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Syrien : Flucht aus Damaskus

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Die syrische Opposition verbreitete diese Aufnahme einer Trauerzeremonie aus Dael in der Provinz Daraa. Die Angaben über die Anzahl der Todesopfer des Konflikts in Syrien sind nur schwer zu verifizieren Bild: AFP

Einen Tag nach dem Anschlag auf engste Assad-Vertraute liefern sich die syrische Armee und oppositionelle Milizen offenbar schwere Gefechte. Viele Einwohner flüchten aus Damaskus. Wo sich Machthaber Assad aufhält, ist unklar.

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          Einen Tag nach dem Anschlag auf den engsten Führungszirkel in Syrien hat die Opposition den Druck auf Präsident Baschar al Assad weiter verstärkt. Bewohner der Hauptstadt Damaskus berichteten am Donnerstag von Kämpfen in Sichtweite des Präsidentenpalastes und des Regierungsviertels. Unklar war der genaue Aufenthaltsort des Staatschefs, der seit dem Attentat auf drei seiner wichtigsten Gefolgsleute nicht in der Öffentlichkeit aufgetreten ist. Er sollte sich aber noch in Syrien aufhalten.

          Regierungstruppen und Rebellen lieferten sich den fünften Tag in Folge Kämpfe in Damaskus. Die Regierung setzte auch Artillerie gegen die meist nur mit Gewehren und Granaten bewaffneten Aufständischen ein. Die Gefechte dauerten ohne Unterbrechung an, berichteten Bewohner. In der Nähe der Regierungszentrale sei mindestens ein Mensch getötet worden. Hunderte Familien seien auf der Flucht, fänden aber keinen Schutz. „Die Flüchtlinge können nirgendwo hin. In ganz Damaskus wird gekämpft“, berichtete eine Bewohnerin.

          Aus Sicherheitskreisen hieß es laut der Nachrichtenagentur AFP, die „extrem heftigen Gefechte“ würden noch zwei Tage andauern, um Damaskus vor Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan „von Terroristen zu säubern“. Bislang hätten sich die Truppen „zurückgehalten“, aber nach dem Anschlag vom Mittwoch sei die Armee „entschlossen, alle in ihrem Besitz befindlichen Waffen zur Anwendung zu bringen.“, Die Armee habe die Bevölkerung aufgefordert, sich aus den Kampfzonen zurückzuziehen. „Die Terroristen versuchen, die Einwohner als menschliches Schutzschild zu verwenden“, fügte eine Vertreter der Sicherheitsdienste hinzu. Bei dem Attentat auf das Gebäude der Nationalen Sicherheit in der Hauptstadt waren drei Vertraute Assads getötet worden, darunter Verteidigungsminister Dawud Radschha und sein Stellvertreter Asef Schaukat, ein Schwager des Staatschefs.

          Große Zahl von Flüchtlingen

          In vielen Provinzen des Landes nahm die Gewalt zu. Bis zum Vormittag kamen nach Angaben von Aktivisten 13 Menschen ums Leben. Über die Zahl der zivilen und militärischen Opfer in ganz Syrien am Mittwoch gingen die Angaben zum Teil weit auseinander. Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter sprach von 130 Toten, darunter 52 Soldaten der Regierungstruppen. Die Allgemeine Kommission für die Syrische Revolution zählte mehr als 200 Opfer.

          Aus einer You-Tube-Aufnahme vom Mittwoch in Damaskus

          Die meisten Menschen sollen bei einem Angriff der Regierungstruppen in dem Damaszener Viertel Sajjida Seinab getötet worden sein. Nach Gefechten auf den Feldern, die an das Viertel Al-Messe in Damaskus anschließen, eine große Zahl von Zivilisten geflüchtet, hieß es auch aus diesen Quellen.

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          Am Mittwoch waren bei einem Anschlag auf die syrische Führung der Verteidigungsminister, Assads Schwager und ein hochrangiger Militär getötet worden. Nach Angaben aus offiziellen Kreisen befehligte Assad von seinem Palast in Damaskus den Einsatz der Regierungstruppen. In Kreisen der Opposition hieß es dagegen, der Staatschef habe sich nach Latakia am Mittelmeer zurückgezogen. Ein besonderes Augenmerk sei darauf gerichtet, wie Assad die Befehlswege nach dem Verlust seiner drei wichtigsten Gefolgsleute aufrecht erhalte. „Der Anschlag gestern war ein schwerer, aber kein tödlicher Schlag“, sagte ein Diplomat der Nachrichtenagentur Reuters.

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