https://www.faz.net/-gpf-16im3

Süd- und Nordkorea : Abschrecken, ohne zu provozieren

  • -Aktualisiert am

Das Wrack der Cheonan wird aus dem Gelben Meer geborgen Bild: dpa

Nachdem nun geklärt ist, dass Nordkorea wohl für den Untergang der Cheonan verantwortlich zeichnet, stellt sich die Frage nach einer angemessenen Reaktion. Groß ist das Risiko, dass ein möglicher Vergeltungsschlag sich zum Krieg ausweitet.

          3 Min.

          Nachdem die südkoreanische Regierung die Öffentlichkeit mit gestückelten Vorab-Informationen schon auf die Ungeheuerlichkeit vorbereitet hatte, ist die Nachricht jetzt amtlich: Für den Untergang des südkoreanischen Kriegschiffes Cheonan am 26. März, bei dem 46 Seeleute ums Leben kamen, ist ein nordkoreanisches Torpedo verantwortlich. Das kommunistische Nordkorea hat sich eines unprovozierten militärischen Angriffes schuldig gemacht, der als Kriegsakt interpretiert werden kann.

          Bislang hat es in Südkorea noch keine ernstzunehmenden Forderungen nach einer militärischen Antwort auf Pjöngjangs Provokation gegeben. Über die politischen Lager hinaus ist man sich in Südkorea bewusst, dass im Umgang mit einem nuklear bewaffneten Regime, das auch über eine riesige Streitmacht und ein großes konventionelles Arsenal verfügt, Vorsicht geboten ist. Das Risiko, nach dem sich ein möglicher Vergeltungsschlag zu einem Krieg ausweiten könnte, ist groß.

          Zugleich sind die Möglichkeiten von Strafaktionen gegen das Regime in Pjöngjang begrenzt, das hat die internationale Gemeinschaft schon im Ringen mit Nordkorea um das Atomprogramm gesehen. Wegen seiner Atom- und Raketentests wurde das kommunistische Nordkorea bereits von den Vereinten Nationen mit Sanktionen belegt. Südkorea hat seinen Handel und seine Hilfsleistungen für den kommunistischen Norden schon auf ein Minimum reduziert.

          In Südkorea ist die Wut groß
          In Südkorea ist die Wut groß : Bild: dpa

          Betonte Zurückhaltung

          Präsident Lee Myung-bak reagiert betont zurückhaltend auf die nordkoreanische Provokation. Mit seiner Strategie, die Informationen über die Untersuchung stückweise bekannt werden zu lassen, hat er versucht, der Nachricht ihre Schärfe zu nehmen. Präsident Lee sicherte sich auch ab, indem er internationale Fachleute zur Mitarbeit in der Untersuchungskommission einlud. Nach der Veröffentlichung des Untersuchungsergebnisses am Donnerstag sprach er davon, dass internationale Zusammenarbeit Nordkorea dazu bringen solle, „seine Tat zuzugeben“ und „ein verantwortliches Mitglied“ der internationalen Gemeinschaft zu werden. Nach allem, was man bisher mit Nordkorea erlebt hat, ist das nicht mehr als ein frommer Wunsch. Präsident Lee hat ebenfalls, nicht gerade übereilt, für diesen Freitag seinen nationalen Sicherheitsrat einberufen und ist in ständiger Abstimmung mit den Nachbarn und besonders mit der Schutzmacht Amerika, dessen Außenministerin in der nächsten Woche in Seoul erwartet wird.

          Für Südkorea allein gibt es wenige Optionen, auf Nordkoreas Angriff zu reagieren. Es könnte die gemeinsame, in Nordkorea gelegene Wirtschaftszone Kaesong schließen, doch dann wären südkoreanische Arbeiter dort in Gefahr. Südkorea könnte die Seestraße von Cheju für Nordkoreas Schiffe schließen, doch es wird befürchtet, dass Nordkorea darauf mit einer Schließung seines Luftraumes für zivile Flüge reagieren könnte. Die Reaktionen Nordkoreas sind unberechenbar, und eine allzu starke Isolation Pjöngjangs könnte auch die letzten Türen schließen, die für einen Umgang mit dem Regime noch offenstehen.

          Weitere Themen

          Ultrakonservativer Raisi gewinnt Präsidentenwahl Video-Seite öffnen

          Iran : Ultrakonservativer Raisi gewinnt Präsidentenwahl

          Laut offiziellen Teilergebnissen hat der Ultrakonservative Ebrahim Raisi die Präsidentenwahl in Iran klar für sich entschieden, ein zweiter Wahlgang ist nicht nötig. Aussichtsreiche Gegenkandidaten waren gar nicht erst zur Wahl zugelassen worden.

          Jetzt brennen bei Protesten ASEAN-Flaggen

          FAZ Plus Artikel: Myanmar : Jetzt brennen bei Protesten ASEAN-Flaggen

          Die südostasiatische Staatengemeinschaft ASEAN wird in Myanmar zunehmend unbeliebt. Die Gegner der Militärjunta fühlen sich von den Nachbarn im Stich gelassen. Und China treibt die Anerkennung der Putschisten voran.

          Topmeldungen

          So könnten sie spielen: Deutschland gegen Portugal

          Deutschland gegen Portugal : Wen lässt Löw wie spielen?

          Bundestrainer Löw kündigt für das Spiel gegen Portugal mehr Offensivgeist an und auch „taktische Veränderungen“. Ob und wie sich das in der Aufstellung bemerkbar macht?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.