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Südkoreas Präsident : Nordkorea verzichtet auf Forderung nach Abzug amerikanischer Truppen

  • Aktualisiert am

Südkoreanische und amerikanische Soldaten posieren am 3. April 2018 für ein Foto an der Küste von Pohang, 374 Kilometer südöstlich von Seoul. Bild: EPA

Vor dem Treffen der beiden koreanischen Präsidenten im Grenzort Panmunjom mehren sich die Zeichen der Entspannung aus Pjöngjang. Machthaber Kim Jong-un will nun offenbar sogar über nukleare Abrüstung reden.

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          Nordkorea verzichtet auf seine Forderung eines Abzuges amerikanischer Streitkräfte aus Südkorea. Das sagte Südkoreas Präsident Moon Jae-in am Donnerstag laut Angaben des amerikanischen Nachrichtensenders CNN. Der Abzug des Militärs galt bislang als eine der größten Hürden für den innerkoreanischen Friedensprozess und als Bedingung für Gespräche über nukleare Abrüstungsgespräche.

          Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un hatte im Frühjahr schon einmal Flexibilität bewiesen, als er gegen amerikanisch-südkoreanische Militärmanöver keine Einwände erhob. Sollte er nun, wie Moon es sagt, tatsächlich auf die Forderung nach einem amerikanischen Truppenabzug verzichten, könnte er damit an eine Idee seines Vaters anknüpfen. Von Kim Jong-il ist bekannt, dass er gegenüber Südkorea schon einmal erklärt hatte, eine amerikanische Truppenpräsenz akzeptieren zu können. Als Bedingung hatte er seinerzeit gemacht, dass sie der Friedenssicherung dienen müssten.

          Vor seinem Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat sich  Moon Jae-in am Donnerstag optimistisch gezeigt, dass es zwischen beiden Regierungen zu einem Abkommen zum kompletten Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms kommen könnte. „Nordkorea hat seinen Willen zur vollständigen Denuklearisierung geäußert“, sagte Moon laut seinem Büro bei einem Treffen mit Führungskräften einheimischer Medien. „Was sie wollen, ist ein Ende der feindseligen Politik, gefolgt von einer Sicherheitsgarantie.“

          Amerikas Donald Trump geht davon aus, in den kommenden Wochen Kim Jong-un zu treffen – knüpft aber Bedingungen an die Begegnung. Es werde alles dafür getan, um das Treffen zu einem „weltweiten Erfolg“ zu machen, sagte Trump am Mittwochabend (Ortszeit) vor Medien in seinem Domizil in Mar-a-Lago im amerikanischen Bundesstaat Florida. Wenn das Treffen aber nicht fruchtbar zu werden verspreche, werde er es „voller Respekt verlassen“.

          Die kommunistische Regierung Nordkoreas hat bisher die Entwicklung von Atomwaffen auch als Maßnahme zur Selbstverteidigung bezeichnet. Amerika wurde lange vorgeworfen, mit gemeinsamen großangelegten Militärübungen mit dem Verbündeten Südkorea einen Angriff vorzubereiten. Das hatten Seoul und Washington stets bestritten.

          Moon will am Freitag nächster Woche mit Kim im Grenzort Panmunjom über die Denuklearisierung und die Bedingungen für einen dauerhaften Frieden auf der koreanischen Halbinsel sprechen. Dabei soll das Waffenstillstandabkommen, das nach wie vor seit dem Ende des Korea-Kriegs (1950-53) gültig ist, schließlich durch ein neues Friedenssystem ersetzt werden.

          Auf das Gipfeltreffen hatten sich beide Länder im Zuge ihrer Annäherung seit Anfang dieses Jahres geeinigt. An diesem Freitag soll nach Angaben von Moons Büro eine direkte Kommunikationsverbindung (“Heißer Draht“) zwischen Moon und Kim eingerichtet werden.

          Dank der Gipfel sollte es nicht schwierig sein, eine Einigung über die Normalisierung der Beziehungen Südkoreas und der Vereinigten Staaten mit Nordkorea zu erzielen, sagte Moon. „Das Fernziel der Denuklearisierung und der Friedensvereinbarungen ist der gemeinsame Wohlstand beider Koreas.“ Einschränkend sagte Südkoreas Staatspräsident, die Treffen mit Kim seien ein neuer Beginn. „Ich denke nicht, dass alles auf einmal gelöst werden kann.“

          Trump sagte zu einem Treffen mit Kim: „Es ist ein historischer Moment, und möglicherweise sogar mehr als das – wenn es denn klappt.“ Er hoffe, dass Süd- und Nordkoreaner in Sicherheit, Frieden und Wohlstand zusammenleben könnten. Außerdem setzten sich die Vereinigten Staaten unablässig dafür ein, drei in Nordkorea festgehaltene Amerikaner freizubekommen.

          „Wir haben mit Nordkorea viel hinter uns“, sagte Trump. Frühere Präsidenten hätten das Problem lösen müssen. Erneut dankte Trump Chinas Präsidenten Xi Jinping für dessen Einsatz in der Korea-Frage. Trump hatte zuletzt als möglichen Zeitraum für seine Gespräche mit Kim Anfang Juni genannt.

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