https://www.faz.net/-gpf-9vivk

Seoul und Washington uneins : Streitpunkt Nordkorea-Tourismus

Kim Jong-un zu Besuch am Berg Kumgang: Die dortigen Hotelanlagen nannte er einen Schandfleck. Bild: AP

Moon Jae-in will südkoreanischen Individualtourismus nach Nordkorea zulassen, um so die Abrüstungsgespräche wieder in Gang zu bringen. Dass die Vereinigten Staaten auf ihre Einbindung pochen, sorgt für Verstimmung.

          1 Min.

          Verdeckte Differenzen zwischen Südkorea und den Vereinigten Staaten über den richtigen Umgang mit Nordkorea sind am Freitag aufgebrochen. Ein Vertreter des Präsidialamtes in Seoul wies Bemerkungen des amerikanischen Botschafters Harry Harris als „sehr unangemessen“ zurück und betonte, dass die innerkoreanische Zusammenarbeit eine Sache sei, die von der koreanischen Regierung entschieden werde.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Hintergrund der harschen Reaktion ist die Idee des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in, mit der Zulassung von südkoreanischem Individualtourismus nach Nordkorea eine Annäherung zu fördern. Moon will so die Gespräche über die nukleare Abrüstung des Nordens wieder in Gang bringen. Anfang der Woche hatte er in seiner Neujahrspressekonferenz geäußert, dass Individualreisen nach Nordkorea nicht den Sanktionen der Vereinten Nationen (UN) unterlägen.

          Botschafter Harris empfahl später dazu Südkorea vor Journalisten, solche Vorschläge durch eine amerikanisch-koreanische Arbeitsgruppe laufen zu lassen, um spätere Missverständnisse zu vermeiden, die zu Sanktionen führen könnten.

          Will eine Arbeitsgruppe für die Tourismus-Frage: der amerikanische Botschafter in Südkorea, Harry Harris

          Individualreisen nach Nordkorea sind zwar trotz der Sanktionen gegen das Land möglich, Touristen-Mitbringsel könnten aber gegen UN-Sanktionen verstoßen. Moons Bemühen um Wandel in Nordkorea durch Annäherung steht in Kontrast zur amerikanischen Linie harter Sanktionen. Südkorea und Amerika streiten seit Wochen ferner darum, wie viel Geld Südkorea für die Stationierung amerikanischer Soldaten im Land beitragen soll.

          Nordkorea lässt Moons Vorschläge für eine innerkoreanische Zusammenarbeit seit langem ins Leere laufen und verspottet ihn dafür. Beobachter in Seoul sehen darin das Bestreben Nordkoreas, einen Spalt zwischen Seoul und Washington zu treiben. Mit der Idee südkoreanischer Individualreisen in den Norden versucht Moon nun, einen Kontrapunkt zu einem Ultimatum Pjöngjangs zu setzen.

          Blick auf Berge, auch von innen: die Hotelanlage am Berg Kungang

          Nordkorea hat Südkorea aufgefordert, bis Ende Februar Hotelanlagen am Berg Kumgang auf nordkoreanischem Grund abzubauen, nachdem Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un diese als Schandfleck bezeichnet hatte. Die Anlagen waren einst Symbol der Annäherung. Seitdem 2008 ein grenzüberschreitendes Tourismusprogramm eingestellt wurde, liegen sie brach.

          Einst als Zeichen der Annäherung gedacht: Nordkorea hat Südkorea aufgefordert, bis Ende Februar Hotelanlagen am Berg Kumgang auf nordkoreanischem Grund abzubauen.

          Weitere Themen

          Keine neuen Forderungen

          Nach Terror in Hanau : Keine neuen Forderungen

          Gerade erst hat die Bundesregierung ein Maßnahmenpaket gegen Rechtsextremismus beschlossen, und schon kommt der nächste Anschlag. Was können Politiker da noch tun? Die Minister bleiben ruhig.

          Bundesanwaltschaft hatte Kontakt zu Attentäter Video-Seite öffnen

          Strafanzeige des Attentäters : Bundesanwaltschaft hatte Kontakt zu Attentäter

          Der Attentäter von Hanau war der Bundesanwaltschaft schon länger bekannt. Der Mann stellte nach Angaben von Generalbundesanwalt Peter Frank im November eine Strafanzeige an die Behörde. Dabei sei es um eine „unbekannte geheimdienstliche Organisation“ gegangen.

          Topmeldungen

          Matthew McCarthy ist Vorstandschef von Ben & Jerry‘s: Der Eishersteller malt den Kunden in seiner Werbung eine heile Welt aus.

          Eishersteller Ben & Jerrys : Politik an der Eistheke

          Die amerikanische Eismarke Ben & Jerry’s wurde einst von Hippies gegründet – seit jeher haben faire Bezahlung und nachhaltige Produktion Priorität. Heute kämpft der Chef Matthew McCarthy gegen Präsident Donald Trump.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.