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Syrien-Konflikt : Obama erwägt Verzicht auf Militärschläge

  • -Aktualisiert am

Es sei nicht zu erwarten, dass schon in dieser Woche konkrete Schritte ergriffen werden könnten. Aber auch die Militärschläge dienten ja einem langfristigen Ziel, könnten also noch warten. Russland und Syrien müssten nun erst einmal einen schriftlichen Vorschlag auf den Tisch legen, dann müsse man sehen, ob er durchsetzbar wäre. Ob er denn die Zerstörung aller syrischer Chemiewaffen verlange, wurde Obama bei CBS gefragt. „Es wäre verfrüht, wenn ich jetzt hier begänne, Formulierungen zu entwerfen“, wich Obama aus. „Ziemlich schnell“ werde man ein Gefühl dafür haben, ob die Sache ernst gemeint sei, sagte der Präsident bei Fox News.

Er habe schon vor langer Zeit mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über ein solches Szenario geredet. Obama vergaß in keinem Interview, darauf hinzuweisen, dass der russisch-syrische Vorschlag reichlich spät komme und bisher alles andere als verbindlich sei. Eine Idee „mit einem Korn Salz“ sei das noch.

Verblüffung in den eigenen Reihen

Aber die Botschaft der Hoffnung und des Etappenerfolgs war ihm wichtiger. Damit dürfte Obama viele Mitarbeiter seiner eigenen Regierung verblüfft haben, die den Tag damit zugebracht hatten, die Moskauer Ankündigungen als zynisch zu entlarven. Die Londoner Äußerung von Kerry am Morgen, wenn Assad einen amerikanischen Militärschlag abwenden wolle, könne er ja binnen Wochenfrist seine Chemiewaffen abgeben, spielte dessen eigenes Ministerium als „rhetorische Figur“ und spontane Äußerung herunter.

Protest vor dem Weißen Haus: Laut einer am Montag veröffentlichten Reuters/Ipos-Umfrage sind inzwischen 63 Prozent der Amerikaner gegen eine militärische Intervention in Syrien Bilderstrecke

Ein Mitarbeiter des Weißen Hauses wurde bei CNN mit den Worten zitiert, Kerry habe einen schlimmen Patzer gemacht. Fachleute verwiesen darauf, dass die Vereinigten Staaten viele Giftgasdepots der Syrer gar nicht kennten. In dem Bürgerkriegsland wäre es also kaum zu überprüfen, ob das Regime tatsächlich sein chemisches Waffenarsenal auflöste oder unter fremde Kontrolle stellte. Obamas Sicherheitsberaterin Susan Rice verkündete abermals, es bestehe nicht der Hauch einer Chance, dass Moskau sich im UN-Sicherheitsrat bewege.

Doch der Präsident scheint zu hoffen, dass der Kongress eher geneigt ist, eine Militäraktion zu genehmigen, wenn es eine gewisse Chance gibt, dass es eine solche nie geben wird. Heute Abend wendet sich Obama in einer Fernsehansprache an die Amerikaner.

Assad droht mit dünner Stimme

Doch den Interview-Reigen im Fernsehen beschloss am Montag ein anderer Präsident. Baschar al Assad sprach eine Stunde lang im Sender PBS mit Charlie Rose – das Gespräch war am Wochenende in Damaskus aufgezeichnet worden, bevor sich Kerry vergaloppierte, Lawrow die Lage ausnutzte und Obama versuchte, Kapital daraus zu schlagen.

Mit dünner Stimme, aber lächelnd und in fließendem Englisch drohte Assad den Amerikanern und weigerte sich, auch nur den Besitz von Chemiewaffen zuzugeben. Obama kannte das Interview vorab und wies die Drohungen in sechs nahezu gleichlautenden Formulierungen zurück: „Syriens militärische Fähigkeiten mögen groß sein in Bezug auf Hunderte Kinder, die das Regime vergast“, sagte Obama auf allen Kanälen – aber sie sei klein im Vergleich zu den Möglichkeiten der Amerikaner. Auf NBC fand der Präsident noch Zeit für einen patriotischen Zusatz: „Unser Militär ist das großartigste, das die Welt je gesehen hat.“

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