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Südkaukasus : Gewalteskalation zwischen Armenien und Aserbaidschan

Überreste eines aserbaidschanischen Militärhubschraubers im Gebiet Nagornyj Karabach Bild: AP

Der Konflikt zwischen den Kaukasusrepubliken Armenien und Aserbaidschan flammt wieder auf. Bei den schwersten Gefechten seit vielen Jahren gab es etliche Tote.

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          Im Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan kommt es seit der Nacht auf Samstag zur schwersten Eskalation der Gewalt seit Jahren. Bei Gefechten um das Gebiet Nagornyj Karabach werden laut Agenturberichten Panzer, schwere Artillerie und Kampfhubschrauber eingesetzt. Es gibt zahlreiche Tote, doch die Angaben sind nicht eindeutig: So erklärte das Verteidigungsministerium Aserbaidschans am Samstag, bei den Kämpfen seien zwölf eigene Soldaten und „mehr als 100 armenische Soldaten getötet und verletzt“ worden. Armenien sprach indes von 18 Toten und 35 Verletzten.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Die Kämpfe begannen nur Stunden nach Gesprächen der Präsidenten beider Länder mit dem amerikanischen Vizepräsidenten Joe Biden in Washington. Biden hatte Sersch Sarkisjan aus Armenien und Ilham Alijew aus Aserbaidschan am Freitag in Einzelgesprächen dazu aufgerufen, den Konflikt friedlich beizulegen. Er äußerte sich besorgt über die andauernden Zusammenstöße im Streit um Nagornyj Karabach. Dieser „gebirgige schwarze Garten“ im Südosten des Kleinen Kaukasus und einige umliegende Gebiete werden seit einem Krieg, der mit Zehntausenden Toten und Hunderttausenden Vertriebenen von 1988 bis 1994 währte, von Armenien kontrolliert, gehören aber weiterhin zu Aserbaidschan. Internationale Vermittlungsbemühungen in der Minsker Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), deren Vorsitz sich Russland, die Vereinigten Staaten und Frankreich teilen, haben bislang keine handfesten Ergebnisse gebracht.

          Ein zwölf Jahre alter Junge wird in Nagornyj Karabach in einer Klinik behandelt.
          Ein zwölf Jahre alter Junge wird in Nagornyj Karabach in einer Klinik behandelt. : Bild: AP

          Auch mit Blick auf die jüngsten Gefechte weisen Armenien und Aserbaidschan einander die Schuld zu. Die Regierung in Eriwan warf den aserbaidschanischen Streitkräften vor, an der gesamten Front eine große Offensive begonnen zu haben; die eigenen Streitkräfte seien unter heftiges Feuer genommen worden und gezwungen gewesen zu antworten. Das aserbaidschanische Verteidigungsministerium teilte dagegen mit, man habe lediglich auf massive Angriffe der armenischen Seite reagiert, auch Wohngebiete seien beschossen worden.

          Russlands Doppelrolle

          Unabhängige Berichte von der Front gibt es kaum; das Nachrichtenprotal „Kawkaskij Usel“ berichtete von einer „Reihe örtlicher Zusammenstöße“ mit unbekannten Folgen. Aserbaidschan hatte zunächst zurückgewiesen, dass armenische Kräfte einen Militärhubschrauber abgeschossen hätten. Später bestätigte das Verteidigungsministerium dann doch den Abschuss eines Kampfhubschraubers, eines russischen Modells vom Typ Mi-24. Zudem hatte das Ministerium mitgeteilt, zwölf aserbaidschanische Soldaten seien bei Kämpfen in Nagornyj Karabach getötet worden. Ein Panzer sei durch eine Mine zerstört worden. Man habe „mehr als hundert“ armenische Soldaten getötet oder verwundet, zudem sechs armenische Panzer und 15 Artilleriestellungen vernichtet sowie einige „strategisch bedeutende Höhen“ eingenommen und einige Siedlungen „befreit“. Die „erste Verteidigungslinie des Feindes“ sei „durchbrochen“.

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