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Südkorea : Kim Dae-jung ist tot

  • -Aktualisiert am

10. Dezember 2000: Kim erhält in Oslo den Friedensnobelpreis Bild: dpa

Der frühere südkoreanische Präsident und Friedensnobelpreisträger Kim Dae-jung ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Als „Mandela Ostasiens“ wurde Kim auch im Ausland gefeiert. Seine „Sonnenschein-Politik“, deren Vorbild Willy Brandt war, blieb jedoch umstritten.

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          Als Kim Dae-jung im Jahr 2000 den Friedensnobelpreis entgegen nahm, brach der Preisträger aus Südkorea eine Lanze für die Demokratie in Asien. Immer wieder habe man ihm vorgehalten, dass die Demokratie für Asien nicht passe. Aber es stimme nicht, sagte Südkoreas Präsident, dass Asien die Wurzeln für eine Demokratie fehlten. Schon lange vor dem Westen hätten Denker in Asien Konzepte hervorgebracht, die einen fruchtbaren Boden für die Demokratie darstellen könnten.

          Kim Dae-jung war ein erfolgreicher Kämpfer für die Demokratisierung in Korea und eine Symbolfigur für die Demokratisierung in Ostasien. Jahrzehntelang hat er sich für die Demokratie in seiner Heimat Südkorea engagiert. Er war ein überaus beharrlicher und idealistischer Politiker, dem der Aufstieg ins Präsidentenamt aus einer langen Zeit in der Opposition und des Kampfes gegen die Militärdiktatur in Südkorea gelang. Weder Verfolgung durch die Geheimdienste noch ein Mordversuch, weder lange Haftstrafen noch Zeiten des Hausarrests und der Verbannung ins Exil hatten ihn von seinem politischen Engagement abbringen können. Obwohl die Strapazen der Haftzeit seine Gesundheit angegriffen und Attacken ihm eine Gehbehinderung zugefügt hatten, gab Kim Dae-jung nicht auf. Als „Mandela Ostasiens“ wurde er auch im Ausland gefeiert.

          Willy Brandt war sein Vorbild

          Das norwegische Nobelpreiskomitee zeichnete Kim Dae-jung für sein Engagement für die Demokratie in seinem Land, besonders aber für die Aussöhnung zwischen Nord- und Südkorea aus. Kurz vor der Preisverleihung war Kim zu einem historischen Gipfeltreffen nach Nordkorea gereist - es war das erste Mal seit dem Korea-Krieg, dass die Führer des Nordens und des Südens miteinander sprachen. Kim Dae-jung und Kim Jong-il vereinbarten eine Politik der friedlichen Koexistenz und kündigten eine Entspannungspolitik und vertrauensbildende Maßnahmen an.

          12. März 2001: Der „Mandela Ostasiens” mit Nelson Mandela
          12. März 2001: Der „Mandela Ostasiens” mit Nelson Mandela : Bild: AFP

          Der historische erste innerkoreanische Gipfel war das Ergebnis der „Sonnenschein-Politik“ Kim Dae-jungs, die er nach seiner Wahl zum Präsidenten im Jahr 1997 begonnen hatte. Anders als seine Amtsvorgänger wollte Kim Dae-jung im Verhältnis zum kommunistischen Nachbarn Wandel durch Annäherung erreichen. Statt auf Drohungen und Abschottung setzte er auf Gespräche und Wirtschaftshilfe für den kommunistischen Norden. Sein Vorbild war dabei Willy Brandt. Dessen Entspannungspolitik wollte er auch in Korea umsetzen. Ähnlich wie Brandts Ostpolitik war aber auch Kim Dae-jungs Sonnenschein-Politik im eigenen Land nicht unumstritten. Kritiker bemängelten, dass dem kommunistischen Staat zu viele Zugeständnisse und Geschenke für zu wenig Gegenleistungen gemacht wurden.

          Kim Dae-jung ließ sich von Kritik nicht beirren. Er war ein beharrlicher Politiker, der an seinen Zielen festhielt. Kim wurde im Jahr 1925 als zweites von sieben Kindern in eine Bauernfamilie geboren. Er arbeitete zunächst in einer Reederei, dann als Zeitungsverleger. Im Jahr 1961 wurde der Katholik erstmals in das südkoreanische Parlament gewählt und macht sich einen Namen als Oppositionsführer. Im Jahr 1971 gewann er die Präsidentenwahl gegen Park Chung-hee, der jedoch nicht die Absicht hatte, die Macht aufzugeben. Bevor Park das Kriegsrecht verhängen ließ, floh Kim zunächst nach Japan und leitete dann die Oppositionsbewegung gegen Diktator Park von den Vereinigten Staaten aus.

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