https://www.faz.net/-gpf-8oktr

Neue Syrien-Initiative : Russland, Iran und Türkei beraten sich zu Syrien

  • Aktualisiert am

Russische und syrische Soldaten in Syrien Bild: dpa

Mit dem Fall von Aleppo haben Russland und Iran einen strategischen Sieg errungen. Nun treffen sich Minister beider Staaten mit ihren türkischen Amtskollegen in Moskau. Die Vereinigten Staaten bleiben außen vor.

          2 Min.

          Moskau hat zu Syrien-Verhandlungen in einem neuen Format eingeladen: Erstmals werden am Dienstag Russland, die Türkei und Iran an einem Tisch sitzen. In getrennten Runden werden die Außenminister und die Verteidigungsminister der drei Mächte über die nächsten Schritte in dem Kriegsland beraten.

          Das Treffen ist eine Demonstration der Stärke. In Moskau versammeln sich die drei Mächte, die mit den größten ausländischen Truppenkontingenten in Syrien kämpfen. Gerade erst konnten die Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al Assad die Stadt Aleppo zurückerobern – mit Hilfe der russischen Luftwaffe am Himmel und iranischer Milizen am Boden. Russlands Außenminister Sergej Lawrow sprach von den Ländern, die realen Einfluss ausüben und Gebiete kontrollieren. Andere Mächte, vor allem die Vereinigten Staaten, bleiben ausgesperrt.

          In anderen Zeiten wäre das Treffen wohl abgesagt oder verschoben worden, Russland hätte über Vergeltung nachgedacht. Doch diesmal halten die drei Staaten trotz der tödlichen Schüsse auf den russischen Botschafter Andrej Karlow in Ankara am Montag an ihren Plänen fest. Das nach monatelangem Streit reparierte Verhältnis zwischen Moskau und Ankara ist beiden Seiten wichtiger. Russland will seine günstige Lage in Syrien nutzen.

          Ankara vertritt die syrische Opposition

          Die Türkei gehört zu den wichtigsten Unterstützern der syrischen Opposition. Viele Organisationen, Milizen, aber auch kritische Medien haben Stützpunkte im Nachbarland. So sitzt die Nationale Syrische Koalition als größtes Exil-Bündnis der Regimegegner in Istanbul. Auch Vertreter mehrerer bewaffneter Gruppen halten sich in der Türkei auf – sowohl Mitglieder der eher gemäßigten Freien Syrischen Armee (FSA) als auch Repräsentanten der radikal-islamischen Miliz Ahrar al Scham. Der Einfluss der Türkei auf diese Gruppen machte auch die Einigung mit dem syrischen Regime über einen Abzug von Kämpfern und Rebellen aus Aleppo möglich.

          Nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei im Grenzgebiet zu Syrien im November 2015 war das Verhältnis über Monate auf einem Tiefpunkt. Doch Moskau und Ankara haben sich wieder angenähert, die Präsidenten Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan besuchten sich gegenseitig.

          Es bleiben Gegensätze

          Trotzdem bleiben in Syrien Interessengegensätze. Die Türkei hat immer deutlich gemacht, dass sie Assads Sturz will. Zugleich begann sie eine Bodenoffensive in dem Bürgerkriegsland, mit der sie Rebellen im Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) und die Kurdenmiliz YPG unterstützt. Russland dagegen will Assad an der Macht halten. Die russische Armee bekämpft zwar auch den IS, sieht in den Kurden jedoch eher einen Partner. Moskau will auch keine Flugverbotszone in Nordsyrien, die von der Türkei immer wieder vorgeschlagen wird.

          In Iran ist es ein offenes Geheimnis, dass Syrien in erster Linie eine strategische Rolle im Kampf gegen den Erzfeind Israel spielt. Dabei ist die Person Assad zweitrangig, aber Syrien mit Assad dient als Korridor für Waffenlieferungen an die Hizbullah-Milizen in Südlibanon. Iran möchte abermals zeigen, dass auch er an einer politischen Lösung in Syrien interessiert ist. In Moskau hofft Iran dafür auf russische und auf türkische Unterstützung.

          Weitere Themen

          Unter starken Männern

          Libyen-Konferenz in Berlin : Unter starken Männern

          Wenn in Berlin über Libyen verhandelt wird, geht nichts ohne Erdogan und Putin. Sie bauen ihre Macht in der arabischen Welt aus und machen Europa Angst.

          Ende ausländischer Einmischung gefordert Video-Seite öffnen

          Libyen-Konferenz : Ende ausländischer Einmischung gefordert

          In Berlin hat am Nachmittag die internationale Libyen-Konferenz begonnen. Die Bundesregierung und die UNO hoffen, dass es in Berlin zu einer Einigung über eine Festigung der Waffenruhe kommt.

          Topmeldungen

          Der amerikanische Präsident Donald Trump spricht Mitte Januar bei einer Wahlkampfkundgebung im Bundesstaat Wisconsin.

          Wahlen in Amerika : Die Opposition muss draußen bleiben

          In der republikanischen Partei gibt es durchaus ein paar Trump-Gegner, sie haben aber meist keine gewählten Ämter. Eine neue Lobbygruppe ruft in ihrer Verzweiflung nun zur Wahl von Demokraten auf.
          Dubravko Mandic vergangenen Herbst in Leipzig

          Protest der AfD gegen SWR : Eine Grenze überschritten

          Nach dem „Oma-Video“ hat die AfD in Baden-Baden gegen die Öffentlich-Rechtlichen gehetzt, darunter der Politiker Dubravko Mandic. Der Auftritt könnte strafrechtliche Folgen haben.

          Harry und Meghan : Ohne königlichen Glanz

          Ein unabhängigeres Leben führen und dennoch im Namen der Königin auftreten, das war der Plan von Harry und Meghan. Er hat sich nicht erfüllt. Und nun sinkt auch noch die Beliebtheit des Rotschopfs. Schwere Zeiten für das einstige königliche Traumpaar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.