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Südossetien : Unabhängigkeit an Moskaus Nabelschnur

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Russland und Südossetien sind politisch und wirtschaftlich so eng verflochten wie noch nie. Bild: dpa

Das abtrünnige Südossetien, das seit dem Beginn der neunziger Jahre zwei heiße Kriege und einen langen kalten Krieg durchlebt hat, treibt seine Loslösung von Georgien voran. Dabei stört es die Machthaber nicht, dass neue Abhängigkeiten von Moskau drohen.

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          Alle Wege nach Südossetien führen über Russland. Das gilt für die Politik, denn Russland ist die Schutzmacht dieser von Georgien abtrünnigen Provinz, die nach dem Vorbild des Kosovo ein international anerkannter Staat werden will und auf die Unterstützung Moskaus angewiesen ist. Wirtschaftlich ist das Gebiet zwischen dem Kaukasus im Norden und der Fernstraße von der georgischen Hauptstadt Tiflis nach Stalins Geburtsdort Gori im Süden ebenfalls von Moskau abhängig. Ohne die finanzielle Hilfe der Russen kann der Wiederaufbau des von der Staatengemeinschaft isolierten Südossetiens nicht gelingen, das seit dem Beginn der neunziger Jahre zwei heiße Kriege und einen langen kalten Krieg mit Georgien durchlebt hat, und dessen Hauptstadt Zchinwali auch ein Jahr nach dem jüngsten Krieg in manchen Stadtteilen noch immer ein Trümmerfeld ist. Welche Trümmer aus dem ersten und welche aus dem zweiten stammen, ist nicht immer leicht zu unterscheiden und die Einheimischen schweigen am liebsten darüber.

          Bislang liefert der Feind

          Viele Südosseten sind vor Krieg und Armut geflohen und leben jetzt in der Russischen Föderation – meist in der russischen Teilrepublik Nordossetien. Oder sie pendeln zwischen Wladikawkas im Norden und dem Süden hin und her. Das Geld, das sie im Norden verdienen, hilft den Verwandten im Süden zu überleben. Auf der Straße, über die im vergangenen August russische Panzer durch den Roki-Tunnel nach Südossetien ein- und bis kurz vor Tiflis vorrückten, gelangen heute lebenswichtige Waren und Ausrüstungsgüter aus Russland ganz offiziell über den Kamm des Kaukasusgebirges nach Zchinwali, in den gesamten Süden. Zugleich werden entlang dieser Straße in abenteuerlichen Windungen Röhren für eine Erdgasleitung verlegt. Der russische Staatskonzern Gasprom führt Regie und zahlt. Bis zum Herbst sollen der Strang aus dem Süden und der aus dem Norden in gut 3000 Meter Höhe im Gebirge zusammengeführt werden.

          Eduard Kokojty führt das Land als De-facto-Präsident autokratisch.

          Wenn die letzte Schweißnaht am Roki-Pass ausgeführt ist, sind die Südosseten ihrem Ziel der wirtschaftlichen Unabhängigkeit von Georgien einen entscheidenden Schritt näher, denn bislang liefert der Feind, Georgien, trotz Krieg und der Hassgefühle auf beiden Seiten Erdgas, das es selbst aus Russland bezieht, nach Südossetien. Dass es sich nur um eine von Russland alimentierte Unabhängigkeit von Georgien handeln würde, und neue Abhängigkeiten drohen, stört weder die Regierung von Eduard Kokojty, der als De-facto-Präsident das Land autokratisch führt, noch die Opposition. Die hält Kokojty zwar für einen Schurken, weil er sich an der russischen Wiederaufbauhilfe persönlich bereichere. Aber seinen außenpolitischen Kurs unterstützt sie. Der Vorsitzende der oppositionellen Vaterlandspartei Fidibasta, Wjatscheslaw Gobosow, der zu den politischen Pendlern zwischen Nord- und Südossetien gehört, und vor der Parlamentswahl am Wochenende mit fadenscheinigen Tricks ausgebootet wurde, unterstreicht diese außenpolitische Übereinstimmung. Selbstverständlich auch der Vorsitzende der Partei Einheit, einer südossetischen Kopie der Kremlpartei Einiges Russland.

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