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Südostasien : Gewalt in Osttimor: „Jeder kämpft gegen jeden“

  • Aktualisiert am

Osttimor: Die Gewalt eskaliert Bild: REUTERS

In Osttimor sind die schwersten Unruhen seit Jahren ausgebrochen. Bewaffnete Banden zogen plündernd und brandschatzend durch die Hauptstadt Dili. Die internationale Eingreiftruppe zeigte sich überfordert.

          In Osttimor sind ungeachtet der Stationierung von Hunderten Soldaten einer internationalen Eingreiftruppe die schwersten Unruhen seit der Unabhängigkeit vor vier Jahren ausgebrochen.

          Die mehr als 1000 Soldaten aus Australien, Neuseeland und Malaysia seien nicht in der Lage gewesen, dem gewalttätigen Mob Einhalt zu gebieten, berichteten australische Fernsehsender. Bewaffnete Banden zogen plündernd und brandschatzend durch die Hauptstadt Dili. Rivalisierende ethnische Gruppen nutzten die seit Wochen instabile Lage in Osttimor und beglichen alte Rechnungen, sagte ein Mitarbeiter der Vereinten Nationen dem australischen Rundfunksender ABC. Ein katholischer Priester sprach vom „absoluten Wahnsinn“. „Der Osten kämpft gegen den Westen, Soldaten gegen Soldaten, Polizisten gegen Soldaten, jeder gegen jeden.“

          UN ziehen ihre Mitarbeiter ab

          Mehr als 50.000 Menschen flohen aus der Hauptstadt Dili in die umliegenden Berge, aber auch von dort waren immer wieder Gewehrfeuer und Explosionen zu hören. Die UN ordnete angesichts der Gewalt den Abzug von 350 Mitarbeitern an. Außenminister Jose Ramos Horta gestand ein, daß die öffentliche Ordnung vollkommen zusammengebrochen sei.

          Menschen in Angst

          Seit Donnerstag waren die Soldaten aus Australien, Neuseeland und Malaysia auf der Inselhälfte gelandet, um der eskalierenden Gewalt Einhalt zu gebieten. Die Regierung in Dili hatte um ihre Entsendung gebeten. Zunächst hatten sich Regierungstruppen und rebellierenden Soldaten Gefechte geliefert. Inzwischen heißt es in Berichten, beide Seiten hätten Waffen an Milizen ausgehändigt, die nun eine Art Stellvertreterkonflikt austrügen. Über das Wochenende sollen weitere Soldaten der Eingreiftruppe landen.

          Auslöser der Unruhen war die Entlassung von 600 Soldaten, die zuvor in den Streik getreten waren. Sie werfen der Regierung Diskriminierung vor, da sie angeblich wegen ihrer Herkunft aus dem Westen des Landes bei Beförderungen übergangen worden seien. In den vergangenen Wochen war es deshalb immer wieder zu Unruhen gekommen. Das 600 Kilometer nördlich von Australien gelegene Osttimor hatte sich vor vier Jahren nach langem Unabhängigkeitskampf von Indonesien gelöst. Die frühere portugiesische Kolonie gehört heute zu den ärmsten Ländern der Welt.

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