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Südsudan : Der jüngste Staat der Welt

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Unter dem Jubel Tausender Menschen wurde die Flagge des Südsudans gehisst Bild: dapd

Die Welt hat mit Südsudan einen neuen Staat. Die Teilung vom Norden ist offiziell vollzogen. Parlamentspräsident Igga verlas die Unabhängigkeitserklärung und der neue Präsident Kiir unterzeichnete die Übergangsverfassung. Schon seit Mitternacht wird in den Straßen der neuen Hauptstadt Juba gefeiert.

          Tanzend ziehen die Menschen durch die Straßen der Hauptstadt Juba. Feuerwerksraketen steigen in den Himmel. Die Menschen schwenken Fahnen und fahren hupend mit ihren Autos durch die Stadt. In Sprechchören feiern sie die Befreiungsbewegung SPLM - sie hatte bis 2005 gegen den Norden gekämpft und dominiert nun die neue Regierung. „Endlich frei!“, ruft ein Passant. „Vom Norden loszukommen ist die vollkommene Freiheit!“ Männer und Frauen, die aus der Mitternachtsmesse in einer Kirche kommen, gratulieren einander: „Alles Gute zum Geburtstag!“ Schlag Mitternacht ist die Republik Südsudan der jüngste Staat der Welt.

          Offiziell wurde die Teilung vom Norden am Samstagvormittag vollzogen: James Wani Igga, der Präsident des südsudanesischen Parlaments, verlas in Juba die Unabhängigkeitserklärung: „Wir, die demokratisch gewählten Vertreter des Volkes erklären den Südsudan auf der Grundlage des Willens der Bevölkerung und des Ausgangs des Referendums zur Unabhängigkeit hiermit zu einer unabhängigen und souveränen Nation.“ Unter dem Jubel Tausender Menschen wurde danach die sudanesische Fahne eingeholt und die Flagge des Südsudans gehisst. Nun wehen die Farben Schwarz, Rot, Grün, Weiß und der gelbe Stern auf blauem Grund. Anschließend legte der Präsident des neu ausgerufenen Staates Salva Kiir seinen Amtseid ab und setzte seine Unterschrift unter die Übergangsverfassung. Er erklärte, er werde „dem Wohlergehen des südsudanesischen Volkes“ dienen.

          An den Unabhängigkeitsfeierlichkeiten in Juba, der Hauptstadt des neuen Landes, nahm - neben UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sowie zahlreichen Staats- und Regierungschefs aus aller Welt - auch der sudanesische Präsident Omar al Baschir teil, der wegen Kriegsverbrechen in Darfur mit internationalem Haftbefehl gesucht wird. Deutschland wird durch den Afrika-Beauftragten des Auswärtigen Amtes, Walter Lindner, vertreten.

          Feiern gemeinsam: Südsudans Präsident Kiir und der sudanesische - und mit internationalem Haftbefehl gesuchte - Präsident Baschir

          Merkel sagt Unterstützung zu

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte der neuen Republik die Unterstützung Deutschlands zu. Sie bezeichnete die Staatsgründung als einen „ganz besonderen Tag für Afrika“. Im UN-Sicherheitsrat, in dem Deutschland zurzeit den Vorsitz hat, werde das Thema Sudan ganz oben auf der Tagesordnung stehen, sagte sie in ihrer wöchentlichen Videobotschaft im Internet. „Denn wir wollen, dass mit dem Nord- und mit dem Südsudan zwei stabile Staaten entstehen. Und der Südsudan braucht insbesondere unsere und die Unterstützung der gesamten Staatengemeinschaft.“

          Nach einem mehr als 20 Jahre währenden Bürgerkrieg hatte sich die Bevölkerung im Süden per Volksabstimmung für eine Loslösung vom Norden entschieden. Die Regierung in Khartum im Norden war die erste, die den neuen Staat anerkannt hat - schon Stunden bevor die Teilung des bis dahin größten Staates in Afrika offiziell vollzogen war.

          Doch über die Spannungen darf das nicht hinwegtäuschen: Viele Probleme bleiben ungelöst. Der Bürgerkrieg hat tiefe Wunden gerissen - mindestens zwei Millionen Menschen kamen dabei ums Leben. Der Südsudan ist unterentwickelt - auch wenn es dort viel Erdöl gibt. Drei Viertel der bekannten Ölvorkommnisse im früher ungeteilten Sudan liegen im neuen Staat. Der Republik Sudan im Norden gehen nun immense Einnahmen verloren. Die einzige Pipeline führt durch den Norden, dort liegt auch der Exporthafen für das Öl. Der Norden hat mit einer Blockade gedroht, sollte der Süden nicht genug für die Nutzung der Ölleitung zahlen. Ungeklärt ist auch der Status der Südsudanesen im Norden.

          Mit 619.745 Quadratkilometern ist das neue Land Südsudan künftig so groß wie Spanien und Portugal zusammen. Rund acht Millionen Menschen leben in dem Gebiet.

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