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Syrien : Hochburgen des Widerstands

  • -Aktualisiert am

Massenprotest gegen das Regime in Hama im Juli 2011 Bild: dapd

In den syrischen Städten Homs und Hama wird derzeit am heftigsten gekämpft. Schon immer gab es dort Aversionen gegen das Assad-Regime der schiitischen Alawiten. Es gilt in den Augen der Sunniten als ketzerisch.

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          In diesen Tagen ist Homs die am meisten umkämpfte Stadt in Syrien, offenbar wird um den Besitz einzelner Stadtviertel gerungen. Die syrische Armee setzt Panzer und schwere Waffen ein. Mit etwa einer Million Einwohnern ist sie nach der Hauptstadt Damaskus und dem im Norden des Landes gelegenen Aleppo die drittgrößte Stadt des Landes. Ihre Lage am Fluß Nahr al Asi, dem antiken Orontes, der nach dem Euphrat die zweite große Lebensader Syriens darstellt, macht sie besonders wichtig. Darüber hinaus ist die Provinzhauptstadt Homs, die bisweilen auch mit Hims oder Hums transkribiert wird, eine der ältesten Städte der Region überhaupt, die bereits in der Antike unter dem Namen Emesa bekannt war.

          In römischer Zeit waren die Bewohner Vasallen des Kaisers in Rom, bis zur Eroberung durch die Muslime im Jahre 637 nach Christus gehörte die Stadt zum Byzantinischen Reich; früh hatte das Christentum gerade in den Seitentälern des Orontes Fuß gefasst und bedeutende Gelehrte wie den Bischof Eusebius von Emesa hervorgebracht. Auch die heute hauptsächlich im Libanon ansässigen Maroniten gehen auf Gemeinden aus dem Gebiet des Orontes zurück. Die Mariengürtel-Kirche in Homs ist eines der ältesten christlichen Gotteshäuser im Nahen Osten.

          Die Hauptmoschee der Stadt ist nach Chalid Ibn al Walid benannt, dem ersten bedeutenden Feldherrn der Muslime, der die Stadt einnahm, ohne allerdings auf großen Widerstand zu stoßen. Chalid, der in Homs auch begraben ist, führt den Beinamen „Saif Allah“ - Schwert Gottes. In islamischer Zeit erlebte Homs unter Saif al Daula, dem Fürsten von Aleppo, Mitte des 10. Jahrhunderts eine neue Blüte. Saif al Daula war ein kunstsinniger Herrscher, der Denker und Dichter an seinen Musenhof zog, so den berühmten Poeten al Mutanabbi, den die arabische Welt bis heute als einen ihrer größten Dichter verehrt.

          Kurze Zeit danach mussten sich die Bewohner von Homs mit den christlichen Kreuzrittern auseinandersetzen, die unweit der Stadt mit dem Crac des Chevaliers die größte Kreuzfahrerburg im Nahen Osten erbauten. Den Christen gelang es freilich nie, Homs einzunehmen; dort verschanzten sich vielmehr die muslimischen Kräfte und kämpften erbittert gegen die christlichen Ritter. Bis heute ist diese Burg aus bewegter Zeit hervorragend erhalten geblieben und eine Touristenattraktion ersten Ranges.

          Im Jahre 1516 wurde die Stadt, wie ganz Syrien, Teil des Osmanischen Reiches und blieb es bis zu dessen Untergang im Ersten Weltkrieg. Im von Frankreich unabhängig gewordenen Syrien nach 1946 entwickelte sich Homs rasch zu einer modernen Stadt, in der vor allem die Textilindustrie ausgebaut wurde. In diesem Zentrum des sunnitischen Islams gab es immer - wie auch im nicht weit entfernten Hama - Aversionen gegen das Assad-Regime der heterodox schiitischen Alawiten, das in den Augen des sunnitischen Mehrheits-Islams ketzerisch ist. Homs ist gegenwärtig eines der Zentren des Aufstandes gegen Baschar al Assad, doch es wird auch von Übergriffen fanatisierter Muslime auf Christen berichtet.

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