Syrien : Rebellen einigen sich mit Regime auf Evakuierung aus Aleppo
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Die Mitarbeiter in den von den Maltesern unterstützten medizinischen Einrichtungen in Ost-Aleppo - ein Kinderkrankenhaus und eine Blutbank - mussten unterdessen die Arbeit einstellen. Ärzte und Pflegepersonal seien im letzten verbliebenen Oppositionsgebiet eingeschlossen, hieß es.
Der vollständige Fall der Stadt in Regierungshände wäre die schwerste Niederlage für die Rebellen in dem seit 2011 währenden Konflikt in Syrien. In West-Aleppo waren einem AFP-Reporter zufolge am Montagabend Freudenschüsse zu hören. Das staatliche syrische Fernsehen zeigte feiernde Menschen, die Bilder von Staatschef Baschar al-Assad und syrische Flaggen hochhielten.
Die syrische Armee wurde bei ihrer Eroberung Aleppos seit längerem durch russische Luftangriffe unterstützt. Die Mitte November gestartete Offensive auf die Rebellenviertel im Osten der Stadt gehe „in die Endphase“, hatte ein syrischer Armee-Vertreter am Montag gesagt. „Der Kampf um Aleppo hat sein Ende erreicht“, berichtete auch der Direktor der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman. Er sprach von einem „vollständigen Zusammenbruch“ bei den Rebellen.
Binnen 24 Stunden sind laut Beobachtungsstelle mehr als 10.000 Zivilisten aus den seit 2012 von den Rebellen gehaltenen Vierteln in Ost-Aleppo geflüchtet. Angesichts von Berichten über Gräueltaten gegen zahlreiche Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, zeigte sich UN-Generalsekretär Ban Ki-moon alarmiert. Zwar könnten die Vereinten Nationen die Berichte über solche Gräueltaten nicht unabhängig überprüfen, doch habe der UN-Generalsekretär den Konfliktparteien seine „ernste Sorge„ übermittelt, sagte ein UN-Sprecher am Montag in New York. Vor allem die syrische Armee mit ihren Verbündeten Russland und Iran müssten Zivilisten schützen.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz warnte am Dienstag in Genf, Tausende Zivilisten seien den Kämpfen zwischen Assad-Truppen und Rebellen schutzlos ausgeliefert. „Sie können nirgendwo hin fliehen“, hieß es in einer Erklärung.
Mutmaßlicher Giftgas-Angriff nahe Palmyra
In dem von der Extremistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) kontrollierten Gebiet nahe der syrischen Stadt Palmyra hat es nach Informationen von Kriegsbeobachtern am Montag vermutlich einen Giftgas-Angriff gegeben. In dem Gebiet habe es auch heftigen Beschuss aus der Luft gegeben, erklärte die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Insgesamt seien dort mindestens 53 Menschen getötet worden, darunter 28 Kinder. Unter Berufung auf Informanten vor Ort erklärte die Beobachtungsstelle, es habe Fälle von Erstickung gegeben. Mehrere Leichen hätten keine Anzeichen äußerer Verletzungen. Sie äußerte sich nicht dazu, wer für den Angriff verantwortlich ist.
Die Nachrichtenagentur Amak, die mit dem IS verbunden ist, erklärte im Internet, es habe einen russischen Angriff mit Sarin-Gas gegeben. 20 Menschen seien dabei getötet worden. Rund 200 Personen hätten Atemprobleme bekommen. Sowohl Russland als auch die syrische Armee hatten wiederholt den Einsatz von Chemiewaffen bestritten. Die Vereinten Nationen (UN) hatten Syrien den Einsatz von Sarin in einigen von Rebellen kontrollierten Vororten der Hauptstadt Damaskus 2013 vorgeworfen. Die Regierung beschuldigte dagegen die Rebellen. In diesem Jahr stellte eine UN-Kommission fest, dass sowohl die syrische Armee als auch der IS Chemiewaffen eingesetzt hätten. Die syrische Regierung bestritt dies.