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Südchinesische Meer : Unfallgefahr in der Badewanne

Konfliktgebiet: Das Südchinesische Meer Bild: AFP

Das Südchinesische Meer entwickelt sich immer mehr zur Konfliktzone zwischen China und den Philippinen. Die Lage wird instabil bleiben, solange China die Verwirrung um seine Territorialansprüche nicht auflöst.

          Im alten Chinesenviertel der philippinischen Hauptstadt Manila führt eine „chinesisch-philippinische Freundschaftsbrücke“ über einen Kanal. Doch um die angebliche Freundschaft ist es derzeit nicht gut bestellt. Zwischen den beiden Ländern gibt es Gezänk um territoriale und hoheitliche Rechte im Südchinesischen Meer oder, wie die Filipinos lieber sagen, dem Westphilippinischen Meer. In der Auseinandersetzung werden nicht mehr nur Anschuldigungen in der jeweiligen Presse und diplomatische Protestnoten ausgetauscht.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die Aufklärungsschiffe, Fischerkähne und Patrouillenboote der beiden Seiten kommen sich derzeit gefährlich nah. Und das ist nicht einmal der einzige Grund für die Unruhe in den asiatischen Gewässern. Ähnliche Auseinandersetzungen lieferte sich China auch wiederholt mit Vietnam. Die Regierungen in Hanoi und Manila haben sich deshalb stärker in Richtung Amerika orientiert. Während ihre Streitkräfte nun mit der amerikanischen Navy Übungen abhalten, trifft sich die Marine der Volksbefreiungsarmee im Ostchinesischen Meer mit den Russen zum Seemanöver.

          Badewanne der Großmächte

          Zwar behaupten alle Seiten, dass es sich nur um länger geplante Routineübungen handele. Doch wachsen die Bedenken, dass es zu einer Eskalation kommen könnte. Gemeinsam mit den Amerikanern probten die philippinischen Streitkräfte am Mittwoch sogar die Einnahme einer kleinen Insel im Südchinesischen Meer unweit eines der umstrittenen Seegebiete. Die Vorgänge erregten in Europa bislang nur geringe Aufmerksamkeit. Dabei könnte sich der Konflikt nach Ansicht des Brüsseler China-Wissenschaftlers Jonathan Holslag durchaus verschärfen. Die maritimen Randzonen in Ostasien entwickelten sich zu einer „Spielbadewanne“ der Großmächte, sagt Holslag. Die alte Macht Amerika und die neue Macht China treffen dort aufeinander wie nirgendwo sonst. Das Südchinesische Meer, über das ein erheblicher Teil des Welthandels abgewickelt wird und in dem es Öl, Gas und große Fischbestände gibt, hat strategische und wirtschaftliche Bedeutung. Washington hat die Navigationsfreiheit im Südchinesischen Meer deshalb zum „nationalen Interesse“ deklariert.

          Der Territorialstreit zwischen China und den Nachbarländern dreht sich dabei vor allem um die Spratly-Inseln, die von der Volksrepublik, den Philippinen und vier weiteren Ländern der Region ganz oder teilweise beansprucht werden. Vietnam und China erheben außerdem beide Ansprüche auf die Paracel-Inseln. In der jüngsten Auseinandersetzung zwischen den Philippinen und China ging es aber um ein anderes Grüppchen unbewohnter Inseln, Riffe und Atolle, das nicht weit von der philippinischen Küste liegt. Es ist als Scarborough-Riff bekannt und wird von China Huangyan-Insel genannt. Beide Länder reklamieren das Gebiet für sich. Der Konflikt verschärfte sich in den vergangenen zwei Wochen, nachdem die Marine der Philippinen dort chinesische Fischerboote aufgebracht hatte. Sie warf den Chinesen vor, Hoheitsrechte verletzt und seltene Korallen und andere geschützte Meerestiere illegal an Bord geschafft zu haben. Doch ein chinesisches Schiff verhinderte die Festnahme der Besatzung. Beide Seiten entsandten daraufhin Aufklärungs- und Patrouillenboote, die sich für einige Zeit scheinbar unversöhnlich gegenüberstanden.

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