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Studie : Mehr als 45 Millionen Menschen sollen in Sklaverei leben

  • -Aktualisiert am

Opfer sexueller Gewalt in Guatemala. Bild: dpa

Vor allem in Asien werden viele Menschen ihrer Freiheit beraubt. Oft machen sich sogar Staaten der Sklaverei schuldig. Auch in Deutschland und Westeuropa gibt es Fälle.

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          45,8 Millionen Menschen sollen in Sklaverei leben, obwohl diese mittlerweile fast überall auf der Welt illegal ist. Das ist das Ergebnis des Global Slavery Index 2016, in dem die Walk Free Foundation ihre Ergebnisse der Untersuchung von 167 Ländern darstellt. Mehr als die Hälfte, insgesamt 58 Prozent der Sklaven, sind auf nur fünf Länder – China, Indien, Pakistan, Bangladesch und Usbekistan – verteilt, heißt es in dem Bericht. Das Land mit dem höchsten Anteil von Sklaven an der Gesamtbevölkerung ist demnach Nordkorea, wo jeder Zwanzigste betroffen sein soll. Danach folgen Usbekistan, Kambodscha, Indien und Katar. In Europa liegen Russland und die Türkei vorne. Die Zahl ist in den letzten Jahren stark gestiegen: 2014 sprach der Index noch von 35,8 Millionen Menschen.

          Die Studie fasst den Begriff Sklaverei dabei sehr weit: Als Kriterium wird genannt, dass einem Sklaven von einem anderen Menschen die Freiheit genommen wird. Dies kann die Freiheit sein, seinen eigenen Körper zu kontrollieren, die Freiheit, bestimmte Arbeit abzulehnen oder nicht mehr zu arbeiten. Durch Drohungen, Gewalt, Nötigung, Machtmissbrauch oder Täuschung wird es dem Sklaven demnach unmöglich gemacht, die Situation zu verlassen. Für die Walk Free Foundation sind demzufolge Sklaven Menschen, die in Turkmenistan und Usbekistan vom Staat während der Erntezeit zur Arbeit gezwungen werden, genauso wie zwangsverheiratete minderjährige Mädchen in Bangladesch und Koranschüler, die im Senegal zum Betteln geschickt werden.

          In Deutschland schätzen die Autoren des Berichts die Zahl moderner Sklaven auf 14.500 Menschen. Dabei handelt es sich laut des Berichts oft um Opfer von Menschenhandel, die zu 80% weiblich sind und meist zwangsprostituiert oder als Haushaltshilfen beschäftigt werden. Fast zwei Drittel von ihnen stammen demnach aus EU-Mitgliedsstaaten, meist aus Osteuropa, die anderen oft aus Nigeria, China oder Brasilien. Auch Zwangsarbeiter in verschiedenen Industriezweigen sowie Opfer von Zwangsheirat sollen betroffen sein.

          Wie die Autoren der Studie schreiben, war es nicht einfach, die die Anzahl der Menschen zu messen, die in Sklaverei leben. Sklaverei finde oft im Verborgenen statt und es sei schwer, Betroffene zu identifizieren. Das methodische Vorgehen bei der Erstellung des Index wurde in der Vergangenheit kritisiert, da es wissenschaftlichen Standards nicht entspreche. So gibt die Walk Free Foundation selbst zu, dass unklar ist, weshalb Mauretanien, das 2014 noch Spitzenreiter war, in diesem Jahr auf Platz 7 steht: Möglicherweise habe sich die Situation wirklich geändert, möglicherweise haben die verbesserten Erhebungsmethoden aber auch nur zu anderen Ergebnissen geführt.

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