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Folgen der Corona-Pandemie : Ein Sturm über Südafrika

Frische Gräber im Juli auf einem Friedhof in Johannesburg Bild: AFP

In Südafrika gibt es eine nächtliche Ausgangssperre. Denn auch einer der härtesten Lockdowns der Welt hat gegen Corona kaum geholfen. Noch immer steigen die Fallzahlen, fast die Hälfte der Menschen hat kein Geld für Lebensmittel.

          3 Min.

          Südafrikas Staatspräsident Cyril Ramaphosa wurde pathetisch, als er seinem Volk per Fernsehansprache die schlechte Botschaft verkündete. „Der Sturm ist über uns gekommen“, ließ er seine 56 Millionen Landsleute vor gut einer Woche wissen. Dann ging er über zu allerlei unpopulären Maßnahmen, mit denen die Regierung die Freiheit der Bürger einzuschränken gedachte: vor allem mit der Wiedereinführung einer nächtlichen Ausgangssperre und dem Verbot des Alkoholverkaufs. Selbst der Transport von Bier, Wein oder Spirituosen steht nun abermals unter Strafe.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Bereits Ende März hatte die vom Afrikanischen Nationalkongress geführte Regierung derart drastische Maßnahmen verhängt. Wochenlang durften die Bürger damals ihre Behausungen kaum verlassen. Damals sprach Ramaphosa von einem Krieg, den er dem Virus erklärt habe, und lief in Militäruniform durch die Gegend. Die Führung im Kampf gegen den unsichtbaren Feind wurde einem „Corona-Kommandorat“ übertragen.

          Distanzierung kaum möglich

          Viel genutzt hat das martialische Auftreten jedoch nicht. Wie sämtliche Länder der Erde hat Sars-CoV-2 irgendwann auch den Südzipfel des Kontinents erreicht – wenn auch mit Verspätung, was hauptsächlich daran liegt, dass das wirtschaftlich darbende Afrika abseits der weltweiten Hauptverkehrsrouten liegt. Mittlerweile registrierte Südafrika mehr als 300.000 Corona-Fälle und etwas mehr als 4500 Tote. Der Grund für die verhältnismäßig geringen Totenzahlen dürfte in der jungen Bevölkerung Südafrikas zu finden sein: Das Durchschnittsalter beträgt 27 Jahre. Anders als in Europa steigen in Südafrika die Fallzahlen jedoch noch an. Mehr als 13.000 Neuinfektionen wurden kürzlich jeden Tag registriert, alle zwei Wochen verdoppelt sich die Zahl der Infizierten derzeit. Der Höhepunkt der Corona-Welle wird für Mitte August erwartet.

          Dass die drastischen Maßnahmen der Regierung kaum eine positive Wirkung zeigten, verwundert kaum. Während in Südafrika einer der härtesten Lockdowns der Welt in Kraft war, ging in vielen Elendsgebieten des Landes das Leben weiter wie zuvor. In den dichtbesiedelten Townships, in denen jeder zweite südafrikanische Stadtbewohner lebt, ist soziale Distanzierung ebenso schlecht möglich wie in den bis auf den letzten Platz besetzten Minibussen. Nur wenige Menschen trugen hier den vorgeschriebenen Mundschutz und hielten Abstand.

          Um seine Befehle umzusetzen, schickte Ramaphosa mehr als 70.000 Soldaten auf die Straße. Die ohnehin schon angeschlagene Wirtschaft stürzte in den Abgrund. Die Kritik an den hektischen Maßnahmen von Präsident und Kommandorat – niemand weiß genau, wer derzeit das Sagen hat im Land – fällt deshalb heftig aus. Vernunftlos nannten selbst die sonst eher zurückhaltenden katholischen Bischöfe Südafrikas die Politik. Fassungslos verfolgt auch die Reiseindustrie das Treiben der Regierung. Während Tansania seine Grenzen wieder für den Tourismus geöffnet hat und Kenia dieselben Maßnahmen für Anfang August angekündigt hat, spricht die südafrikanische Regierung davon, dies erst im nächsten März zu tun.

          Freiwillige verteilen im Juli in Brapkan Hilfspakete
          Freiwillige verteilen im Juli in Brapkan Hilfspakete : Bild: AFP

          Eine jetzt veröffentlichte Studie mit dem sperrigen Titel „National Income Dynamics Coronavirus Rapid Mobile Survey“ zeichnet ein düsteres Bild. Demnach haben seit Beginn von Ramaphosas Corona-Feldzug rund drei Millionen Südafrikaner ihren Arbeitsplatz verloren, zusätzliche 1,5 Millionen Arbeiter wurden während dieser Zeit nicht mehr bezahlt. Fast jeder zweite Haushalt des Landes hatte bereits im April kein Geld mehr, um Lebensmittel zu kaufen. In acht Prozent der Haushalte hatten Kinder in der vergangenen Woche an drei oder mehr Tagen nichts mehr zu essen. Sobald in Südafrika derzeit irgendwo Lebensmittel verteilt werden, bilden sich teils kilometerlange Schlangen. Es wird ein Ansteigen der Arbeitslosigkeit auf rund fünfzig Prozent befürchtet.

          Schon jetzt ächzen viele Kliniken unter der Belastung. Es fehlt an Ärzten, Krankenschwestern und Sauerstoffgeräten. Bilder des Fernsehsenders BBC zeigen verdreckte Krankenhausflure und Ratten in den Abfällen. Vom „epischen Versagen eines zutiefst korrupten Systems“ spricht ein Arzt gegenüber dem britischen Reporter. Die Regierung versucht die Bevölkerung derweil mit der geplanten Einführung eines Grundeinkommens zu beruhigen. Wie sie dieses finanzieren will, hat sie nicht erklärt. Die Weltgesundheitsorganisation rechnet im schlimmsten Fall mit fast 50.000 Corona-Toten in Südafrika.

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