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Angriff in Syrien : Tödliches Gas

Trauer und Tod: Beerdigung in Idlib am Mittwoch Bild: AFP

Der Giftgasangriff in Idlib übertrifft das übliche Maß an Grausamkeit und lässt den Westen seine Position überdenken. Will Assad noch einmal die roten Linien testen?

          Omar Hadsch Kadour entkommt dem zweiten Angriff, der das Krankenhaus von Khan Scheikhoun trifft, nur knapp. Der Fotograf der Nachrichtenagentur AFP ist gerade dabei, die verzweifelten Hilfeversuche der Ärzte zu dokumentieren, als er eine Explosion hört. „Trümmer gehen am Eingang des Krankenhauses nieder, wo die Ärzte die eintreffenden Patienten abspritzen, um die chemischen Rückstände abzuwaschen“, berichtet er später. Er bringt sich gerade noch in Sicherheit. Für Dutzende Bewohner des Ortes in der syrischen Provinz Idlib ist es da schon zu spät.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Am frühen Dienstagmorgen werden die Menschen in Khan Scheikhoun durch einen Luftangriff aus dem Schlaf gerissen. Seither dringen verstörende Bilder an die Öffentlichkeit. Panische Gesichter erstickender Menschen, Kinderleichen ohne äußere Verletzungen. Leute, denen Schaum aus Mund und Nase hervorquillt. „Es war eine erschütternde Szenerie“, berichtet Qusie al Hesien der F.A.Z. in Chat-Nachrichten. „Sehr beängstigend.“

          Er ist einer der Medienaktivisten, die das Geschehen in Idlib dokumentieren und an die Öffentlichkeit bringen, und war nach Khan Scheikhoun geeilt, als er von dem Angriff hörte. Hunderte hätten verkrümmt auf dem Boden gelegen. In dem Ort hätten vor allem Zivilisten und Binnenflüchtlinge gelebt, die aus der südlichen Nachbarprovinz Hama nach Idlib geflohen waren.

          Ein Funktionär der oppositionellen Selbstverwaltung in Idlib berichtet dem Sender Al Dschazira, die medizinischen Einrichtungen seien überfordert. In der ganzen Provinz würden die Opfer von Khan Scheikhoun behandelt. Aber die Kliniken in Idlib sind gezeichnet vom Krieg. Erst am Montag sei eine der wichtigsten von einem Luftangriff getroffen worden, sagt der Funktionär. „Es fehlt auch an Mitteln, Opfer von Giftgasangriffen zu behandeln“, erklärt der Aktivist Qusei al Hesien.

          Führung in Damaskus bestreitet Vorwürfe

          Die Krankenhäuser sind ein gängiges Ziel syrisch-russischer Luftangriffe. Dass Hubschrauber des Assad-Regimes mit Chlorgas versetzte Fassbomben abwerfen, ist keine Seltenheit. Doch die Berichte und Aufnahmen aus Khan Scheikhoun fügen sich mehr und mehr zum schrecklichen Bild eines verheerenden Giftgasangriffs, der das übliche Maß an Grausamkeit weit übertrifft. Ärzte, Helfer und Oppositionsvertreter hatten früh das tödliche Nervengas Sarin ins Spiel gebracht. Später erklärte die Weltgesundheitsorganisation, die Symptome der Opfer deuteten darauf hin, dass ein geächtetes Nervengas zum Einsatz gekommen sei.

          Ähnlich äußerte sich am Mittwoch auch der türkische Gesundheitsminister; Opfer des Angriffs waren zur Behandlung in die Türkei gebracht worden. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte amerikanische Regierungsmitarbeiter mit der Einschätzung, es sei wohl der Kampfstoff Sarin verwendet worden und es sei, „ziemlich sicher“, dass die Truppen des syrischen Regimes hinter dem Angriff steckten.

          Die Führung in Damaskus bestreitet die Vorwürfe. Der stellvertretende Außenminister Faisal Mikdad behauptete im regimetreuen Fernsehen, die Armee habe niemals Giftgas eingesetzt, auch nicht in den erbittertsten Gefechten. Syrien habe seine Verpflichtungen gegenüber der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) erfüllt.

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