23 Kinder gewesen sein sollen.

          Unterstützt durch die russische Luftwaffe rücken die Soldaten von Präsident Baschar al-Assad seit dem 1. Februar in Aleppo vor. Sollten sie die von Rebellen gehaltenen Teile der Stadt von der Umgebung abschneiden, könnte nach Einschätzung der Vereinten Nationen die Lebensmittelversorgung für 300.000 noch in der Stadt ausharrende Menschen zusammenbrechen.

          Ein CNN-Video zeigt Eindrücke aus der belagerten Stadt.

          Zehntausende Menschen waren wegen der Kämpfe in der Region an die Grenze zur Türkei geflohen. Dort hausen sie seit Tagen in überfüllten Lagern, da die Türkei ihnen weiterhin die Einreise verweigert. UN-Angaben zufolge sitzen im Grenzgebiet 31.000 Menschen fest, 80 Prozent von ihnen sind Frauen und Kinder. Nach Angaben von Hilfsorganisationen sind die Lebensbedingungen in den Camps katastrophal.

          Russland weist jede Schuld zurück, von der Leyen: „zynisch“

          Die Kämpfe zwischen Regierungsarmee und Rebellen dauerten am Mittwoch an. Unter anderem wurden aus dem nördlich von Aleppo gelegenen Tamura Gefechte gemeldet. Die russische Luftwaffe habe außerdem die Rebellenhochburg Tall Rifaat bombardiert, teilte die Beobachtungsstelle weiter mit.

          Das russische Außenministerium wies unterdessen abermals Vorwürfe des Westens zurück, mit den Luftangriffen eine humanitäre Krise in Syrien ausgelöst zu haben. Die Sprecherin des Außenministeriums am Mittwoch in Moskau, Maria Sacharowa, sagte, man erwarte von den Syrien-Gesprächen an diesem Donnerstag in München einen positiven Effekt für den Friedensprozess. Es sei wichtig, alle zentralen Fragen durchzugehen, um der Lösung des Syrien-Konflikts neuen Schwung zu verleihen.

          In München wird über die Wiederaufnahme der Verhandlungen gesprochen

          Die internationale Gemeinschaft lotet an diesem Donnerstag in München die Chancen für eine Wiederaufnahme der Syrien-Friedensgespräche aus. An der Sicherheitskonferenz nehmen Außenminister und andere hochrangige Vertreter
          aus 17 Staaten teil, darunter die Vereinigten Staaten, Russland, Saudi-Arabien, Iran und die Türkei. Deutschland wird von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) vertreten.

          Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat kurz vor der Konferenz das russische Vorgehen
          in dem Konflikt als zynisch kritisiert. „Russland treibt ein doppeltes Spiel“, sagte sie der Wochenzeitung „Die Zeit“. „Es überzieht einerseits die Bevölkerung von Aleppo mit einem Bombenteppich – und setzt sich gleichzeitig bei den Wiener Friedensgesprächen dafür ein, dass in Syrien nicht jede staatliche Ordnung verloren geht und zwischen den Konfliktparteien wieder Vertrauen entsteht.“

          Ein Portrait Assads in den Ruinen Aleppos. Mithilfe der russischen Luftwaffe will der Präsident die Stadt zurückerobern.

          Die Friedensgespräche in Genf waren vor einer Woche nach nur fünf Tagen abgebrochen worden und sollen möglichst am 25. Februar fortgesetzt werden. In München sollen nun die Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Es wird vor allem um eine bessere humanitäre Versorgung notleidender Menschen und die Vorbereitung eines Waffenstillstands gehen.

          Seit zwei Jahren kämpfen beide Seiten um die Stadt, die einst mit zwei Millionen Einwohnern die größte des Landes war. Der seit 2011 andauernde Bürgerkrieg hat mehr als 250.000 Menschen das Leben gekostet und elf Millionen weitere in die Flucht getrieben.

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