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Suha Arafat : Die Witwe streitet um ihre Apanage

  • Aktualisiert am

Suha Arafat mit ihrem Mann im Frühjahr 1993 in ihrem Haus in Tunis Bild: dpa/dpaweb

Eine blonde Frau im blauen BMW: So fuhr Arafats 34 Jahre jüngere Ehefrau durch Gaza. Von den Palästinensern wurde sie nie akzeptiert. Die letzten vier Jahre, in denen Arafat in Ramallah quasi gefangen war, führte sie in seiner Pariser Wohnung ein gutes Leben.

          Mit dem Zustand Arafats ist in diesen Tagen vermehrt von Suha Arafat die Rede.

          Seit Beginn der zweiten Intifada Ende 2000 war sie nicht mehr in den besetzten Gebieten gewesen, sondern lebte in Paris, zunächst in der Wohnung ihrer Eltern, später in der zweiten Etage einer Arafat-Wohnung, in der sie sich über den kargen Zimmern der Sicherheitsleute ein frauliches Appartement einrichtete, mit ein bißchen Marmor und bunten Farben. Letzthin interessierte sich die Pariser Staatsanwaltschaft für ihren Geldbeutel. Aber sonst hörte man wenig von der 41 Jahre alten Suha.

          Vorbei sind die Jahre, in denen sie an Heiligabend in der Weihnachtskirche von Bethlehem ihren 34 Jahre älteren Mann vertrat. Sicherheitsleute schoben sie da in die erste Reihe, wo sie meistens kniend und mit Tochter Zahwa - benannt nach Arafats Mutter - auf dem Arm der Liturgie folgte, nicht ohne neugierig in die Menge zu schauen. Nach dem Gottesdienst noch einige Gespräche mit den Leuten in den ersten Reihen, privat und ganz normal - schon war sie wieder weg zum nächsten Termin.

          „Ich heiratete einen Mythos“

          Suha Arafat wollte nicht nur „Dekoration“ ihres Mannes sein. Man weiß noch nicht einmal, ob sie diesen Mann wirklich heiraten wollte. Es soll ihre Mutter Raymonda Tawil, eine emanzipierte Journalistin aus bestem Haus, gewesen sein, die sie in Arafats Nähe brachte und nach Tunis in dessen Büro gehen hieß. Dort forderte sie dann den PLO-Chef, der eigentlich „nur mit der palästinensischen Nation verheiratet“ sein wollte, telefonisch auf, ihre Tochter nicht nur anzuschauen, sondern auch zu heiraten. So will es das Gerücht.

          Die Katholikin Suha wurde dafür Muslimin. „Ich heiratete einen Mythos“, sagte sie später. „Unsere Heirat aber half ihm, von seiner Höhe herabzusteigen und ein Mensch zu werden.“ Allabendlich soll der Vater die Tochter in Paris angerufen haben, um den Kontakt nicht zu verlieren. Doch die Eheleute gingen verschiedene Wege.

          „Ich hasse die Israelis“

          Er hat zwar reichlich Geld; sie aber verbraucht es auch. Um hohe Summen soll es gehen, wenn sie jetzt die Autonomiebehörde auffordert, ihre Apanage als Präsidentenwitwe weiterzuzahlen und einen Anteil an Arafats Erbe zu erhalten. Arafat konnte ein Mann der Mäßigung sein. Suha aber machte zum Beispiel aus ihrem Israel-Haß nie ein Hehl: „Ich hasse die Israelis“, sagte sie einmal in einem Gespräch mit der BBC. „Ich bin gegen eine Normalisierung.“ 1999 warf sie Israel im Gespräch mit Hillary Clinton vor, es „vergifte das palästinensische Wasser und die Luft“. Selbstmordanschläge hieß sie gut.

          Den PLO-Führern warf sie vor, sie wollten nicht nur nach Paris an Arafats Krankenbett kommen, sondern ihn „lebendig begraben“. Dabei gehe es dem PLO-Chef „gut“. So lebt Suha wohl knapp neben der Wahrheit in einem goldenen Käfig.

          Blonde Frau im blauen BMW

          In Ramallah und Nablus im Haus eines Bankkaufmanns und einer Journalistin aufgewachsen, konnte sie noch an der Sorbonne „internationale Beziehungen“ studieren, bis sie, gerade einmal zwanzig Jahre alt, zum Opfer der palästinensischen Geschichte wurde. Die palästinensische „Straße“ akzeptierte die blonde Frau im blauen BMW, die da eigenhändig durch die Gassen von Gaza raste, um behinderten Kindern ein wenig zu helfen, nie. Neben ihrem als Einzelkind aufwachsenden Töchterchen hat sie nun bald nichts mehr außer dem Mythos, an der Seite eines Mythos die schönsten Jahre ihres Lebens allein gewesen zu sein.

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