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Internationale Polizeibehörde : Südkoreaner wird neuer Chef von Interpol

  • Aktualisiert am

Neuer Interpol-Präsident: Der Südkoreaner Kim Jong-yang Bild: AP

Kim Jong-yang aus Südkorea leitet nach massiver Werbung durch den amerikanischen Außenminister die internationale Polizeibehörde. Russland hatte schon vor der Wahl die Einmischung beklagt.

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          Der Südkoreaner Kim Jong-yang wird Interpol-Präsident, wie die Organisation am Mittwoch auf Twitter mitteilte. Er wurde bei der Jahrestagung der internationalen Polizeiorganisation nach Angaben vom Mittwoch für zwei Jahre gewählt. Der 57 Jahre alte Kim hatte die Organisation übergangsweise in den vergangenen Wochen geleitet, nachdem sein Vorgänger Meng Hongwei bei einer Reise nach China verschwunden war. Die Regierung in Peking bezichtigt Meng der Korruption und leitete Ermittlungen wegen der mutmaßlichen Annahme von Schmiergeld und weiterer Gesetzesverstöße ein.

          Die chinesische Führung unter Präsident Xi Jinping hat der Korruption den Kampf angesagt. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche einst unantastbare Mitglieder der Kommunistischen Partei, der Regierung, des Militärs und Mitarbeiter staatlicher Unternehmen im Zuge der Kampagne verurteilt. Meng wurde im November 2016 Interpol-Präsident. Die Personalie gehörte zu den Bemühungen Chinas, mehr Schlüsselpositionen in internationalen Organisationen zu besetzen, um Prestige und Einfluss in der Welt zu stärken.

          Nach seiner Wahl sagte Kim Jong-yang: „Unsere Welt steht bisher beispiellosen Veränderungen gegenüber, die riesige Herausforderungen für die öffentliche Sicherheit bereithalten“. Diesen müsse man mit einer klaren Vision für die Zukunft begegnen. Der neue Präsident ist bekannt dafür, international bestens vernetzt zu sein. Seine Karriere hatte ihn 2007 nach Los Angeles geführt, wo er im Generalkonsulat Südkoreas arbeitete. 2011 leitete er das Büro für auswärtige Angelegenheiten der nationalen Polizeiagentur.

          Im Jahr 2013 wiesen südkoreanische Medien ihm allerdings nach, Teile seiner zehn Jahre zuvor verfassten Doktorarbeit abgeschrieben zu haben. In einem Artikel der südkoreanischen Tageszeitung „Hankyoreh“ räumte Kim Jong Yang diesbezüglich Fehler ein.

          Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) begrüßte die Wahl und gratulierte Kim. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte: „Wir sind überzeugt, dass Kim Jong Yang eine gute Wahl ist“.

          Kim setzte sich gegen einen russischen Mitbewerber durch

          Favorit für die Nachfolge war eigentlich der Russe Alexander Prokoptschuk, der seit 2016 Vize-Präsident der internationalen Polizeiorganisation ist. Amerikanische Senatoren, aber auch die Ukraine und Litauen warnten vor seiner Wahl. Der amerikanische Außenminister Mike Pompeo hatte offensiv für Kim Jong-yang, der seit dem Rücktritt des bisherigen Chefs bereits übergangsweise an der Spitze von Interpol steht, geworben. Russland warf den Vereinigten Staaten vor, die Abstimmung beeinflussen zu wollen.

          Interpol koordiniert die internationale Zusammenarbeit der Polizei und dient dem Austausch von Informationen, zum Beispiel über Haftbefehle. Die tägliche Arbeit am Sitz in Lyon in Frankreich wird vom Generalsekretär geleitet. Das ist seit 2014 Jürgen Stock, ehemals Vize des Bundeskriminalamtes (BKA). Der Präsident leitet dagegen die Generalversammlung der Mitgliedsstaaten und überwacht die Arbeit des Generalsekretariats. An der 87. Generalversammlung nehmen Interpol zufolge knapp 1000 Delegierte aus 173 Ländern teil.

          Pompeo hatte am Dienstag in Washington eindringlich dafür geworben, Kim zum dauerhaften Interpol-Chef zu machen. Interpol sei eine wichtige Organisation. „Wir ermuntern alle Länder und Organisationen, die Interpol angehören und für Rechtsstaatlichkeit stehen, einen Leiter mit Glaubwürdigkeit und Integrität zu wählen“, mahnte er. „Wir glauben, dass Herr Kim genau das sein wird.“ Amerikanische Senatoren hatten in einem Brief an den Präsidenten Donald Trump und die Interpol-Mitglieder gewarnt, sollte der 57 Jahre alte Polizeigeneral Prokoptschuk an die Spitze des Exekutivkomitees treten, werde er die Organisation zugunsten der Kreml-Politik missbrauchen. Kremlsprecher Dmitri Peskow erwiderte daraufhin, die Vereinigten Staaten versuchten hier, „sich in einen Wahlprozess einzumischen“.

          Aber auch in anderen Ländern gab es Kritik an der russischen Personalie. Die Ukraine drohte damit, die „Stilllegung ihrer Mitgliedschaft“ in Betracht ziehen. Innenminister Arsen Awakow bezeichnete eine mögliche Leitung der Organisation durch einen Russen als absurd. Sie widerspräche „Geist und Zielen der Organisation“.

          Auch Litauens Parlament nannte dessen mögliche Wahl „einen enormen Schaden für den Ruf der Organisation und das Vertrauen in deren rechtliche Neutralität“. Die Abgeordneten drohten mit einem Austritt aus der Polizeiorganisation, der 194 Staaten angehören.

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