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Sturm aufs Kapitol : Pence verweigerte Flucht vor Trump-Anhängern

  • Aktualisiert am

Wenige Stunden nach dem Sturm aufs Kapitol führte Mike Pence am 7. Januar 2021 die Zertifizierung des Wahlergebnisses weiter. Bild: AP/J. Scott Applewhite

Im Plan von Donald Trump, seine Wahlniederlage zu ignorieren, spielte Mike Pence eine Schlüsselrolle. Doch der Vizepräsident spielte nicht mit. Neue Details aus dem Untersuchungsausschuss zeigen, wie knapp die USA einer noch größeren Krise entgingen.

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          Im Untersuchungsausschuss zum Angriff auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 haben Zeugen neue Details zu den chaotischen Stunden an jenem Tag offengelegt. Ein früherer Berater des damaligen US-Vizepräsidenten Mike Pence, Greg Jacob, beschrieb am Donnerstag (Ortszeit) in einer öffentlichen Anhörung, wie Pence sich damals trotz des Gewaltsausbruches am Kongresssitz gegen den Rat seiner Sicherheitskräfte geweigert habe, das Gelände zu verlassen.

          „Der Vizepräsident wollte auf keinen Fall riskieren, dass die Welt sieht, wie der Vizepräsident der Vereinigten Staaten aus dem US-Kapitol flieht“, sagte Jacob, der Pence damals begleitete. Sein Chef sei entschlossen gewesen, die begonnene Zertifizierung des Präsidentschaftswahlergebnisses abzuschließen. Er habe es als „verfassungsmäßige Pflicht“ gesehen, dies zu Ende zu bringen. Pence habe daher über Stunden an einem sicheren Ort auf dem Kapitol-Gelände ausgeharrt, um von dort aus später in den Senatssaal zurückzukehren.

          Trump erkundigte sich nicht

          Auf die Frage, ob Präsident Donald Trump zu irgendeinem Zeitpunkt bei Pence angerufen habe, um zu fragen, ob er in Sicherheit sei, sagte Jacob: „Das tat er nicht.“ Pence habe das „frustriert“.

          Mehrere Zeugen beschrieben außerdem ein hitziges Telefonat zwischen Trump und Pence am Morgen jenes Tages, bei dem der damalige Präsident mehrere Schimpfwörter benutzt habe.

          Anhänger Trumps hatten am 6. Januar 2021 den Parlamentssitz erstürmt. Dort war der US-Kongress zusammengekommen, um den Wahlsieg von Trumps demokratischem Herausforderer Joe Biden formal zu bestätigen. Die gewalttätige Menge wollte das verhindern. Pence leitete damals in seiner Rolle als Vizepräsident die entscheidende Kongresssitzung. Nachdem unter anderem dutzende Klagen gegen den Wahlausgang vor Gerichten gescheitert waren, hatte Trump Pence unverhohlen öffentlich aufgerufen, das Prozedere zu blockieren.

          Vor dem Untersuchungsausschuss wird eine Trump-Rede als Beweisstück abgespielt.
          Vor dem Untersuchungsausschuss wird eine Trump-Rede als Beweisstück abgespielt. : Bild: AP/Susan Walsh

          Kurz vor dem Angriff hatte Trump seine Anhänger bei einer Kundgebung damit aufgewiegelt, ihm sei der Wahlsieg gestohlen worden. Dabei hetzte er seine Unterstützer auch explizit gegen Pence auf. Diese suchten damals im Gebäude nach dem Vizepräsidenten, den sie als Verräter beschimpften und zu hängen drohten, weil er Bidens Bestätigung nicht verhinderte. Der Ausschuss arbeitet den beispiellosen Gewaltausbruch von damals auf.

          Verfassungskrise abgewendet

          Ebenfalls vor dem Untersuchungsausschuss sagte am Donnerstag der pensionierte Bundesrichter J. Michael Luttig, der Plan Trumps, sich trotz seiner Wahlniederlage durch Mitwirkung von Pence an der Macht zu halten, hätte das Land in eine „Revolution“ und „Verfassungskrise“ stürzen können.

          Der umstrittene Jurist John Eastman hatte Trump ein Memo vorgelegt, wonach Pence in seiner Rolle als Senatspräsident bei der Kongresssitzung die Wahlmännerstimmen einzelner Bundesstaaten aufgrund von Betrugsvorwürfen hätte ablehnen können. Ex-Richter Luttig beriet damals Pence und wies diese Darstellung zurück. Der Vizepräsident lehnte es schließlich ab, die Zertifizierung von Bidens Wahlsieg zu torpedieren.

          „Es gab in der Verfassung oder in den Gesetzen der Vereinigten Staaten keinerlei Grundlage für die von Herrn Eastman vertretene Theorie“, sagte Luttig nun vor dem Ausschuss. „Keine.“ Die stellvertretende Ausschussvorsitzende Liz Cheney von der Republikanischen Partei sprach von einer „Unsinns-Theorie“. „Es war falsch, und Dr. Eastman wusste, dass es falsch ist. In anderen Worten: Es war eine Lüge.“

          Im Ausschuss ging es weiterhin um die Aussage eines damaligen Anwalts des Weißen Hauses, Eric Herschmann. Dieser sagte Eastman nach eigenen Angaben am Tag nach der Kapitol-Erstürmung: „Hole dir einen verdammt guten Strafverteidiger. Du wirst ihn brauchen.“

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