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Südafrika : Chris-Hani-Attentäter im Gefängnis niedergestochen

Anhänger der Regierungspartei ANC und der Kommunistischen Partei Südafrikas protestieren gegen die Freilassung des Chris-Hani-Attentäters. Bild: AFP

Der Mörder des südafrikanischen Freiheitskämpfers Chris Hani sollte am Donnerstag aus dem Gefängnis entlassen werden. Doch ein anderer Häftling hat ihn niedergestochen. Und in den Straßen wird gegen die Freilassung protestiert.

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          In Südafrika schürt die erwartete Freilassung des Mörders des schwarzen Freiheitskämpfers Chris Hani heftige Proteste. Am Mittwoch zogen Demonstranten zum Kgosi-Mampuru-II-Gefängnis in Pretoria, wo der Täter Janusz Walus seit fast 30 Jahren inhaftiert war. Zu dem Protestmarsch hatten die Regierungspartei ANC, die Kommunistische Partei Südafrikas und Gewerkschaften aufgerufen. Auf Plakaten war „Chris Hani darf nicht noch einmal getötet werden“ zu lesen.

          Claudia Bröll
          Politische Korrespondentin für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Walus, ein polnischer Einwanderer, hatte Hani vor seinem Haus in Johannesburg mit mehreren Schüssen getötet. Die Tat am Ostersamstag 1993 hatte in Südafrika Sorgen vor einem Bürgerkrieg nur ein Jahr vor den ersten demokratischen Wahlen ausgelöst. Walus wurde zunächst zum Tode und später zu lebenslanger Haft verurteilt. Sein ebenfalls verurteilter Komplize starb 2016.

          Am Dienstag nun wurde Walus im Gefängnis von einem Häftling bei der Essensausgabe mit einem Messer angegriffen und verletzt. Einem Bericht des Nachrichtenkanals News24 zufolge war der Angreifer ein glühender ANC-Anhänger. Draußen schändeten derweil Randalierer die Grabstätte Hanis, der ein ranghohes Mitglied der Kommunistischen Partei und des ANC gewesen war.

          Seit Jahren wurde um die Freilassung Walus´ gerungen

          Südafrikas Verfassungsgericht hatte vor einer Woche entschieden, dem heute 69 Jahre alten Walus eine Entlassung auf Bewährung zu gewähren. Innerhalb von zehn Tagen solle er das Gefängnis verlassen, sagte der Oberste Richter Raymond Zondo. Die Frist soll Berichten zufolge an diesem Donnerstag ablaufen.

          Um eine Entlassung wurde hinter den Kulissen seit Jahren gerungen. Walus hatte sie mehrfach beantragt, doch wechselnde Justizminister lehnten ab. Zondo erklärte die jüngste Entscheidung jetzt als „irrational“. Der Minister habe seine Befugnisse überschritten und sich über die Empfehlungen des zuständigen Prüfgremiums hinweggesetzt. Walus hatte sich nach Worten des Richters mehrmals bei der Witwe und der Familie Hanis entschuldigt. Ein Freigang sei auch wegen guter Führung im Gefängnis gerechtfertigt.

          Die Entscheidung löste viel Entrüstung aus. Die Witwe Hanis, einige ANC-Politiker, Mitglieder der Oppositionspartei Economic Freedom Fighters und der Kommunistischen Partei sprachen von „Verrat“ an allen, die gegen die Apartheid gekämpft hätten. Es gibt aber auch viele Stimmen, die die Proteste als übertrieben bezeichnen. Walus und sein Komplize hatten 1997 vor der Wahrheits- und Versöhnungskommission eine Amnestie beantragt, waren aber gescheitert. Die Entscheidung war umstritten. Die Kommission hatte argumentiert, die beiden hätten allein gehandelt und keine politischen Motive gehabt.

          Ein richtungsweisender Parteitag des ANC steht bevor

          Wenige Wochen vor einem richtungsweisenden Parteitag des ANC heizt die Gerichtsentscheidung die Spannungen zwischen radikalen und gemäßigten Mitgliedern in der Partei an. Am gleichen Tag hatte das Oberste Berufungsgericht entschieden, der frühere Präsident Jacob Zuma müsse in das Gefängnis zurückkehren. Er war aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig entlassen worden, tauchte in der Öffentlichkeit aber immer wieder auf. Am vergangenen Wochenende wurde er bei der Eröffnung eines Restaurants in Durban gesehen. Zuma wurde im vergangenen Jahr wegen Missachtung des Verfassungsgerichts zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt. Er verbrachte aber nur kurze Zeit in Haft.

          Ob Walus das Gefängnis in diesem Tumult am Donnerstag tatsächlich verlassen kann, ist noch unklar. Seit der Messerattacke befindet er sich im Krankentrakt des Gefängnisses. Er sei „stabil“ und erhalte die nötige medizinische Versorgung, hieß es.

          Südafrikas Innenministerium hat mittlerweile eine Ausnahmegenehmigung erteilt, damit er die Bewährungszeit in Südafrika verbringen kann. 2017 hatten ihm die Behörden die südafrikanische Staatsbürgerschaft entzogen. In den Medien wurde auch über eine Auslieferung nach Polen spekuliert. Dort wird Walus angeblich von einigen Rechtsextremen als Held verehrt.

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