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Angriff in Syrien : Tödliches Gas

Seine Regierung habe die OPCW vor Wochen darüber in Kenntnis gesetzt, dass Dschihadisten der früheren Al-Qaida-treuen Nusra-Front giftige Substanzen nach Syrien geschmuggelt hätten. Dass russische Verteidigungsministerium behauptete, syrische Bomber hätten eine Waffenschmiede von Dschihadisten getroffen, in der chemische Kampfstoffe gelagert worden seien.

Zweifel an Glaubwürdigkeit des syrischen Außenministers

Von Sicherheitsfachleuten in westlichen Regierungen heißt es indes, es sei nicht bekannt, dass es in dem angegriffenen Ort oder in seiner Umgebung irgendwelche Giftgaslager islamistischer Terroristen gebe. Syrische Beobachter werfen die Frage auf, warum die Dschihadisten Giftgas inmitten einer Kleinstadt verstecken sollten, die von anderen Gruppen kontrolliert wird – und nicht etwa in einem sicheren Unterschlupf in den Bergregionen.

Die Bemerkungen des syrischen Ministers lassen ebenfalls einige Zweifel an deren Glaubwürdigkeit zu. So hatten etwa gemeinsame Untersuchungen von UN und OPCW ergeben, dass das Regime in mehreren Fällen chemische Kampfstoffe eingesetzt hat – und zwar nach der Übereinkunft vom Herbst 2013, die Assad dazu verpflichtete, sein Arsenal restlos zu vernichten.

Ganz zu schweigen von dem Sarin-Einsatz in Ghouta im Umland von Damaskus von 2013, bei dem Hunderte Zivilisten umkamen. Der unter Rebellenbrigaden gut vernetzte Syrien-Fachmann Charles Lister schreibt auf Twitter, es sei unter amerikanischen und europäischen Diplomaten bekannt, dass die Vereinbarung von 2013, die amerikanische Militärschläge abgewendet hatte, nicht „zu hundert Prozent erfolgreich“ gewesen sei.

Idlib ist die letzte Bastion der Rebellen

So machten Vertreter der Assad-Gegner nach dem Angriff ihrer Wut über den Westen Luft, der Assad nicht aufhalte. Assad Hanna, ein politischer Funktionär der Freien Syrischen Armee (FSA), setzte einen sarkastischen Tweet ab, in dem er äußerte, Assads Chemiewaffen würden keine Gefahr für die internationale Sicherheit darstellen, solange die Opfer nur Syrer seien. Der syrische Machthaber setze Saringas ein, weil die Vereinigten Staaten noch vor einigen Tagen deutlich gemacht hätten, dass sein Sturz für die Vereinigten Staaten keine Priorität mehr habe.

Die Provinz Idlib steht sinnbildlich dafür, wie sehr die Rebellen derzeit auf verlorenem Posten stehen. Sie ist die letzte Bastion – in der Peripherie des Landes, in der islamistische und dschihadistische Brigaden den Ton angeben. Die Truppen Assads erobern Syrien Stück für Stück zurück. Zugleich nimmt die Unterstützung aus dem Ausland ab – sowohl im Westen als auch von arabischen Ländern wie Jordanien.

Der syrische Machthaber hat nun womöglich noch einmal demonstriert, wozu er imstande ist. Assad töte Zivilisten, weil es keine „rote Linie“ gebe, schreibt der FSA-Vertreter Asaad Hanna in Anspielung an die früheren Drohungen der Obama-Administration. Der jüngste Giftgasangriff könnte ein weiterer Test dafür sein, wie weit er gehen kann.

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