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Syrien-Kommentar : Krieg gegen die Kurden

Bei einer Demonstration gegen die Militäroffensive in Istanbul wird eine Frau von türkischen Polizeikräften abgeführt. Bild: AFP

Es ist noch nicht allzu lange her, da sahen die Kurden wie die großen Gewinner des Kriegs in Syrien aus. Erdogans Einmarsch ändert alles.

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          Es ist noch nicht allzu lange her, da sahen die Kurden wie die großen Gewinner des Kriegs in Syrien aus. Inmitten der Gewalt und Anarchie war es ihnen 2013 gelungen, im Norden des Bürgerkriegslandes eine relativ ruhige und geordnete Selbstverwaltungszone zu errichten. In „Rojava“ – dem „Westen“ Kurdistans – sahen manche den Beginn der Verwirklichung eines alten Traums, den ersten Schritt auf dem Weg zu einem unabhängigen Kurdenstaat.

          Nicht so die Türkei, die hier von Anfang an eine Gefahr sah. Mit dem nun begonnenen Einmarsch in den westlichen der drei syrisch-kurdischen Kantone führt Staatspräsident Erdogan seine kompromisslose Politik der vergangenen Jahre fort: Die Friedensgespräche mit den Kurden in der Türkei wurden beendet, den prokurdischen Parteien im Land wird (wieder) Komplizenschaft mit der Terrororganisation PKK vorgeworfen. Auch in den syrisch-kurdischen Milizen und Parteien sieht Erdogan PKK-Ableger und eine „Terrorarmee“ und hat nun angekündigt, sie zu „erledigen“.

          Wird Amerika den bedrängten Kurden zu Hilfe eilen?

          Die Kurden im Norden Syriens hatten sich bislang darauf verlassen können, dass mächtige Verbündete ihre schützende Hand über sie halten. Ihre Truppen haben sich als schlagkräftig im Kampf gegen die Terrorgruppe IS erwiesen – vor allem Washington nahm die Dienste der Kurden gern in Anspruch und lieferte ihnen dafür Waffen. Wie entschieden wird Amerika den bedrängten Kurden zu Hilfe eilen? Die Partnerschaft mit der Türkei, das hat sich immer wieder gezeigt, ist aufgrund der politischen und strategischen Bedeutung des Landes für westliche Regierungen so wichtig, dass sie Erdogan vieles haben durchgehen lassen.

          Sollte es über den Einmarsch in Syrien nun zum Zerwürfnis zwischen Washington und Ankara kommen, wäre das wiederum ganz im Interesse Russlands, das seine Militärbeobachter in dem kurdischen Gebiet um Afrin prompt abzog. Aus der Sicht der Kurden ist damit alles so wie seit hundert Jahren: Die Großmächte tragen ihre Rivalitäten und strategischen Auseinandersetzungen auf dem Rücken und zu Lasten des kurdischen Volkes aus. Erdogans Einmarsch wird aber noch einen weiteren Effekt haben: Der Kampf gegen den IS wird in Mitleidenschaft gezogen.

          Christian Meier

          Redakteur in der Politik.

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