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Südafrika : Der blutige Kampf um den Boden

Kein Schutz durch den Staat: Auf die Polizei wollen sich viele weiße Bauern nicht mehr verlassen. Bild: AFP

In Südafrika werden mehr weiße Bauern ermordet denn je. Gleichzeitig plant die neue Regierung die entschädigungslose Enteignung des Landes. Für die Wirtschaft wäre das eine Katastrophe.

          10 Min.

          Als die Angreifer kamen, war die alte Frau mit ihrer neun Jahre alten Enkeltochter allein in ihrem Bauernhaus bei Bronkhorstspruit, rund 50 Kilometer östlich von der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria. Es war schon dunkel, halb elf Uhr abends. Die Milchkühe waren in ihrem Stall; die Tochter beruflich unterwegs; das Mädchen schlief schon. Eva Maria Fouché, 70 Jahre alt, saß noch unter dem schwachen Schein ihrer Küchenlampe und las in der Bibel. Da ging plötzlich das Licht aus. Jemand hatte die Stromleitung gekappt. Danach flog ein Stein durch die Fensterscheibe des Wohnzimmers. Fouché drückte den Alarmknopf, den sie immer um den Hals hängen hat. „Dieser Panic Button hat mir das Leben gerettet“, sagt sie heute, wenn sie an jenen Abend am 6. Februar 2018 zurückdenkt.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Es war ein gespenstisches Szenario. Die Männer hatten ihre schwarzen Gesichter mit schwarzer Schminke noch dunkler gemacht, und sie gingen mit äußerster Brutalität vor. Zunächst drückten drei der Eindringlinge den Kopf der Frau auf ein Sofakissen, dann knebelten sie sie – und schlugen immer wieder zu: auf den Kopf, die Arme, die Beine. Der vierte Mann fesselte derweil das Kind – bis es ängstlich all sein Erspartes herausrückte: genau 10 Rand, umgerechnet etwa 70 Euro-Cent. Erbarmen konnte es seine Peiniger damit nicht. Immer wieder fragten sie nach noch mehr Geld, und immer wieder schlugen die 20 bis 30 Jahre alten Männer ihre wehrlosen Opfer.

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