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Krieg in Syrien : „Kollektives Versagen der internationalen Gemeinschaft“

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„Ein Nein zu systematischen Umsiedelungen“ – Bewohner Aleppos demonstrierten am Donnerstag im Viertel al-Shaar gegen Evakuierungsmaßnahmen. Bild: Reuters

Hunderttausende Menschen sind im Osten Aleppos eingeschlossen. Hilfsorganisationen wollten heute zum ersten Mal Kranke und Verwundete aus der nordsyrischen Stadt holen. Doch dafür fehlen noch immer Sicherheitszusagen.

          Wegen fehlender Sicherheitsgarantien haben Hilfsorganisationen noch nicht mit dem Abtransport von Verwundeten und Verletzten in Aleppo begonnen. „Unsere Mitarbeiter stehen bereit, aber wir haben noch keine Sicherheitszusagen bekommen, um die Verwundeten aus dem Osten Aleppos herauszubringen“, sagte eine Sprecherin des Komitees des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK) am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Die Vereinten Nationen hatten angekündigt, am Freitag erstmals Hunderte Verwundete und Kranke aus den belagerten Rebellengebieten in Aleppo abzutransportieren.

          Die Stadt ist die am heftigsten umkämpfte im syrischen Bürgerkrieg. Mehr als 250.000 Menschen sollen nach UN-Angaben im belagerten Ostteil der Stadt eingeschlossen sein, die Situation der Bevölkerung ist katastrophal. Neben der Regierung in Damaskus wird auch Präsident Baschar al-Assads Verbündeter Russland für Luftangriffe dort verantwortlich gemacht.

          UN-Menschenrechtskommissar Seid Ra’ad al Hussein hat das Bombardement und die Belagerung der syrischen Stadt Aleppo am Freitag als Kriegsverbrechen gebrandmarkt. Es handele sich „um Verbrechen historischen Ausmaßes“, sagte al Hussein in einer per Video zum UN-Menschenrechtsrat in Genf übertragenen Rede.

          Al Hussein: „Sollte jeden bis in seine Träume verfolgen“

          „Das kollektive Versagen der internationalen Gemeinschaft dabei, Zivilisten zu schützen und dieses Blutvergießen zu stoppen, sollte jeden Einzelnen von uns bis in die Träume verfolgen.“ Seid forderte die Weltmächte abermals auf, ihre Differenzen zu überwinden und den Aleppo-Einsatz vom Internationalen Strafgerichtshof ahnden zu lassen.

          Kurz vor der Äußerung des UN-Kommissars hatten 28 EU-Staaten der Moskauer Regierung mit Sanktionen gedroht, sollte die Bombardierung im bisherigen Umfang anhalten. Zuletzt stellten die syrischen Truppen und ihre Verbündeten die Kämpfe für eine einseitig ausgerufene Feuerpause vorübergehend ein. Den UN zufolge hatte Russland am Donnerstag für fünf Tage eine jeweils elfstündige Kampfpause angekündigt.

          Am Donnerstag hatte der UN-Koordinator für Nothilfe in Syrien, Jan Egeland, in Genf mitgeteilt, dass die nötigen Sicherheitsgarantien für humanitäre Helfer endlich von allen Konfliktgegnern zugesagt worden seien. Egeland hatte aber auch darauf hingewiesen, dass eine Evakuierungsaktion für möglicherweise Hunderte von Verletzten angesichts der angespannten Lage in Aleppo dennoch gefährlich werden könne. „Da kann auch jederzeit etwas schiefgehen“, so der UN-Koordinator für Nothilfe in Syrien.

          Doch nicht alle Zivilisten wollen Aleppo verlassen. Am Donnerstag gab es in dem von Rebellen gehaltenen Viertel al-Shaar Proteste gegen die Evakuierungen. „Wie ich höre, wollen die Menschen ihr Zuhause nicht verlassen. Sie wollen keine Flüchtlinge werden. Sie fordern, dass die Bombardements aufhören – und das gilt für alle Kriegsparteien“, zitiert die ARD den UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura.

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