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Syrien-Konflikt : Mehrstimmige Botschaften

Die UN-Botschafter Amerikas und Russlands, Nikki Haley und Wassilij Nebensja am Dienstagabend. Bild: dpa

Trump droht mit Raketenbeschuss in Syrien – will aber den direkten Konflikt mit Russland vermeiden. Dennoch rückt ein Militärschlag nach dem Chemiewaffenangriff näher. Moskau mahnt und warnt.

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          Die Botschaften des amerikanischen Präsidenten waren jede für sich eindeutig – und doch mehrstimmig. Donald Trump drohte Russland am Mittwoch mit „smarten“ Raketen, die den syrischen Präsidenten Baschar al Assad treffen würden, den er als „vergasendes Tier“ bezeichnete, das „seine eigenen Leute umbringt und daran Freude hat“. Moskau solle mit so einem nicht gemeinsame Sache machen. Die Beziehungen zu Russland seien so schlecht wie selbst im Kalten Krieg nicht, hob der amerikanische Präsident in einer weiteren Botschaft hervor. Zugleich äußerte Trump, Russland brauche Hilfe für seine Volkswirtschaft, die Amerika leicht leisten könne. Alle Länder müssten zusammenarbeiten. Und er gab den Demokraten und der Untersuchung der russischen Einflussnahme auf die Präsidentenwahl durch den Sonderermittler Robert Mueller Mitschuld an dem bösen Blut zwischen Amerika und Russland.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Damit verdeutlichte Trump, dass er einen direkten Konflikt mit Russland vermeiden möchte. Zugleich aber zeigt er sich entschlossen, auf den Chemiewaffenangriff in der Damaszener Vorstadt Douma mit einem Militärschlag zu antworten. Nach einem Bericht der „New York Times“ hat die amerikanische Regierung zahlreiche Ziele in Syrien ins Visier genommen, die sie über mehrere Tage hinweg attackieren könnte.

          Dass ein Angriff, den Trump nun vollmundig vorangekündigt hat, in der Luft liegt, hatte sich schon an den Warnungen der Aufsichtsbehörde Eurocontrol gezeigt, die den Fluggesellschaften riet, angesichts der Gefahr von Luftangriffen in Syrien besondere Vorsicht im östlichen Mittelmeerraum walten zu lassen. Innerhalb der nächsten Tage könnten Luft-Boden-Raketen und Marschflugkörper eingesetzt werden, und es könne zur Störung von Navigationsgeräten kommen.

          Angriffe auf „chemische Kapazitäten“ möglich

          Emmanuel Macron hat angedeutet, welche Einrichtungen in Visier genommen werden könnten, und er klang etwas besonnener als sein Partner im Weißen Haus: Der französische Präsident bestätigte, dass Luftangriffe auf „chemische Kapazitäten“ des Regimes in Syrien möglich seien. Die Militärschläge sollten sich in keinem Fall gegen Verbündete des Regimes von Machthaber Baschar al Assad – Russland oder Iran – richten. Es müsse auch ausgeschlossen werden, dass die syrische Zivilbevölkerung darunter leide. „Wir wollen keine Eskalation“, sagte Macron. Und weiter: „Wir werden unsere Entscheidung in den kommenden Tagen mitteilen.“

          Die Regierung in Paris tauscht sich intensiv mit ihren Partnern aus, vor allem mit Amerika und Großbritannien. Der französische Präsident stimmte ferner am Dienstagabend mit dem saudischen Kronprinzen Muhammad Bin Salman, dem marokkanischen König Mohamed VI. sowie dem libanesischen Ministerpräsidenten Saad Hariri in Paris das weitere Vorgehen ab. Aus diplomatischen Kreisen hieß es, Saudi-Arabien könne an den Militärschlägen beteiligt werden. Es sei wichtig, nicht den Eindruck zu erwecken, es handele sich um eine Vergeltungsaktion nur des Westens.

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