https://www.faz.net/-gpf-8oc2h

Syrien : Rebellen einigen sich mit Regime auf Evakuierung aus Aleppo

  • Aktualisiert am

Jubel der Eroberer: Regimetreue Soldaten fahren in Siegerpose durch die zerstörten Straßen Aleppos an fliehenden Zivilisten vorbei. Bild: AFP

Zehntausende irren durch die zerstörten Straßen von Aleppo: Dort soll die syrische Armee viele Zivilisten getötet haben. Frankreich und Großbritannien wollen den UN-Sicherheitsrat einschalten – doch offenbar gibt es nun neue Hoffnung.

          In Ost-Aleppo haben sich Rebellen nach eigenen Angaben mit dem syrischen Regime auf einen Abzug aus der umkämpften syrischen Großstadt geeinigt. Zivilisten und einige Kämpfer dürften die Rebellengebiete verlassen, sagte ein Sprecher einer Rebellengruppe der dpa. Es gebe eine Einigung „für die Evakuierung von Zivilisten und Kämpfern aus den belagerten Vierteln von Ost-Aleppo“, sagte Jasser al-Jussef von der Rebellengruppe Nurredin al-Sinki der Nachrichtenagentur AFP. Unterdessen haben Frankreich und Großbritannien eine sofortige Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates zur Lage in Aleppo beantragt. In Aleppo ereigne sich „vor unseren Augen die schlimmste humanitäre Katastrophe des 21. Jahrhunderts“, sagte der französische Botschafter bei den Vereinten Nationen, François Delattre, am Dienstag in New York.

          „Wir müssen alles tun, um das Blutvergießen zu beenden, um die Menschen sicher aus der Stadt zu bringen und den Bedürftigen zu helfen“, fügte Delattre hinzu. Die Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad stehen kurz vor der Rückeroberung des Ostteils von Aleppo, der jahrelang von Rebellen kontrolliert wurde. In den Trümmern der umkämpften Viertel harren noch zehntausende Zivilisten aus.

          Nach Angaben der Vereinten Nationen haben syrische Regierungstruppen und ihre Verbündeten in den vergangenen Tagen mindestens 82 Zivilisten im Ostteil Aleppos getötet. Darunter seien elf Frauen und 13 Kinder aus vier verschiedenen Bezirken des bisher von Rebellen gehaltenen Teils der Stadt, sagte der Sprecher des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte, Rupert Colville, am Dienstag in Genf.

          Das UN-Büro könne sich auf glaubwürdige Informationen berufen, die meisten Opfer seien „wahrscheinlich in den vergangenen 48 Stunden“ getötet worden.

          Die syrische Armee des Machthabers Baschar al-Assad und ihre Verbündeten haben Aleppo angeblich wieder vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen Militärvertreter. Eine Bestätigung für die Meldung gab es zunächst nicht. Die Rebellen, die sich während ihres Verteidigungskampfes in die Stadt zurückgezogen hatten, haben sich demnach am Montag auf das Westufer des Aleppo-Flusses zurückgezogen.

          Malteser: Völlige Missachtung von Menschenrechten

          Die Rückeroberung durch Assads Regierungstruppen verläuft nach Angaben von Helfern unter völliger Missachtung von Menschenrechten und internationalem Völkerrecht. „Die Lage ist höchst bedrohlich und das Leid der Menschen unvorstellbar“, sagte der stellvertretende Leiter von Malteser International, Sid Peruvemba, am Dienstag in Köln. „Unsere Sorge gilt den Zivilisten in den vormals von der Opposition kontrollierten Gebieten, denen möglicherweise lebensrettende Hilfe vorenthalten wird. Hinzu kommen Berichte über willkürliche Festnahmen, massenweise Internierung oder spurloses Verschwinden von Männern.“

          Wie Einwohner in den sozialen Netzwerken melden, herrschen Chaos und große Unsicherheit in der Stadt. Die siebenjährige Bana Alabed, die zusammen mit ihrer Mutter auf Twitter aktiv ist, verbreitete am Dienstagmorgen die Nachricht: „Das ist mein letzter Moment, in dem ich lebe oder sterbe. Bana.“

          Weitere Themen

          Zehntausende trotzen Demo-Verbot Video-Seite öffnen

          Hongkong : Zehntausende trotzen Demo-Verbot

          In Hongkong sind erneut zehntausende Menschen für ihre demokratischen Rechte auf die Straße gegangen. Die Aktivisten setzten sich wie in der Vergangenheit über ein Demonstrationsverbot hinweg.

          Wer hat’s erfunden?

          Details des Klimapakts : Wer hat’s erfunden?

          Kommenden Freitag soll der Klimapakt beschlossen werden. Um die entscheidenden Details wird bis zuletzt gerungen: Offen ist die Frage, wie viel die Tonne CO2 kosten soll.

          Topmeldungen

          Braunkohlekraftwerk Jänschwalde hinter dem ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord

          Details des Klimapakts : Wer hat’s erfunden?

          Kommenden Freitag soll der Klimapakt beschlossen werden. Um die entscheidenden Details wird bis zuletzt gerungen: Offen ist die Frage, wie viel die Tonne CO2 kosten soll.
          Salvini lässt sich am Sonntag von seinen Anhängern in Pontida feiern.

          Lega-Treffen in Pontida : Die Jagdsaison ist eröffnet

          Nach seiner Niederlage ist Matteo Salvini wieder in Angriffslaune. Bei einem Treffen der Lega ruft er zum Sturz der Linkskoalition auf. Die Stimmung in Pontida ist bei spätsommerlichem Wetter in jeder Hinsicht aufgeheizt.

          NPD-Ortsvorsteher in Hessen : Ein netter Kerl

          In einem Dorf wird ein NPD-Mann zum Ortsvorsteher gewählt. Die Aufregung ist groß, im Ort selbst findet man das nur halb so wild. Eindrücke aus Altenstadt-Waldsiedlung.
          Schild vor dem Trump Hotel in Washington, 21. Dezember 2016

          Klage von Hoteliers : Hat Donald Trump die Verfassung gebrochen?

          Trump schädige ihr Geschäft, indem er Diplomaten nötige, in seinen Hotels abzusteigen, monieren Gaststättenbetreiber. Damit haben sie vor einem New Yorker Gericht einen Etappensieg errungen. Nun könnte der Surpreme Court den Fall an sich ziehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.